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„Wen dürfen wir essen?“ bei Arte: Ist In-vitro-Fleisch die Zukunft?

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Von: Teresa Vena

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Die Fleischtheke in einem Supermarkt: Die Auswahl ist groß.
Die Fleischtheke in einem Supermarkt: Die Auswahl ist groß. © Martin Wagner/Imago

Die Arte-Dokureihe „Wen dürfen wir essen?“ wirft Fragen über unsere Ernährung und den Klimawandel auf. Gründe für den Fleischverzicht gibt es jedenfalls einige.

Arte zeigt eine Dokumentarfilmreihe, die sich mit dem Bedürfnis des Menschen, Fleisch zu essen, und Einfluss dieser Gewohnheit auf Gesellschaft, Wirtschaft und Klima auseinandersetzt. Es gibt viele Gründe, auf das Essen von Fleisch zu verzichten. Einer davon ist das Bewusstsein, dass Viehzucht massive Auswirkungen auf das Ökosystem hat und daher beim Thema Klimaschutz eine wichtige Rolle spielt.

Tatsächlich werden ein Drittel aller Treibhausgasemissionen von der Gewinnung der Nahrungsmittel für den Menschen verursacht. Es würde daher nicht reichen, auf das Auto zu verzichten, nicht mehr zu fliegen oder Energie zu sparen, um die Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu reduzieren. Dafür müsste weltweit auch weniger Fleisch produziert und konsumiert werden. Das ist eine der Erkenntnisse, die als Basis für die Recherchearbeit zur Doku-Reihe „Wen dürfen wir essen?“, die bei Arte gezeigt wird, dient.

Arte: Viele Perspektiven werden in „Wen dürfen wir essen?“ aufgezeigt

Insgesamt besteht die Serie aus fünf Einzelbeiträgen, die jeweils 32 Minuten lang sind. Die beiden deutschen Regisseure und Autoren Jannis Funk und Jakob Schmidt greifen darin verschiedene Aspekte auf, die mit unserer Ernährung und damit zwangsläufig unserem Verhältnis zu Tieren zusammenhängen. Ganz bewusst haben sie dabei den Titel ihrer Arbeit gewählt.

Sie fragen nicht „was“, sondern „wen“ dürfen wir essen. Eine ihrer Hauptfragen ist nämlich, wieso der Mensch überhaupt Fleisch isst und wie sich eigentlich rechtfertigen lässt, welche Tiere er dafür auswählt. Ein Schaf ist ein Schaf, also ein Tier zum Essen, ein Hund ein Hund, der nicht gegessen wird – zumindest im westlichen Kulturkreis.

Arte: „Fleisch aus dem Labor“

In „Wen dürfen wir essen?“ auf Arte bemühen sich die Autoren, möglichst viele Perspektiven des
Themas aufzuzeigen. Dabei schildern sie, wie es in einer Schweinemastanlage aussieht, begleiten Aktivist:innen für Tierrechte, besuchen Unternehmen, die in der Ernährungsbranche tätig sind, oder unterhalten sich mit Wissenschaftler:innen und Politiker:innen. So unterschiedlich die Position aller Ansprechpartner:innen auch konkret ist, als Ganzes sind sich alle darüber einig, dass unser Ernährungskreislauf auf Ausbeutung der Natur, Ineffizienz und ethisch wackligen Praxen basiert.

Um ihre Argumente zu untermauern, befragen Funk und Schmidt in der einen Folge mit dem Untertitel „Fleisch aus dem Labor“ von „Wen dürfen wir essen?“ auf Arte die Klimawissenschaftlerin Cynthia Rosenzweig. Die US-Amerikanerin ist Teil des Weltklimarats, der alle sechs bis sieben Jahre einen Bericht über den Stand der Wissenschaft zum Thema Klimaentwicklung verfasst. Darin wird klar, welche Bedeutung unsere Ernährung dabei zukommt.

„Wen dürfen wir essen?“ auf Arte: Warum sind Ersatzprodukte eigentlich so teuer?

Mit einer Reihe von bunt animierten Grafiken versucht der Film, die wichtigsten Daten anschaulich
zu machen. So erfährt man, dass Rinder für 70 Prozent der Treibhausgasausstöße, die auf das Konto der Landwirtschaft gehen, verantwortlich sind. Das Methan, das eine Kuh jährlich produziert, entspricht dem Co2-Äquivalent, das durch 20.000 Kilometer Autofahren entsteht.

Am aufschlussreichsten ist die Aufstellung, die die Auswirkung einer fleischlosen Ernährung aufzeigt. Daraus ist erkennbar, dass selbst die Entscheidung, nur noch Fischfleisch zu essen,massgeblich helfen würde, die Treibhausgasemissionen zu reduzieren – nämlich um 4 Milliarden Tonnen. Und schon eine allgemeine Reduktion der insgesamt verzehrten Fleischmenge hätte positive Effekte. Um dazu zu animieren, lässt sich die Wirtschaft bereits auf die Produktion von alternativen Produkten ein. Und auf diese Weise verlagert sich die Lebensmittelgewinnung vom Stall ins Labor.

„Wen dürfen wir essen?“ auf Arte: Hohe Preise von Alternativprodukten unverständlich

Die Autoren der Dokumentation „Wen dürfen wir essen?“ auf Arte haben die Forschungsabteilung des deutschen Unternehmens „Rügenwalder Mühle“ besucht. Eindruck macht die Aussage der Mitarbeiter, dass die Fleischersatzprodukte der Firma, die erst seit ungefähr sechs Jahren auf dem Markt sind, bereits riesige Erfolge einfahren. Sie übertreffen offenbar bereits den Umsatz der restlichen Produktion. Dass die vegetarischen und veganen Varianten also im Vergleich zu echten Fleischprodukten immer noch unverhältnismäßig teuer sind, ist vor diesem Hintergrund umso unverständlicher.

Darauf kommt der Film leider nicht zu sprechen, obwohl es doch ein durchaus wesentlicher Aspekt zu sein scheint. Würde der Preis gesenkt, ließen sich doch vermutlich weitere Menschen dafür begeistern. Um die Beliebtheit dieser Produkte kümmert sich auch das US-amerikanische Unternehmen„Impossible Food“, das zum Thema Aromastoffe forscht. Würden die Fleischersatzprodukte noch mehr nach echtem Fleisch schmecken, würden sie besser funktionieren, sind die Mitarbeiter überzeugt. Ob sich die Begeisterung der Verbraucher in Zukunft auch auf sogenanntes „In-vitro-Fleisch“ erstrecken wird, möchte man bezweifeln.

„Wen dürfen wir essen?“

Donnerstag, 4. August 2022, 19.40 Uhr, Arte

„Wen dürfen wir essen?“ auf Arte: Künstliches Fleisch könnte die Zukunft sein

Als letzte Station ihrer Recherchearbeit zum Thema „künstliches Fleisch“ stellt „Wen dürfen wir essen?“ auf Arte ein Labor in Israel vor. Hier hat man aus Zellen eines Tieres ganze Zellkulturen angelegt. In riesigen Tanks vermehren sich die Zellen und bilden schließlich Fleisch heraus, das verzehrt werden kann. „Future Meat“ sieht sich als Pionier im Feld der menschlichen Ernährung. Keine Tiere müssten mehr sterben, keine Wälder mehr gerodet, um den Bedarf an Fleisch der Menschheit zu decken.

Man könnte sogar die Menschen ernähren, die jetzt an Hunger leiden. Diese visionäre Vorstellung bräuchte allerdings noch einige technische Fortschritte, um Realität werden zu können. Aktuell scheint der Herstellungsprozess nämlich noch viel zu teuer und zu anfällig zu sein, um in großem Umfang bestehen zu können.

„Wen dürfen wir essen?“ auf Arte: Interessante Informationen

In der Kürze der einzelnen Beiträge vermittelt die Serie „Wen dürfen wir essen?“ auf Arte interessante Informationen und Denkanstösse. Nicht jede Grafik und die darin in einem rasanten Tempo präsentierten Zahlen können allerdings in ihrer Schlüssigkeit überzeugen. Auch hätte man sich ein weniger auffälliges Gewicht auf US-amerikanische Ansprechpartner gewünscht. Die Autoren betonen zwar, dass das Thema ein weltweites ist, erreichen aber einen nur reduzierten Grad an Internationalität oder gar kultureller und sozialer Vielfalt. Ihr Beitrag ist daher ein Anfang, für den man sich eine Fortsetzung wünscht. (Teresa Vena)

„Dianas letzte Nacht – Liebe, Leben, Legende“ blickte im ZDF zum 25. Todestag von Prinzessin Diana und Dodi Al-Fayed auf die letzten verhängnisvollen Tage.

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