Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Arte: „Was und heilig ist“: Im Nordosten Japans praktiziert Meister Fumihiro Hoshino die Shugendo Religion.
+
Arte: „Was und heilig ist“: Im Nordosten Japans praktiziert Meister Fumihiro Hoshino die Shugendo Religion.

TV-Kritik

Gibt es einen Weg zurück? „Was uns heilig ist“ auf Arte über Menschen auf der Suche nach den Wurzeln

  • vonHans-Jürgen Linke
    schließen

Wie können wir zurückfinden zur Religiosität, fragt „Was uns heilig ist“ auf Arte. Verbindliche Antworten liefert die Dokumentation nicht - doch eine Gewissheit kristallisiert sich heraus.

Ist uns noch irgend etwas heilig? Schwer zu sagen. Natur ist nur mehr die wichtigste Rohstoffquelle, unser psychisches Innenleben ein Arbeitsfeld für Therapeuten und Therapeutinnen, Gott und Götter sind Gegenstände weltanschaulicher und philosophischer Debatten. Aber der Tag zwischen den zwei bedeutungsvollen christlichen Feiertagen Karfreitag und Ostern ist ein guter Zeitpunkt, der Frage nach dem Heiligen eine Dokumentation zu widmen.

Frédéric Lenoir, Bruno Victor-Pujebet und Timothée Janssen haben einen Film hergestellt, der am ehesten wie eine ethnologische Bestandsaufnahme daherkommt. Er teilt das weite Feld des Religiösen und der religiösen Handlungen in verschiedene Kapitel auf und handelt sie nacheinander ab: Schamanismus, Zeremonien und Rituale, Askese, Pilgerreisen, Mystik, Rückzug und Einsamkeit, Suche nach Weisheit und Zufriedenheit, Wege zurück zur Natur. Manchmal flattern Zusammenhänge lose im Wind wie Gebetsfahnen.

„Was uns heilig ist“ auf Arte: Apnoetauchen als Ritual

Wir tendieren dazu, Religion als etwas einzuordnen, was nicht wahrheitsfähig und nachprüfbar ist, also unserem modernen wissenschaftlich geformten Denken nicht standhalten kann. Dass Religion dennoch orientierende, oft normierende Macht über Milliarden von Menschen hat, ist gleichwohl nicht nur offensichtlich und darüber hinaus energiereiche Quelle geopolitischer Konfliktlagen. 

Aber Geopolitik und Wahrheitsfähigkeit sind nicht die Themen der Dokumentation. Sie zeigt Religion eher als Auseinandersetzung mit Mysterien und mit dem Nicht-Verstehen. Gemeinsam ist allen religiösen Lehren und Praktiken sicherlich die Auseinandersetzung mit dem Geistigen beziehungsweise mit einer jenseitigen Wirklichkeit; und vielleicht sind die Suche nach Schönheit und die emotionale Qualität des Erhabenen ein religiöser Impuls. Vielleicht aber auch die Suche nach Grenzen der Existenz – etwa im Rückzug aus der sozialen Welt oder – die wahrscheinlich skurrilste und einsamste Art der Religionsausübung – beim Apnoetauchen

„Was uns heilig ist“ auf Arte: Gibt es einen Weg zurück zu den Wurzeln?

Und nicht nur um innere Einkehr, Schönheit und Weisheit geht es, sondern auch um ein Gefühl des Bedauerns darüber, dass die Menschen der industriellen und post-industriellen Moderne den Kontakt zu ihren natürlich Wurzeln verloren haben. Natürliche Wurzeln beziehungsweise die Wurzeln auch des menschlichen Lebens in der Natur, so die nie explizit geäußerte Ausgangsthese des Films, sind Quelle jeglicher Religiosität. 

Zur Sendung

Was uns heilig ist, Arte, 3.April, 20:15 Uhr

Wie aber soll man dorthin zurück finden? Und gibt es überhaupt einen Weg zurück? Was für eine Rolle kann das Opfer dabei spielen? Kann Meditation weiterhelfen, an wen wenden sich Dank- und Bitt-Rituale? Können unsere Ahnen, können Tote uns beraten? Für manche ist der Wald, für andere das Meer, ein Gebirge oder die Wüste, für einige der Sternenhimmel Ort religiöser Projekte und Projektionen. Und so streift die Dokumentation ein wenig ziellos umher. 

„Was uns heilig ist“ auf Arte: „Es kann nicht mehr lange so weitergehen“

Verbindliche Antworten findet sie nicht, dafür aber eine große Zahl von Menschen, die mit religiösen Gefühlen, Ritualen, Gewissheiten leben. Und nur eine Gewissheit kristallisiert sich langsam heraus: die, dass es mit uns so nicht mehr lange weitergehen kann. (Hans-Jürgen Linke)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare