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Super GAU – Die letzten Tage Luxemburgs
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Pure Panik in Luxemburg: Arte-Dokufiktion thematisiert den Super-GAU.

TV-Kritik

Arte-Spielfilm „Super GAU – Die letzten Tage Luxemburgs“: Pure Panik

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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Die Katastrophe droht nebenan Arte-Autoren mischen Spiel- und Gesprächspassagen in einem Film über einen denkbaren Atomunfall nahe der deutsch-französischen Grenze. Die TV-Kritik.

Am 26. April 1986 jährt sich zum 35. Male die Atomkatastrophe von Tschernobyl, als durch menschliche und technische Unzulänglichkeit ein Nuklearreaktor explodierte und in Brand geriet. Ein „Super GAU“, was bedeutet, dass die monströse Havarie nicht mehr beherrschbar ist. Die Folgen betrafen ganz Mitteleuropa, das Unglück, in dem derzeit bei ProSieben ausgestrahlten, zu Recht vielfach preisgekrönten US-Fünfteiler „Chernobyl“ packend und authentisch nacherzählt und von einer eigenproduzierten Dokumentarreihe begleitet, wirkt bis heute nach.

Im Begleitmaterial zu der deutsch-luxemburgischen Koproduktion „Super GAU – Die letzten Tage Luxemburgs“ bezieht sich Arte ebenfalls auf den Reaktorunfall von Tschernobyl sowie auf die zehn Jahre zurückliegende Nuklearkatastrophe im japanischen Fukushima. Auch in Europa gibt es Atomkraftwerke, die Grund zur Sorge geben. Das Autorentrio Jonathan Becker, Jean Huot und Myriam Tonelotto, die wegen inhaltlicher Differenzen über die Wahl der Interviewpartner nur als Myriam T. zeichnet, spielt hier auf fiktionaler Ebene einmal durch, wie sich ein Atomunfall im grenznahen französischen Atomkraftwerk Cattenom auswirken würde. Eine szenische Simulation sozusagen.

„Super GAU – Die letzten Tage Luxemburgs“ auf Arte: Kein Tag wie jeder andere

Für einen Kraftwerkstechniker, eine Kleinfamilie, eine TV-Journalistin beginnt der Tag wie gewöhnlich. Journalistin Emma (Sophie Mousel) ist unzufrieden, weil in Luxemburg zu wenig Berichtenswertes passiert. Sie hat sich nach München beworben, die Oma, bei der sie aufgewachsen ist, soll sie bei diesem Wechsel begleiten, will aber nicht. Auf Emma wartet ein Routineauftrag. Sie soll von einer Kunstausstellung berichten. Ihre Interviewpartnerin ist Sonia Fischer (Fabienne Hollwege), Mutter zweier schulpflichtiger Kinder. Die weiteren Erlebnisse dieser Familie werden ebenso erzählt wie die von Emma und ihrem Kameramann Nico (Joël Delsaut).

Zu diesem Zeitpunkt steigt bereits schwarzer Rauch über dem Atomkraftwerk auf. Weithin sichtbar, aber noch macht sich niemand Sorgen. Die Betreiber und die Behörden schweigen. Bis zwei Werksmitarbeiter in ihrer Gewissensnot ein schlichtes Aufklärungsvideo drehen, auf die austretende Radioaktivität hinweisen und den Film ins Netz stellen. Die beginnende Beunruhigung wandelt sich rasch in pure Panik. Später folgt ein Kapitel, das den Faden drei Jahre später fortsetzt und vom weiteren Schicksal der überlebenden Protagonisten erzählt.

Arte-Spielfilm „Super GAU – Die letzten Tage Luxemburgs“: Bedeutsame Inhalte spröde serviert

Ein Vergleich mit der aufwändig produzierten erwähnten US-Serie „Chernobyl“, die vom Abonnementkanal HBO in Auftrag gegeben wurde, wäre unfair. Für „Super GAU“ standen, erkennbar schon an den sichtlich artifiziellen Computerbildern, weniger Mittel zur Verfügung. Ohnehin war die Absicht eine andere. Arte nennt diesen Programmbeitrag eine „Doku-Fiktion“. Denn in die Schauspielszenen eingebettet sind Gesprächspassagen, in denen Experten wie der Nuklearingenieur Patrick Majerus, der Atomphysiker Dr. Jean-Marie Brom und die luxemburgische Politikerin Erna Hennicot-Schoepges Hintergrundinformationen beisteuern.

„Super GAU – Die letzten Tage Luxemburgs“

Erstausstrahlung: Mittwoch, 21.4., 20:15 Uhr, Arte. Hier in der Mediathek sehen.

Das Themenspektrum umfasst soziologische, historische, medizinische Aspekte, bedeutsame und wichtige Beiträge, zwar optisch ambitioniert, leider aber doch eher spröde eingerichtet. Es wird viel erklärt und wenig gezeigt. Dramaturgisch unglücklich, dass auf die filmische Exposition bereits eine lange Wortstrecke eingefügt wurde, ehe in der achtzehnten Minute der Schnitt zurück zum fiktionalen Geschehen erfolgt.Schade, wenn infolge dieses trockenen Einstiegs Zuschauer verlorengingen.

„Super GAU – Die letzten Tage Luxemburgs“ auf Arte: Bezug zum Pandemiegeschehen

Denn die dargebotenen Inhalte sind von allgemeinem Interesse. Die Fachleute sprechen auch Fragen an, die man bei dieser Thematik vielleicht nicht unbedingt erwartet. In der – durchaus realistischen – Zukunftsvision werden Tausende wegen der radioaktiven Verseuchung aus ihrer Heimat vertrieben und müssen auf Europa verteilt in Lagern leben. Man sollte gehört haben, was die Ärzte über die physischen und psychischen Folgen derart schwerwiegender Verluste zu sagen haben. Die Erkenntnisse gelten selbstredend nicht nur für Mitteleuropäer.

Ein anderer Aspekt schwingt unterschwellig mit. Radioaktivität ist unsichtbar und wird deshalb von manchen Betroffenen anfangs nicht als gefährlich wahrgenommen, vielleicht sogar verharmlost – ganz so wie SARS-CoV-2 und andere tödliche Viren. Ein geistiger Brückenschlag, der der Wissenschaftsfiktion– Science Fiction im ursprünglichen Sinne – gewollt oder ungewollt akuten Gegenwartsbezug verleiht. (Harald Keller)

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