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Arte fragt „Ist das Kunst?“: Business mit eigenen Regeln

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Von: Lisa Berins

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„Wo sollen denn die Grenzen sein?“ Silke Hohmann (l.) besucht Anne Imhof in Paris.
„Wo sollen denn die Grenzen sein?“ Silke Hohmann (l.) besucht Anne Imhof in Paris. © © Lupa Film/Olivier Calautti

Eine Arte-Miniserie geht der Frage „Ist das Kunst?“ nach.

Was ist Kunst? Was ist keine Kunst? Anne Imhof findet diese Fragestellungen eigentlich Quatsch. „Wo sollen denn die Grenzen sein von einem Kunstwerk?“ Imhof, die in Offenbach und Frankfurt studierte und 2017 die Venedig-Biennale nach ihrer Fünfstunden-Performance „Faust“ mit einem Goldenen Löwen verließ, sitzt auf einer schwarzen Ledercouch in ihrem Berliner Atelier und hat mit einer weißrandigen Sonnenbrille eine Barriere zwischen sich und der Welt aufgebaut. Imhof arbeitet größtenteils immateriell und entzieht sich damit erst mal dem Kunstmarkt. Sie erschafft düstere Szenen, die nur im Moment der Aufführung existieren. Die Frage ist jetzt: Wenn alles Kunst ist, wenn es keine Grenzen gibt, was ist dann das, was Anne Imhof erschafft - und wie lässt es sich verkaufen?

In der Arte-Miniserie „Ist das Kunst?“ wollen Silke Hohmann, Redakteurin des Kunstmagazins „Monopol“, und der Regisseur Felix von Boehm ab Sonntag dem Kunstmarkt auf die Schliche kommen. Seinen Regeln, Strukturen und Mechanismen. Was macht Kunst zu Kunst, wer bestimmt ihren Wert und welche Namen setzen sich warum durch? In der ersten, rund 30-minütigen und kurzweiligen Folge geht es konkret um die Frage: „Wer macht die Kunst?“.

Hohmann besucht dazu nicht nur Anne Imhof, die gerade eine Ausstellung im Palais de Tokyo in Paris vorbereitet (die Schau lief von Frühjahr bis Herbst 2021), sondern auch den ghanischen Maler Amoako Boafo, der seine rasante Karriere auf Instagram startete. Außerdem verschlägt es Hohmann nach Berlin Oberschöneweide. Dort haben Ólafur Elíasson, Thomás Saraceno und Alicja Kwade ihre Kunstfabriken errichtet.

Kwade arbeitet an einer Installation, die in der kalifornischen Wüste aufgebaut werden soll. Die Zuschauerinnen und Zuschauer sehen sie als strategisch und konzeptionell denkende Unternehmerin, die das Entstehen ihres Werkes nach ihrer Bleistiftzeichnung mit einem Team von Architektinnen, Steinmetzen und Statikern managt. „Der Künstlerjob an sich ist, permanent den abstrakten Gedanken in Realität umzuwandeln“, sagt sie. Kwade ist die einfache Arbeiterin, aus deren Fabrik die „frische Ware“ stammt, wie es in der Doku heißt.

Der Mythos vom künstlerischen Genie, das in Eigenregie große Werke der Kunstgeschichte erschafft, existiert nicht mehr - das ist anhand diverser O-Töne aus der Branche zu erfahren. Vielmehr ist an dem Entstehen zeitgenössischer Kunst ein großer, gut eingespielter Betrieb beteiligt: Galerien, die die Vorfinanzierung sichern, das Werk auf Messen promoten und auf dem Markt platzieren, Kuratorinnen und Kuratoren, die sich um die Umsetzung von Projekten kümmern, jede Menge Menschen, die entdecken, fördern, sammeln. Sie sind die Gatekeeper, die entscheiden, ob eine Künstlerin oder ein Künstler den Zeitgeist trifft, die Story stimmt, die Arbeiten eine Nachfrage bedienen.

All dies ist an sich vielleicht keine neue Erkenntnis, allerdings: Es noch mal so direkt von den großen Playern der deutschen Kunstlandschaft zu hören, ist doch ein wenig desillusionierend. Es gibt kein großes Geheimnis, die Mechanismen funktionieren, der Markt folgt seinen banalen Gesetzmäßigkeiten. Für die Künstlerinnen und Künstler bedeutet das vor allem, zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu sein. That’s it? Zählt gar keine Qualität? Ganz so simpel ist es natürlich nicht.

„Ist das Kunst?“ stochert auf sachliche Art in einem nebulösen Business. Was Anne Imhofs Kunst betrifft: Die Überlegungen, wie genau sie ein immaterielles Werk in Kapital umwandelt, werden in Folge eins nicht weiter verfolgt. Auch eine Antwort auf die Frage, was Kunst ist und wo sie aufhört steht als Appetizer für die nächsten Folgen im Raum. Da soll es dann auch darum gehen, wie es zu den, teils gigantischen Preisen kommt - und wer bereits ist, sie zu bezahlen.

„Ist das Kunst?“, Arte, Sonntag, 22. Mai, 12.10 Uhr. Alle vier Folgen sind von Sonntag an Online verfügbar.

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