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Koppers letzter Fall: Mario Kopper (Andreas Hoppe) will einen Freund beschützen.
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Koppers letzter Fall: Mario Kopper (Andreas Hoppe) will einen Freund beschützen.

"Tatort: Kopper", ARD

Arrivederci, Mario

Lena Odenthals ehemaliger Mitbewohner verlässt nun auch den Tatort: Kopper bekommt nach zwanzig Jahren einen Alleingang zum Abschied.

Als Mario Kopper im Oktober 1996 von der Sitte ins Morddezernat wechselte und seinen ersten Auftritt im Ludwigshafener Tatort hatte, war er zunächst als klassischer Trottel gebucht. In der Folge „Der kalte Tod“ skatete er ohne Glück mit der sehr jungen Kollegin Lena Odenthal, dann versuchte er, seine Mama am Telefon daran zu hindern, ein Fresspaket ins Büro zu bringen, dann pinkelte er gegen einen Baum und wurde vom Spürhund angewufft. Um ihn herum entwickelte sich unterdessen der Fall.

Ein Pathologe drückte Odenthal sein Beileid über den neuen Kollegen aus, der noch dazu unentwegt rauchte. Es ging damals schon darum, klarzumachen, dass Lena Odenthal intelligenter, sportlicher, fleißiger und schöner als Mario Kopper ist.

Die Rotwein-WG des deutschen Fernsehens

Ein paar Jahre später zog Kopper, verlassen von der heimgekehrten sizilianischen Mutter, in die Wohnung der Kollegin – wie blitzten Odenthals Augen noch kalt, als er das 2000 erstmals vorschlug. Aber irgendwie ergab es sich dann doch, zunächst als Provisorium. Wieder 15 Jahre später beendete Lena Odenthal, inzwischen selbst schwer in der Krise, die berühmteste Rotwein-WG des deutschen Fernsehens, in der sich Kopper dafür längst als Koch und Ermittler bewährt hatte.

Kopper modifizierte gelegentlich seine Barttracht (der pechschwarze Zopf fiel eh), blieb aber bei alten Fiat-Modellen. Sie waren wie er selbst für Lena Odenthal immer eine Spur zu langsam und im Tatort auch bald kein Alleinstellungsmerkmal mehr, wo praktisch alle männlichen Polizisten ein Faible für originelle (unpraktische) Autos zelebrieren. Der Tatort insgesamt ist im Grunde genommen ein Beleg dafür, dass das Verhältnis zwischen Mann und Auto noch immer nicht ausreichend durchleuchtet worden ist.

Ja, es gab auch dröge Momente in Ludwigshafen, für den Kopper-Darsteller Andreas Hoppe offenbar noch dröger als für das Publikum. Als der SWR im vergangenen Jahr seinen Ausstieg aus dem Team mit der dienstältesten Ermittlerin, Ulrike Folkerts, ankündigte, machte Hoppe aus seiner Unzufriedenheit wenig Hehl. Er habe immer Ideen gehabt, es habe aber an Platz dafür gefehlt. Kopper, sagte er der „Rheinpfalz“, sei schon „in den vergangenen Jahren“ nicht mehr „mit guten Geschichten versorgt worden, nicht wirklich gefordert worden. Es gab zwischendurch ,Tatorte‘, wo ich plötzlich kaum noch etwas zu tun hatte“.

Erwartungsgemäß kann man das über Koppers Abgang unter dem Titel „Kopper“ nicht sagen. Wie es dem halbitalienischen Ermittler, dessen Darsteller zu Protokoll gab, aller Wahrscheinlichkeit nach immerhin im Italienurlaub gezeugt worden zu sein, geziemt, ist das eine recht herbe Mafia-Geschichte. Kopper trifft seinen alten Kumpel Sandro wieder und lässt sich kurzerhand aufs Übelste in dessen Mafiaverstrickung hineinziehen. Die Verstrickung ist hanebüchen, aber nicht hanebüchener als die Mafia, deren Aktivitäten in Deutschland schon immer auf Ratlosigkeit und Unglauben trafen.

Schwieriger macht es das Buch von Patrick Brunken nachzuvollziehen, dass Kopper so naiv das Geschäft des „Vertrauens“ und der Geheimniskrämerei mitbetreibt. Dabei spielt Hoppe das glänzend, hart wie nie, nichts ist übrig vom lustigen Gesellen. Die Inszenierung von Roland Suso Richter ist ein bisschen altmodisch, wie es einer Mafia-Geschichte gut ansteht. Selbst dass Kopper beichten geht (buchstäblich), nimmt man mit Interesse hin. Der Priester unaufgeregt: „Mein Sohn, du musst sofort zur Polizei gehen.“

Vielleicht besteht die Tücke in diesem düsteren, schnörkellos erzählten Tatort darin, dass der Abschied bitter, aber nicht zu bitter sein sollte. Kopper und dann auch Lena selbst, die nach 52 Minuten endlich ins Bild gesetzt wird (Kopper: „Wir müssen reden“), schweigen, zögern hinaus und versuchen es auf ihre Art. Die nicht sehr sympathische, aber profilierte – und demnächst sicher noch mehr in den Blick kommende – Kollegin Stern, Lisa Bitter, bringt es auf den Punkt: „So funktioniert die Mafia.“ So funktioniert aber auf gewisse Weise auch der Tatort, der darum sonniger schließt, als es der Lage angemessen wäre.

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