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Ein diverses Team soll die Dollar-Reserven retten.
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Ein diverses Team soll die Dollar-Reserven retten.

Endzeitfilm beim Streaming-Anbieter

„Army of the Dead“: Netflix ist die Zombie-Variante des Kinos

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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Auf Netflix: Zack Snyders launiger Zombie-Film verlangt auch von den Lebenden wenig Gehirnleistung – und macht Matthias Schweighöfer zum Hollywoodstar.

Elvis lebt. Oder auch nicht. Wer weiß das schon so genau in Las Vegas, wo unter dem Segen einer nachgebauten Freiheitsstatue, im Schatten eines falschen Eiffelturms nur die verjubelten Geldscheine echt sind. Schon in normalen Zeiten kann einem das Wüstenbabel einigermaßen surreal vorkommen. Doch der falsche Elvis, der uns in Zack Snyders „Army of the Dead“ zu den Klängen einer Cover-Version von „Viva Las Vegas“ willkommen heißt, ist nun wirklich grenzwertig. Wie in Trance wackelt er mit seinem blutigen Kinn. Er ist ein Zombie-Elvis.

Zu Tausenden formieren sich die Untoten im Vorspann von „Army of the Dead“ gegen chancenlose Regierungstruppen und ein paar wehrhafte, bis an die Zähne bewaffnete Desperados, die noch nicht gebissen sind. Im weiteren Verlauf der Geschichte werden sie versuchen, den Zombies noch ein paar irdische Besitztümer aus einem Casino-Tresor abzuluchsen, denn dies sind zwei Filme in einem: Ein Zombie-Film und ein „caper movie“. Die Zeit dafür ist eng: Die Regierung plant, sich des Zombie-Desaster mittels einer kleinen Atombombe zu entledigen und des Spielerparadieses gleich mit. Schließlich sind im Kalten Krieg schon viele Atompilze über der Wüste von Nevada aufgestiegen.

Netflix: Sechs Minuten voll Blut in „Army of the Dead“

Wer die blutreichen sechs Minuten der Vorspannsequenz hinter sich gebracht hat, kann sich auch über die folgenden knapp zweieinhalb Stunden nicht mehr beklagen. Dies ist die Sorte Film, bei der das Blut eigentlich nie Zeit zum Trocknen hat. Wer im Zombie-Film die morbid-verhangenen Zwischentöne des Genre-Pioniers George A. Romero erwartet oder gar den Handkamera-Realismus seines Klassikers „Night of the Living Dead“, wird enttäuscht sein. Dies ist in jeder Hinsicht die Las-Vegas-Version des Ganzen: Ein atemloser, mitunter albern-parodistischer Totentanz, bei dem die schlurfenden Statisten ihre beeindruckend auf verwest geschminkten Gesichter wie zum Maskenball tragen. Ein Spaß ist es doch.

Kunstvoll in einen post-apokalyptischen Zustand versetzt, gleicht das Spielerparadies endlich dem Bild, das Sittenwächter seit jeher von ihm hatten. Es ist die Hölle auf Erden. Und wer sich hier – weil man Zombies bekanntlich nur auf diese Weise endgültig ins Grab bringt – sein Gehirn wegschießen lässt, der hat es wahrscheinlich schon zu Lebzeiten dem Hedonismus geopfert. Wenn man so will, ist Netflix ja ohnehin die Zombie-Version des Kinos. Doch dies ist kein Blockbuster eines ums Überleben kämpfenden Filmstudios, den der Streamingdienst Corona-bedingt billig einkaufen konnte.

Es ist eine Eigenproduktion im Netflix-Programm, was auch dem spektakulären Filmanfang einen besonderen Sinn gibt, der in Zeitlupe und ohne Worte erklärt, wie die Stadt von einem Untoten infiziert wurde und nun den Zombies gehört. Schon die Vorspänne der alten US-amerikanischen Fernsehserien wirkten wie vorgestellte Trailer. Schließlich soll ja niemand mehr wegschalten.

Army of the Dead: Netflix könnte Matthias Schweighöfer zum Hollywood-Star machen

Auch den deutschen Überraschungsstar hat der Vorspann schon kurz eingeführt: Matthias Schweighöfer spielt Ludwig Dieter, den Meister-Tresorknacker. Unterstützt von einem angenehm diversen Team soll er die immensen Dollar-Reserven aus einem großen Spielcasino retten. Im Einzelnen stehen ihm zur Seite: Ein tumber aber patenter Muskelprotz (Dave Bautista), seine ihm entfremdete Tochter (Ella Purnell) und seine athletisch-toughe Möchtegern-Geliebte (Maria Cruz) sowie ein egoistischer Fiesling (Omari Hardwick) sowie zwei weitere Unsympathen: ein brutaler Polizist (Burt Cummings) und ein schwer einzuschätzender Geheimagent (Garrett Dillahunt).

Die Besetzung in der Übersicht
NameRolle
Dave BautistaScott Ward
Ella PurnellKate Ward
Huma QureshiGeeta
Tig NotaroMarianne Peters
Matthias SchweighöferLudwig Dieter
Ana de la RegueraMaria Cruz

Wie es sich für einen Zombiefilm, aber auch für fast jeden Katastrophenfilm gehört, kann man nun Wetten abschließen, wer von dieser schillernden Personage das Filmende noch erleben wird. Mit Schweighöfer jedenfalls wurde – was immer es bedeuten mag – bereits ein Prequel abgedreht. Auch wenn andere die Action in der Hand haben, ist seine Figur die liebenswerteste des Films. Ihm könnte damit gelingen, worauf sein älterer Kollege Til Schweiger so ehrgeizig hinarbeitete: Der Aufstieg zur Hollywoodgröße, nicht nur vor, sondern auch hinter der Kamera – die Vorgeschichte „Army of Thieves“ inszenierte er selbst.

Netflix-Produktion Army of the Dead - Streaming-TV ist immer noch Fernsehen

Immer amüsant, wie man Deutsche im Ausland sieht: Tüftler Ludwig Dieter sieht aus wie ein Nerd-Tourist, mit seinem 80er-Jahre-Walkman-Kopfhörer über der uncoolen Jacke. Korrekt und etwas spießig, entfährt ihm auch in der Originalfassung immer wieder ein halblautes „Ach du Sch…“ – was angesichts der höchst bedrohlichen Lage im Zombieland natürlich eine Untertreibung ist. Nur wenn die Öffnung der mächtigen Tresortür ansteht, schwärmt er vollmundig von der Götterdämmerung.

Infos zum Film

Army of the Dead. USA 2021. Regie: Zack Snyder. 144 Min.

Auch das Kino erlebt gerade eine solche, und diese Einladung zu einem Ersatz-Blockbuster nimmt man mit gemischten Gefühlen an. Netflix möchte etwas anderes von uns als das Multiplex. Wer einmal im Film sitzt, muss nicht weiter zum Sitzenbleiben verleitet werden – auch wenn es immer lautere Teenie-Actionfilme darauf anzulegen schienen. Streaming-TV aber ist immer noch Fernsehen, und es muss sich jeden Augenblick gegen die Konkurrenzprogramme durchsetzen.

Army of the Dead: Alpha-Zombies und Prinzessinen auf Netflix

Das merkt man dem Film „Army of the Dead“ sehr deutlich an. Es gibt keine ruhige Minute darin, aber immerhin ein paar stimmungsvoll unterlegte Songs, die ersetzen wollen, was Snyder an anderen Stellen verspielt, etwa durch dümmliche Dialoge. Die Cranberries dürfen mit ihrem „Zombie“-Hit nicht fehlen und der wahre Elvis warnt vor „Suspicious Minds“. Die Untoten kann er damit nicht gemeint haben. Selbst die intelligentesten von ihnen, sogenannte Alphas, zeichnen sich nicht gerade durch bemerkenswerte Gehirnaktivität aus.

Hinter den neo-klassizistischen Säulen eines Spielertempels haben sie ihr uriges Machtzentrum errichtet und verehren eine schräge Nachtclub-Schönheit als Zombie-Prinzessin: Eine punkige Salomé, die schließlich selbst ihren Kopf verliert, den ihr Mörder fortan als Tauschmaterial im Rucksack spazieren trägt.

Aber seien wir ehrlich: ein Kopf ist nun wirklich nicht das, was bei diesem Film besonders nötig ist, weder beim Machen noch beim Zuschauen. (Daniel Kothenschulte)

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