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Tatort im Ersten: „Warum“ - Frankenkrimi mit Fingerspitzengefühl

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Von: Sylvia Staude

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Warum ausgerechnet ihr Sohn? Fritz und Marie Keller, trauernd.
Franken-Tatort „Warum“: Warum ausgerechnet ihr Sohn? Fritz und Marie Keller, trauernd. © BR/Hager Moss Film GmbH/Hagen Ke

Am heutigen Sonntag ist in der ARD wieder Krimi-Zeit. Diesmal mit Max Färberböcks originellem und feinfühligem Franken-Tatort „Warum“.

Nürnberg – Die Angehörigen? Gern zeigen Tatort (ARD) und Polizeiruf, dass Ermittlerinnen und Ermittler sich, verständlicherweise, alles andere als darum reißen, an Türen zu klingeln und schreckliche Nachrichten zu überbringen. Hat die Kollegin nicht schon bewiesen, dass sie mehr Fingerspitzengefühl hat? Ist der Kollege nicht einfach auch mal dran?

Dann wird also geklingelt, muss ja. Dann werden die Angehörigen in aller Regel schnell vergessen, man hat schließlich zu tun – außer natürlich, diese Angehörigen geraten selbst in Verdacht. Weil sie, zum Beispiel, die Nachricht so gefasst aufnehmen.

Tatort „Warum“ heute in der ARD: Eltern des Opfers stehen im Mittelpunkt

Schlicht „Warum“ ist der neue Franken-Tatort im Ersten betitelt, bei dem Max Färberböck Regie führte und zusammen mit Catharina Schuchmann das Buch schrieb. Es ist der perfekte Titel für einen Film, der die genau das sich fragenden Eltern des Mordopfers ohne Wenn und Aber und mit Fingerspitzengefühl in den Mittelpunkt stellt.

Schauspieler:inRolle beim Tatort „Warum“
Dagmar ManzelPaule Ringelhahn
Fabian HinrichsFelix Voss
Valentina SaucaMarie Keller
Karl MarkovicsFritz Keller
Eli WasserscheidWanda Goldwasser
Andreas Leopold SchadtSebastian Fleischer
Matthias EgersdöferMichael Schatz
Casper SchuchmannLukas Keller
Julie EngelbrechtMia Bannert
Maja BackmannAnja
Götz OttoKarl-Heinz Weinhardt
Quelle: ARD

Dazu Paula Ringelhahn und Felix Voss, Dagmar Manzel und Fabian Hinrichs, als Team, das zwar auch seine Arbeit macht, sich aber trotzdem immer wieder um zwei Menschen sorgt, die ihren Sohn verloren haben. Einen Sohn, der als frisch verliebter Informatiker glücklich und erfolgreich in einem ganz normalen Leben stand, wie es scheint. Die Mutter, Valentina Sauca als Marie Keller, hat ihn just zu einem Abendessen erwartet; er hat gerade noch seine baldige Ankunft bestätigt. Irgendwann ruft sie bei der Polizei an, man hört nur, wie sie sagt: „Ich mach mir keine Gedanken. Verstehe.“

Tatort „Warum“ (ARD): In den Richtigen Momenten gespart

So wie hier, wo die ARD-Zuschauerin sich mühelos vorstellen kann, was auf der anderen Seite gesagt wird, spart dieser Tatort in den richtigen Momenten. Dafür sieht man Valentina Sauca als Marie, wie sie schon weiß, dass ihr Sohn tot ist, und trotzdem seine Nummer anruft. Und gleichsam hochruft, hochtelefoniert zu ihm, denn muss er nicht im Himmel sein? Wie sie unbedingt noch die junge Frau kennenlernen will, mit der ihr Sohn zusammen war, mit der er sich verloben wollte. Und den Ort sehen möchte, an dem er gestorben ist.

Karl Markovics, bekannt geworden in den 90ern als Sidekick Tobias Morettis in „Kommissar Rex“, gibt hier den stillen, durch den Schock noch stiller gewordenen Fritz Keller. Seit langem lebte er von Marie getrennt, warum, spielt hier zu Recht keine Rolle. Der Schmerz und die Trauer führen die beiden wieder zusammen – und bald auch die unbedingte Entschlossenheit herauszufinden, was passiert ist. Und warum es passiert ist.

Tatort „Warum“ (ARD): „Das Leben hat so einen Riesenvorrat an schrecklichen Sätzen.“

Noch jemanden nimmt dieser Fall gehörig mit. Und wenn es bei einem Tatort-Kommissar plausibel ist, dass er heftig mit sich selbst und seinem (zeitweiligen) Versagen rechtet, dann beim geradlinigen, skrupulösen Felix Voss, der Fabian Hinrichs wie auf den Leib geschrieben ist. Er schreit extra angereiste Kollegen an, weil sie einen ähnlichen Fall in der Oberpfalz seiner Meinung nach nicht sorgfältig genug bearbeitet haben. Er raunzt auch die Leute an, die ihm zuarbeiten. Er hasst seine „Ohnmacht“ und philosophiert: „Das Leben hat so einen Riesenvorrat an schrecklichen Sätzen.“

Zwischendurch wiederum ist er sich seiner Sache so sicher, dass er in die Irre geht. Und Paula Ringelhahn muss ein ernstes Wort mit ihm reden, denn da will er doch allen Ernstes seinen Job hinschmeißen. Das wäre, finden auch wir, jammerschade. Denn zu wem sonst könnte ein Täter am Ende irritiert sagen: „Sie sind ja völlig aus der Zeit gefallen!“ Und wir würden denken: Genau, aber das ist auch gut so. (Sylvia Staude)

Zuletzt stand der Frankfurt Tatort stark in der Kritik.

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