Anne Will diskutiert über Donald Trump und Corona.
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Anne Will diskutiert über Donald Trump und Corona.

ARD-Talkshow 

Diskussion bei Anne Will – „Trump ist das Gegenteil von Empathie und Menschlichkeit“ 

  • vonAstrid Theil
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In der Talkshow von Anne Will wurde anlässlich der Erkrankung des US-Präsidenten Donald Trump über die aktuellen und weiteren Entwicklungen in den USA diskutiert. Ein Republikaner sorgte dabei für Äußerungen, die es im deutschen Fernsehen wohl bisher nicht gab. 

  • US-Präsident Donald Trump ist an Covid-19 erkrankt. 
  • Bei Anne Will wurde deswegen unter anderem darüber diskutiert, welche Folgen die Diagnose für den US-Wahlkampf hat.  
  • Zu Gast in der ARD waren Peter Altmaier, Cem Özdemir, Rachel Tausendfreund, Roger Johnson, Britta Waldschmidt-Nelson und Stefan Niemann. 

Berlin – Die Nachrichten aus den USA überschlagen sich. Der Präsidentschaftswahlkampf wird aktuell – neben anderen, mittlerweile gewohnten Negativnachrichten rund um das Weiße Haus – von Meldungen über Steuerhinterziehungen des US-Präsidenten Donald Trump und seiner Erkrankung an Covid-19 begleitet. Den positiven Corona-Test von Donald Trump nahm Anne Will nun zum Anlass, um über die aktuellen und zukünftigen Entwicklungen in den USA zu diskutieren.

Gesprächspartner waren diesmal Peter Altmaier (Bundesminister für Wirtschaft und Energie/CDU), Cem Özdemir (Mitglied des Deutschen Bundestages für Bündnis 90/Die Grünen), Rachel Tausendfreund (German Marshall Fund of the United States), Roger Johnson (Vizepräsident der Republicans Overseas in Europa), Britta Waldschmidt-Nelson (Professorin für Geschichte des europäisch-transatlantischen Kulturraums an der Universität Augsburg) und Stefan Niemann (Leiter des ARD-Studios in Washington D.C.). 

Auf die erste Frage, ob man nun verlässlich wisse, wie es Donald Trump tatsächlich gehe, stellte sich schnell ein Konsens ein: nicht wirklich. Niemann wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass Trump weitgehend die Weitergabe von Informationen diesbezüglich kontrolliere. Da er in der aktuellen Situation mehr denn je darauf bedacht sei, keine Schwäche zu zeigen, ließen sich Informationen aus dem Weißen Haus nur mit Vorsicht genießen.

Auch der Bundesregierung lägen laut Altmaier keinerlei Informationen zum tatsächlichen Gesundheitszustand von Trump vor. Altmaier betonte dabei, dass „man ihm erst mal gute Besserung wünschen“ müsse. Eine Aussage, die an diesem Abend von verschiedenen Gästen in unterschiedlichen Variationen getroffen wurde. Wirklich aufrichtig klang sie jedoch bei niemandem. Sie schien vielmehr Ausdruck von Taktgefühl, Anstand und wohl auch politischer Taktik zu sein. 

Anne Will in der ARD – „Trump ist das Gegenteil von Empathie und Menschlichkeit“ 

Wenig darauf kam erstmals Roger Johnson zu Wort, der Vizepräsident der Republicans Overseas in Europa. Erwartungsgemäß scharf formulierte Anne Will ihre erste Frage an ihn: „Rächte sich nun, dass Donald Trump und sein Stab unverantwortlich mit der Pandemie umgegangen sind?“ Der folgende Redebeitrag Johnsons leitete ein, was er während der gesamten Sendung stringent weiterverfolgen sollte: Eine „Verteidigungsstrategie“ die so einfältig war, dass man empört und gelangweilt zugleich war. Als Antwort auf die Frage ging Johnson zunächst darauf ein, dass Trump bereits früh ein Einreiseverbot für Reisende aus China erlassen habe, was viele Menschenleben gerettet habe. Natürlich konnte er sich in dieser Situation nicht verkneifen hinzuzufügen, dass die Demokraten gegen diese Entscheidung protestiert hatten.

Nach einer erneuten, noch gezielteren Nachfrage von Anne Will, ob es nicht leichtsinnig gewesen sei, ohne Sicherheitsabstand und Maskenpflicht eine Veranstaltung in Washington abzuhalten – bei der sich nach aktuellem Wissensstand neben Donald Trump einige weitere Personen mit dem Coronavirus angesteckt haben sollen – kam es bereits zum Höhepunkt der „Einsicht“ und der „Zugeständnisse“: „Es ist bedauerlich, dass es so gelaufen ist“. Ein weiteres Entgegenkommen war offensichtlich nicht drin. 

Eine ähnlich scharf formulierte Frage richtete Anne Will daraufhin an Cem Özdemir, dessen Kritik an Donald Trump während der Sendung den Gegenpol zu Johnsons Aussagen bilden sollte. Sie wollte wissen, ob man sich über den positiven Corona-Test bei Donald Trump freuen dürfe. Die Antwort fiel eindeutig aus: „Häme“ und „Schadenfreude“ seien unangebracht. Die weitere Ausführung machte die Motivation hinter dieser Ansicht allerdings schnell deutlich: Man solle nicht die Mittel anwenden, die man bei anderen kritisiert. Immerhin hatte Donald Trump bei den letzten Präsidentschaftswahlen eine Lungenentzündung seiner Kontrahentin Hillary Clinton medienwirksam für eigene Zwecke ausgenutzt. Auf dieses Niveau solle man sich nun nicht herablassen.

Özdemir nutzte dabei die Gelegenheit, um auf das desaströse Gesundheitssystem in den USA hinzuweisen, das sich durch Donald Trumps Vorgehen noch weiter verschärfen werde. Neben solchen inhaltlichen Argumenten folgten von ihm auch wiederholt – gelinde gesagt – meinungsstarke Aussagen zu Trumps Person: „Trump ist das Gegenteil von Empathie und Menschlichkeit.“  

ARD-Talk von Anne Will – „Ich vertraue dem Mann und unterstützte ihn voll und ganz“ 

Waldschmidt-Nelson und Rachel Tausendfreund erörterten derweil in der Diskussion vor allem die Frage, zu welchen Szenarien es nun wegen der Erkrankung des US-Präsidenten an Covid-19 auf politischer Ebene kommen könnte. Waldschmidt-Nelson betonte dabei besonders, dass selbst ein schwerer Krankheitsverlauf die USA in keine Krise stürzen werde, da die Verfassung regele, was im Falle der Regierungsunfähigkeit des Präsidenten passieren müsse. Sollte Trump aber tatsächlich kurz vor der Wahl regierungsunfähig sein, hätte man es mit einer nie dagewesenen Situation zu tun.  

Stichwort nie dagewesene Situation: Anne Will nutzte diese Aussagen, um eine Frage aufzuwerfen, die – zumindest in Anbetracht der amerikanischen Verfassung absurderweise – schon länger gestellt wird. Würde Trump die Wahl im Falle einer Niederlage überhaupt anerkennen? Johnson kommentiert, dass die Wahl korrekt und ehrlich verlaufen müsse. Die eigentliche Frage überging er damit wenig elegant. Ganz im Rahmen der Argumentation des US-Präsidenten ging Johnson darauf ein, dass die massenhafte Briefwahl einer Wahlmanipulation Tür und Tor öffne. Das habe man bereits bei einzelnen Demokraten gesehen. Und mit Rassisten und Rechtsradikalen habe Trump übrigens auch nichts zu tun. Ein Kameraschwenk auf die Historikerin Waldschmidt-Nelson ließ in dem Moment kurz ein müdes Lächeln auf den Bildschirmen erscheinen.

Erfreulicherweise blieben diese Aussagen nicht unkommentiert stehen. Eine wirkliche Gefahr einer Wahlmanipulation in diesem Kontext besteht laut Tausendfreund nicht, ehe sie ein negatives Gegenbeispiel durch Politiker der republikanischen Partei anbrachte. Dass Trump eine Niederlage direkt akzeptieren würde, bezweifelte Waldschmidt-Nelson. Özdemir zeigte sich in dieser Hinsicht ebenfalls wenig optimistisch: „Ich trau dem Mann alles zu.“ 

Johnson war wenig überraschend anderer Meinung: „Ich glaube, dass er das Beste für das Land tut. Ich vertraue dem Mann und unterstütze ihn voll und ganz.“ Aussagen, die es im deutschen Fernsehen wohl bisher kaum gab und die von ihm lustlos auswendiggelernt vorgetragen wurden. Die Frage nach der politischen Leistung Trumps fiel anschließend verhältnismäßig kurz aus, da sich die anderen Diskussionsteilnehmer schnell darauf einigen konnten, dass die von Trump betriebene Politik vielleicht erfolgreich sei, aber sie dadurch nicht zu einer erbaulichen werden würde. 

Eine letzte Diskussion über die Frage nach dem Zustand und Stabilität der amerikanischen Demokratie bildete schließlich den Abschluss der Sendung. Während sich Altmeier hier optimistisch zeigte („Ich habe ein hohes Vertrauen in die demokratische Struktur der USA“) verwiesen Özdemir und schließlich Anne Will selbst auf die Schwächen des US-Wahlsystems. Die Angst, dass Trump wie bei den letzten Präsidentschaftswahlen trotz einer geringeren Unterstützung bei den Wählern Präsident werden könnte, ist in Anbetracht der näher rückenden Wahlen wieder unheimlich präsent.  (Von Astrid Theil) 

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