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ARD-Sommerinterview mit Tino Chrupalla: Nur auf Bewährung im Amt

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Von: Daland Segler

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Im Sommerinterview der ARD blieb Tino Chrupalla, Chef der Rechtsaußenpartei AfD bei altbewährten Kommunikationsmethoden.
Im Sommerinterview der ARD blieb Tino Chrupalla, Chef der Rechtsaußenpartei AfD bei altbewährten Kommunikationsmethoden. © Jörg Carstensen/dpa

Im ARD-Sommerinterview verfolgt AfD-Chef Tino Chrupalla die typische Strategie, unbequeme Fragen zu ignorieren.

Frankfurt am Main – „Die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit ist dabei geprägt von einem Wechselspiel aus provokativen, rechtspopulistischen bis hin zu rechtsextremistischen Thesen und einer anschließenden Relativierung oder einem Dementi“: ein Auszug aus dem Verfassungsschutz-Bericht zur AfD. Deren Vorsitzender Tino Chrupalla durfte beim ARD-Sommerinterview zeigen, ob er diese Strategie beherrscht. Und das tut er.

Sein Gegenüber Matthias Deiß glaubte wohl, in der kurzen Zeit (nicht viel mehr als 20 Minuten), möglichst viele Fragen stellen zu müssen. Dadurch bekam das Gespräch eine gewisse Hektik, zumal Deiß den Politiker hin und wieder zu unterbrechen versuchte.

ARD-Sommerinterview mit Tino Chrupalla: AfD-Chef mit bekannten Positionen

Wenn er es nicht tat, nutzte Chrupalla allerdings die Gelegenheit, sich ausschweifend ins rechte Licht zu rücken, indem er das Agieren der AfD als „nichts Außergewöhnliches“ darzustellen sich bemühte, etwa den Besuch bei Russlands Außenminister Lawrow. Deiß‘ Frage, ob er dem Putin-Freund denn seine Verurteilung des Überfalls auf die Ukraine schon persönlich mitgeteilt habe, überging der AfD-Chef geflissentlich.

Die Positionen die Chrupalla im Interview vertrat waren bekannt. So kritisierte er die Wirtschaftssanktionen als „absolut deplatziert“ und beteuerte, er vertrete Deutschlands Interessen – ignorierte aber das Ergebnis einer Umfrage, derzufolge etwa 70 Prozent der Deutschen dafür sind, die Ukraine zu unterstützen. Das werde sich im Winter ändern.

AfD-Chef Tino Chrupalla im ARD-Interview: Ukraine-Konflikt gehe um Interessen Europas und der USA

Typisch für die Taktik des Ausweichens war Chrupallas Reaktion auf die derzeit so häufig gestellte Frage, wie Wladimir Putin zu Verhandlungen zu bewegen sei, wenn der sich dem doch verweigere. Der AfD-Mann daraufhin: „Die Amerikaner weigern sich auch.“ Es gehe bei dem Konflikt um die Interessen Europas und der USA, war seine Begründung dafür, die Ukraine gar nicht erst als gleichberechtigten Verhandlungspartner zu akzeptieren.

Da wirkte Chrupallas Beteuerung, man müsse alles tun, um den Krieg auf diplomatischer Ebene zu beenden, nur noch schief. Keine Antwort erhielt Deiß dementsprechend auch auf seine Frage, an welchem Punkt im AfD-Konzept Putin zu Zugeständnissen bewegt werden solle. Stattdessen spekulierte Chrupalla über eine veränderte Lage im Winter, wenn die Heizkosten steigen würden.

Die überflüssige Kurzfragerunde brachte immerhin zutage, dass der Politiker keine Fußballnationalspielerin kennt, es für ihn nur zwei Geschlechter gibt, und er den Herrenwitz-Song „Layla“ „interessant“ findet.

Hier können Sie das Interview selbst ansehen

ARD-Sommerinterview, von Sonntag, 17. Juli, 18 Uhr. Im Netz: www.tagesschau.de

Tino Chrupalla (AfD) im ARD-Sommerinterview: Keine Arbeitslosenhilfe für Ukrainer:innen

Dass sich die ausländerfeindliche Haltung der AfD nicht geändert hat, ließ ihr Vorsitzender daran erkennen, dass er selbst ukrainischen Schutzsuchenden nur dann Arbeitslosenhilfe zugestehen will, wenn sie in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben.

Aber wie lange bleibt Tino Chrupalla ohnehin an der Spitze der zerrissenen Rechtsaußen-Partei? Für den Faschisten und „Flügel“-Prominenten Björn Höcke ist er „auf Bewährungsprobe“ für die nächsten zwei Jahre im Amt. Wie er denn jemals aus dem Schatten von Alice Weidel und Björn Höcke heraustreten wolle, hatte Deiß zuvor gefragt. Und da antwortete Tino Chrupalla einmal ganz offen und ehrlich: „Dafür bin ich ja heute hier.“ (Daland Segler)

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