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Olli Dittrich als öliger Moderator Sönke Lorenz.

TV-Kritik

In der neuen TV-Show von Olli Dittrich bekommt Frank Plasberg sein Fett weg

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Olli Dittrich setzt seinen Zyklus mit Parodien auf das Fernsehen mit einem Boulevard-Magazin fort.

Wikipedia ist ja weit davon entfernt, perfekt zu sein. Aber dass das Online-Lexikon sich bei einem derart populären Begriff irrt, mutet schon seltsam an. So wird dort behauptet, Wi-Fi sei als Wortspiel auf das Wort Hi-Fi erfunden worden. Das ist falsch, aber ein verzeihbarer Fehler. Woher sollte die Online-Community auch Kenntnis haben von dem Mann, dessen Namenskürzel in Wahrheit für Wi-Fi steht: Winfried Fischer. 

Der hat nämlich Ende des 19. Jahrhunderts Wi-Fi erfunden. Doch ist er leider in Vergessenheit geraten – bis jetzt. Nun erzählt ein Bio-Pic die ganze Wahrheit über den genialen Tüftler Fischer und seine bahnbrechende Erfindung. Und die Nachricht über diesen Film und seinen Helden verdanken wir dem TV-Magazin „Frust“.

ARD-Show: Olli Dittrich seziert in TV-Magazin „Frust“ das Fernsehen

Das kennen Sie nicht? Kann sein. Kann auch sein, dass Sie sich irren. Denn die ARD strahlt „Frust“ erstmals am 19. Dezember aus, und dann werden Sie wissen: Sie kennen „Frust“. Jedes Wort, jeden Satz haben Sie schon einmal gehört, jede Geste gesehen. Denn „Frust“ ist die neue Parodie, mit der Olli Dittrich im Fernsehen das Fernsehen imitiert, seziert und so als das „Nullmedium“ entlarvt, zu dem es Hans Magnus Enzensberger schon vor gut 30 Jahren erklärt hatte – vergebens, wie man heute weiß. 

In der neuen Ausgabe seines Zyklus über TV als flimmernde Regenbogenpresse widmet sich Dittrich einer Sumpfblüte des öffentlich-rechtlichen Fernsehens: den Magazinen vom Typ „Brisant“. Als öliger Moderator Sören Lorenz mit Schmalzlocke und diesem linkischen Wenden des Kopfes zur anderen Kamera kündigt er seine Pseudo-Promis und Fake-Stories an, die – der Magazin-Titel ist Programm – sich am Niedergang einstiger Helden weiden, so wie er zuletzt vom Fall der „Trixie Dörfel“ berichtete*. 

Olli Dittrich in der ARD: Auch Frank Plasbergs „Hart aber fair“ bekommt sein Fett weg

„Frust“, ARD, Donnerstag, 19. Dezember, 23.45 Uhr. Im Netz: ARD Mediathek (Video verfügbar bis 31.12.2020)

Nun also muss Tierfilmer Baeseke gestehen, dass sein „Polarzebra“ eine Fälschung war. Was der hier schön auf die Schippe genommene Tierfilmer Andreas Kieling mit dem Satz kommentiert, manche seiner Kollegen seien eben „manchmal zu lange draußen“. Wie Kieling bereichern auch andere Stars den Reigen der von Dittrich gespielten Personen mit Cameo-Auftritten. So erklärt Marius Müller-Westernhagen, dass seine Freundschaft zu Sänger „Platzhirsch“ endete, als der seine selbst gekochten Spaghetti nicht nur als zu weich schmähte, sondern daraus auch noch einen Song machte. 

Sebastian Bezzel und Sibel Kekilli geben Bruder und Gattin des Erfinders Fischer in einer gelungenen Veralberung der großen ARD-Familien-Sagas, und auch Frank Plasbergs „Hart aber fair“ bekommt noch sein Phrasen-Fett weg, indem am Ende eine Assistentin Zuschauer-Zuschriften verlesen darf – darunter die Frage, ober man Wlan auch über Kabel-TV-empfangen kann ... 

ARD-Show: Olli Dittrich hat auch in seiner zehnten Ausgabe nicht nachgelassen

Dittrich hat auch in seiner zehnten Ausgabe nicht nachgelassen. Im Gegenteil: Die Konsequenz, mit der jeder Satz in seiner Parodie als aus dem realen Programm stammend erkennbar ist, lässt „Frust“ noch eine Spur schärfer wirken und bietet damit als Satire im besten Sinne: eine brisante Fälschung in all ihrer Echtheit. Vielleicht wird sie deshalb erst nach Dieter Nuhrs Jahresrückblick gesendet.

Von Daland Segler

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Am Hauptbahnhof Frankfurt hat TV-Koch Steffen Henssler das Restaurant „Ahoi“ eröffnet. Trotz Schnelligkeit steht auch Qualität im Vordergrund.

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