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Der Tod ihres Onkels führt die Kriminaltechnikerin Viktoria (Claudia Eisinger) ins polnische Masuren. Im Haus ihres Onkels trifft sie auf den Dorfpolizisten Leon Pawlak (Sebastian Hülk).
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Der Tod ihres Onkels führt die Kriminaltechnikerin Viktoria (Claudia Eisinger) ins polnische Masuren. Im Haus ihres Onkels trifft sie auf den Dorfpolizisten Leon Pawlak (Sebastian Hülk).

TV-Kritik

„Der Masuren-Krimi: Fryderyks Erbe“ (ARD): Frau Doktor flirtet nicht

  • Harald Keller
    VonHarald Keller
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Auftakt der Masuren-Krimi-Reihe in der ARD: Mit „Fryderyks Erbe“ startet die Reihe im Ersten vielversprechend.

In die Reihen des Donnerstagskrimis in der ARD haben schon vor geraumer Zeit dunklere Töne Einzug gehalten, als man es in früheren Jahren gewohnt war. Diese Note prägt auch den Neuzugang in diesem Reigen, den „Masuren-Krimi“.

Die Landschaft rund um die Kleinstadt Pasym müsste der Kriminaltechnikerin Dr. Viktoria Wex (Claudia Eisinger) eigentlich sehr behagen: Wälder, Wiesen, Seen und die sprichwörtlichen masurischen Sümpfe. Dazwischen wenig Menschen. Die mag sie nicht. Im Zug von Berlin in Richtung Pasym hat sie das gesamte Abteil reserviert, um nicht von Mitreisenden gestört zu werden. Da hilft kein höfliches Fragen, kein flehentlicher Unterton. Dr. Wex will ihre Ruhe.

„Der Masuren-Krimi: Fryderyks Erbe“ (ARD): Verschollen oder tot?

In Pasym bekäme sie genug davon, will aber schnellstens zurück nach Berlin und ihre Arbeit wieder aufnehmen. Doch das ist ihr verwehrt, wie eine SMS ihrer Chefin preisgibt. Erst muss Frau Doktor zu einer psychologischen Untersuchung. Warum das so ist, verschweigen die Autoren vorerst noch, hier soll es auch nicht verraten werden.

Wohl aber, dass Dr. Wex dann doch länger bleibt als geplant. Angereist ist sie, weil ihr Onkel Fryderyk Jankowsky (Wieslaw Zanowicz), bei dem sie aufgewachsen ist, tot sein soll. Genauer: verschollen, denn man sah ihn auf den See hinausrudern, er hinterließ einen Abschiedsbrief, aber seine Leiche wurde nicht gefunden. Verwunderlich daran ist schon allein, dass Fryderyk sich hingebungsvoll um seine demenzkranke Frau Marta (Natalia Bobyleva) kümmerte. Und jetzt soll er die geliebte Lebensgefährtin im Stich gelassen haben?

RolleDarsteller:in
Dr. Viktoria WexClaudia Eisinger
Leon PawlakSebastian Hülk
Zofia KowalskaKarolina Lodyga
Fryderyk JankowskyWieslaw Zanowicz
Marta JankowskyNatalia Bobyleva

Viktoria Wex nimmt mit Unglauben auf, was ihr da von Arzt, vom Priester und vom Dorfpolizisten Leon Pawlak (Sebastian Hülk) berichtet wird, der sich bald als ihr Nachbar herausstellen wird. Das ist ungemein praktisch, weil Dr. Wex im ererbten Haus über eine Leiche stolpert. Es ist nicht Fryderyk, sondern ein stadtbekannter, weithin verhasster Investor.

„Der Masuren-Krimi: Fryderyks Erbe“ (ARD): Mikroskop statt Barbie

Es liegt in ihrem Wesen, dass Dr. Wex augenblicklich, aber bar jeder Legitimation zu ermitteln beginnt. Zum Verdruss der zuständigen Kriminalbeamtin Zofia Kowalska (Karolina Lodyga), zufällig die geschiedene Gattin von Leon Pawlak und Mutter der aufgeweckten Emilia (Matilda Jork). Dr. Wex mag keine Kinder, weil die vernünftigen Argumenten nicht zugänglich sind. Trotzdem entwickelt sich bald so etwas wie eine Freundschaft zwischen den beiden. Was daran liegen könnte, dass sich Kriminaltechnikerin von Emilia an ihre eigene Jugend erinnert fühlt. Wenn andere Mädchen mit Puppen spielten, saß die kleine Viktoria, so sehen wir es in gelegentlichen Rückblenden, an einem Mikroskop oder ließ sich von Onkel Fryderyk chemische und physikalische Zusammenhänge erklären.

Zur Sendung

„Der Masuren-Krimi: Fryderyks Erbe“, Donnerstag, 20.5., 20:15 Uhr, Das Erste

„Der Masuren-Krimi: Fangschuss“, Donnerstag, 27.5., 20:15 Uhr, Das Erste

Beide jeweils zwei Tage vor Sendetermin in der ARD-Mediathek

Es steckt sehr viel Recherchearbeit in diesem Krimi, dem eine Woche später mit „Fangschuss“ eine Fortsetzung folgt. Man muss Dr. Wex nur anstubsen, dann sprudelt das Wissen nur so aus ihr heraus. Ansonsten aber ist sie eher einsilbig und introvertiert bis zur Verstocktheit. Gerade damit imponiert sie dem Polizisten aus der Nachbarschaft, der sie immer wieder zum Essen einlädt – er kocht nach Meinung aller sehr gut – und trotz ihrer patzigen Ablehnungen nicht aufgibt.

„Der Masuren-Krimi: Fryderyks Erbe“ (ARD): Romantik ist nicht logisch

Bei der Charakterzeichnung der Viktoria Wex mag Saga Norén aus „Die Brücke – Transit in den Tod“ ein wenig Patin gestanden haben. Beide sind beruflich überdurchschnittlich befähigt, aber sozial inkompetent. Und nicht sonderlich romantisch veranlagt, denn Romantik ist nicht logisch. Dr. Wex hält den Mond für einen grauen Klumpen, der nicht mal von selbst leuchten kann. Die Praxis des Flirtens befremdet sie, aber die Zusammensetzung von Mondgestein kann sie auswendig aufsagen.
Der schwere Schatten, der auf Wex ruht, macht sie interessant genug, ihre gelegentlichen Halluzinationen wären gar nicht nötig gewesen, wirken schon fast wie eine Übertreibung.

Nicht nur die Figur der Viktoria Wex überzeugt, das gesamte Personal wirkt lebensnah, fast authentisch. Man nimmt diesen Charakteren, dem Dorfarzt, der Bootsbauerin, der Altenpflegerin und Nebenerwerbslandwirtin, ab, dass sie in dieser Region verwurzelt sind.

Die Autoren, Ulli Stephan schrieb das Skript nach einer Drehbuchvorlage von Markus B. Altmeyer, waren so klug, der Reihe Erinnerungen zu verleihen. Hier sind die Ereignisse aus der Auftaktfolge im zweiten Film noch nicht vergessen, und es gibt einen Kern wiederkehrender Protagonisten, was hoffentlich bei etwaigen Fortsetzungen beibehalten wird.

„Der Masuren-Krimi: Fryderyks Erbe“ (ARD): Über dem Durchschnitt

Erfreulich, dass das Gros der Rollen nicht an die Fließbandarbeiter des deutschen Fernsehens, sondern an polnische Schauspieler vergeben wurde. Regisseur Anno Saul übernahm selbst die Regie der Synchronisation, die keine Mängel aufweist, was nicht Standard ist in den Auswärtskrimis der Degeto.

Filmische Qualitäten gibt es viele, von der Kameraarbeit (Martin L. Ludwig) bis zur Wahl der Schauplätze und den Schnitt (Dirk Grau). In der zweiten Folge packt ein Polizist einen davonrennenden Jugendlichen bei den Schultern, nach dem prompt erfolgenden Schnitt wird der junge Lümmel mit dem gleichen Griff auf einen Stuhl gedrückt. Neben den fein geschliffenen Dialogen sind es solche Momente, die diese beiden Filme vom Allerweltskrimi unterscheiden. (Harald Keller)

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