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Max Mutzke und Bülent Ceylan in der ARD-Sendung „Lebenslieder“.
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Max Mutzke und Bülent Ceylan in der ARD-Sendung „Lebenslieder“.

TV-Kritik

„Lebenslieder“ - Max Mutzke in der ARD nicht immer auf der Höhe

  • Harald Keller
    vonHarald Keller
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Sänger Max Mutzke empfängt bei „Lebenslieder“ (ARD) prominente Gäste. Auch wenn das Konzept nicht neu ist, birgt die Reihe so manche Überraschung.

  • Max Mutzke empfängt in seiner Sendung „Lebenslieder“ in der ARD prominente Gäste.
  • Gäste wie Bülent Ceylan oder Annette Frier erzählen aus ihrem Leben – und welche Musik sie mit diesen Erinnerungen verbinden.
  • In der ARD-Sendung „Lebenslieder“ wechseln sich Musik und Talk ab, kein neues, aber ein sehenswertes Konzept, findet unser Autor.

Berlin – Am Dienstagabend und weiteren drei Terminen im Februar gibt es eine neue Programmfarbe auf dem Talkshow-Sendeplatz nach den „Tagesthemen“. Die ARD-Sender RBB und WDR produzieren gemeinsam die zunächst vierteilige Reihe „Lebenslieder“. Auch hier gibt es einen gewissen Anteil an Gesprächen, aber er hält sich die Waage mit den musikalischen Beiträgen.

Lebenslieder in der ARD mit Max Mutzke: Die Band weiß zu begeistern

Die Idee ist nicht neu, aber das besagt nichts, denn es gibt kaum ein Sendekonzept, für das sich nicht ein Vorläufer in der siebzigjährigen deutschen Programmgeschichte finden ließe. Mit Max Mutzke hat ein ausgewiesener Musiker die Moderation übernommen. Je Sendung begrüßt er im Berliner „Festsaal Kreuzberg“ vor Publikum einen Gast mit Affinität zur Musik. Die Kulisse deutet Wohnzimmeratmosphäre an, die gute Stube ist dabei direkt mit der Bühne verbunden, auf der die dreiköpfige Band monoPunk, mit der Max Mutzke auch sonst oft zusammenarbeitet, in Habachtstellung auf ihre Einsätze wartet.

Manchmal stimmen sie einen Song auf Zuruf an, im Verlauf der vier Sendungen wird ihnen ein Repertoire von Marilyn Manson bis Sergei Rachmaninow abverlangt. Eine Herausforderung, die sie souverän bewältigen. Bei Stevie Wonders „Sir Duke“ allerdings klingt die Dreierbesetzung aus Bass, Keyboard und Schlagzeug ein wenig karg. Das Fehlen der Bläsersektion macht sich bemerkbar.

Lebenslieder (ARD) mit Max Mutzke: Der Gast trifft die Songauswahl und liefert Anekdoten

Die Songauswahl richtet sich nach den Vorlieben des jeweiligen Gastes. In der Auftaktsendung ist es Annette Frier, mit ihrer Schlagfertigkeit, ihrem Mutterwitz und musikalischer Begabung immer ein dankbarer Gast. Zu Beginn der ersten Sendung von „Lebenslieder“ gibt es einen kurzen Einspieler zur Biografie. Wer es bislang nicht wusste, erfährt, dass Annette Friers Karriere in der RTL-Serie „Hinter Gittern“ begann. Und auch, dass Frier als Kind ein stilles Persönchen war. Weil sie es, wie sie erklärt, für aussichtslos hielt, mit Erwachsenen zu streiten.

Max Mutzke im Gespräch mit Schauspielerin Anette Frier. In der Sendereihe „Lebenslieder“ erzählen Stars ihrer Geschichten zu Songs.

Es gibt etliche Bonmots dieser Art. Recht hat sie, wenn Annette Frier sagt: „Schlecht vorbereitet kann ich gut.“ Den roten Faden der Sendung liefert die von Frier zusammengestellte Songliste. Obenan steht Limahls „Never Ending Story“, der Titelsong der gleichnamigen Michael-Ende-Verfilmung. Inner Circles „Sweat (A La La La La Long)“ zählt dazu, Don McLeans „American Pie“, Marla Glens „Believer“.

Zum jeweiligen Musikstück gibt es bei „Lebenslieder“ in der Regel eine Anekdote, ein biografisches Erlebnis. Auch ernste Themen wie der Tod des Vaters und dessen Nachwirkungen werden angesprochen. Während ihrer Schauspielausbildung war ihr Musik eine wichtige Stütze. Aus dieser Zeit stammt auch der Überraschungsgast, eine Studienkollegin, bis heute eine gute Freundin.

Lebenslieder: ARD zeigt Bekannte Hits in neuer Interpretation von und mit Max Mutzke

Zu den besonderen Merkmalen dieser Sendereihe gehört, dass die „Lebenslieder“ nicht vom Band kommen, auch nicht von monoPunk originalgetreu nachgespielt, sondern von Max Mutzke entweder solo oder im Duett mit dem Gast individuell interpretiert werden. Ob „Killing Me Softly With His Song“ – besonders bekannt in der Version von Roberta Flack – oder kölsches Karnevalslied, Max Mutzke macht sich jeden Song zu eigen. Die offenbar kurz oder gar nicht geprobten Duette, fallen nicht immer harmonisch aus, aber hier zählen Spontaneität, Werkstattcharakter und Charme. Das hat enormen Reiz.

Als Moderator von „Lebenslieder“ ist Max Mutzke gerade in der ersten Sendung nicht immer auf der Höhe. Einige Fragen geraten zu lang, manchmal liefert er die Antwort schon mit, geht auf Antworten nicht ein. Harte Schnitte deuten an, dass hier in der Nachbearbeitung Korrekturen versucht wurden.

Attraktive Archivausgrabungen bei Lebenslieder (ARD) mit Max Mutzke

Im Zuge der weiteren Sendungen von „Lebenslieder“ wird Max Mutzke deutlich souveräner. Bemerkenswert ist, dass hier nicht einfach Lebensstationen abgefragt werden. Man erfährt, dass der Komiker Bülent Ceylan als Kind gemobbt wurde und der Geiger Daniel Hope als Kind mit seinen Eltern vor dem Apartheidsregime in Südafrika fliehen musste. Nachdem seine Großeltern bereits vor dem Nationalsozialismus aus Deutschland geflohen waren. Ein Familienschicksal des 20. Jahrhunderts.

Die Sendung mit Daniel Hope, die vierte der Reihe „Lebenslieder“, hält einige Höhepunkte bereit. Archivfrüchte – davon gibt es viele innerhalb der Reihe, was für eine exzellente Vorabrecherche spricht – wie einen Filmausschnitt, der Hope im Trio mit den Police-Musikern Andy Summers und Stewart Copeland zeigt. Und Hopes und Mutzkes gemeinsame Interpretation von Judy Garlands „Somewhere Over the Rainbow“.

Lebenslieder in der ARD: Max Mutzkes Gäste überraschen

Die Redaktion setzt darauf, Erwartungshaltungen zu unterlaufen. Bülent Ceylan, erklärter Metal-Fan, trägt mit Max Mutzke Schuberts „Erstarrung“ aus der „Winterreise“ vor. Und erklärt: „Endlich darf ich das mal singen.“ Eine türkische Sängerin steuert das Lieblingslied von Ceylans verstorbenem Vater bei. Der ansonsten so robuste Komiker bekommt feuchte Augen.

Nicht unerwähnt bleiben darf, dass die ARD in „Lebenslieder“ Nachwuchstalenten wie dem australischen Schwesternduo Sissos und der Singer-Songwriterin Sonny Casey ein Forum bietet. Ein weiterer Beleg, dass Musik in dieser Unterhaltungsreihe nicht als bloßer Lückenfüller dient, sondern einen hohen Stellenwert genießt.

Das Erste zeigt die „Lebenslieder“-Sendungen am 26. Januar um 22:55 Uhr und am 9., 16. und 23. Februar jeweils nach den „Tagesthemen“ und stellt sie in der ARD-Mediathek bereit. (Harald Keller)

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