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Diether Nuhr (ARD) mit den Gästen Ingo Appelt, Torsten Sträter, Monika Gruber und Lisa Eckhart.
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Diether Nuhr (ARD) mit den Gästen Ingo Appelt, Torsten Sträter, Monika Gruber und Lisa Eckhart.

Zahnloser Auftritt

„Nuhr im Ersten“ (ARD): Dieter Nuhr witzelt über Drogensüchtige in Impfzentren

  • Peter Hoch
    vonPeter Hoch
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Bei „Nuhr im Ersten“ in der ARD geht es gewohnt politisch unkorrekt zu. Diesmal zu Gast: Ingo Appelt, Lisa Eckhart und weitere. Nicht nur das Publikum fehlt.

  • Der Kabarettist Diether Nuhr verabschiedet sich in die Winterpause.
  • Die Sendung in der ARD hat manche Länge und Corona-bedingt kein Saalpublikum.
  • Zu Gast sind Ingo Appelt, Monika Gruber, Torsten Sträter und Lisa Eckhart.

Dieter Nuhr verabschiedet sich – von einem Jahresrückblickspecial Mitte Dezember einmal abgesehen – mit seiner politischen Kabarettsendung „Nuhr im Ersten“ in die Winterpause. Als Gäste sind die üblichen Verdächtigen angereist: Ingo Appelt, Monika Gruber, Torsten Sträter und Lisa Eckhart. Die fünf tun sich abermals sichtlich schwer, ihre Spitzen gegen Dauerthemen wie Anti-Coronamaßnahmen, Donald Trump oder gendergerechte Sprache abzufeuern, ohne ein Publikum vor sich zu haben – und man sehnt sich, unglaublich aber wahr, bisweilen tatsächlich nach den berüchtigten, aber rhythmusgebenden Lachern aus der Retorte.

„Nurh im Ersten“ (ARD): Politisch unkorrekt

Politisch unkorrekt bleiben die Kabarettist:innen allesamt trotzdem, was dem abgeneigten Teil der Zuschauerschaft wie gewohnt nicht passen dürfte. Vielleicht muss Sendungen wie dieser ja doch der Hinweis vorangestellt werden, dass politisches Kabarett nur selten persönliche Meinungen beinhaltet, sondern meist das genaue Gegenteil sowie bitterböse Rollenspiele und klischeehafte Überzeichnungen als Stilmittel verwendet, um Finger in offene Wunden zu legen – misslungene Anwendungen und Missverständnisgefahr inklusive.

„Nuhr im Ersten“ (ARD): Zahnloser Dieter Nuhr, bissige lisa Eckhart

Zugegebenermaßen führen flache Pointen auf dünnes Eis, wenn Dieter Nuhr etwa darüber witzelt, Drogensüchtige in Impfzentren einzustellen, weil die sich ja immerhin schon mit Spritzen auskennen. Oder – deutlich besser, weil doppelbödig – Lisa Eckhart finsterste Muslim- und Chinesen-Klischees gegeneinander ausspielt, wenn sie feststellt, dass Weihnachten nun also nicht ausfallen wird, weil der Muslim kein Schweinefleisch, sondern der Chinese alles isst – die AfD aber die eigentliche Zielscheibe ihres Spottes ist. Wahlweise bissig oder empörend spielt sie auch auf die Diskussion um ihren vermeintlich antisemitischen #MeToo-Gag in den WDR-„Mitternachtsspitzen“ vor zwei Jahren an, wenn ihre Oma orakelt: „Kindchen, diesen Corona-Impfstoff, den haben doch sicher die Juden erfunden, den kriegst du als Allerletzte.“ und Eckhart ihr antwortet: „Oma, diesen Impfstoff haben zwei deutsche Muslime erfunden. Den krieg ich als Allererste.“

„Nuhr im Ersten“ (ARD): Öder Ingo Appelt, launige Monika Gruber

Ziemlich unlustig schlägt sich dagegen der heute besonders anstrengend fahrige Ingo Appelt durch seine fünf Minuten Sendezeit. Abgestandene Gags über „Brot statt Böller“ oder Albernes, wie der nicht zündende Witz, dass es wohl Ex-Kanzler Gerhard Schröder gewesen sein könnte, der da am Mittwoch gegen ein Gitter des Kanzleramts gefahren ist, weil er wieder rein wollte, entlocken einem nur ein Achselzucken und über die Leiden der Kleinkunst in Zeiten der Corona hat man inzwischen wohl auch genug geschäkert.

Bei Monika Gruber wird das Grinsen da schon breiter, wenn sie die Demokratie als „den Swingerclub unter den Staatsformen“ mit der Devise „alles kann, nichts muss“ bezeichnet – oder ausführt, wie tröstenderweise immerhin noch die arbeitslosen Orgelspieler übrig bleiben, um zum Requiem für die gestorbenen Ärzte und Supermarktkassierer aufzuspielen, falls die Corona-Impfung tödliche Nebenwirkungen bei den Erstempfängern aus den systemrelevanten Berufsgruppen haben sollte.

„Nuhr im Ersten“ (ARD): Coronafreier Jahresrückblick von Torsten Sträter

Torsten Sträter verfasst unterdessen einen leicht vorgezogenen Jahresrückblick, in dem als Pointe weder Corona noch Donald Trump vorkommen, sondern ein Gesetzesentscheid zu übertriebenen Werbeversprechen, Pippi Langstrumpfs 75. Geburtstag, Harvey Weinsteins Haftantritt, das Wetter und die Zeitumstellung. Kann man machen, kann Sträter aber eigentlich besser. Insgesamt bleiben alle fünf Kabarettist:innen recht zahm und wenig bissig. Die letzte „echte“ „Nuhr im Ersten“-Sendung des Jahres eignet sich somit weder als Stichwortmaschine für eingefleischte Nuhr-Hater, noch für glühende Verfechtern des pechschwarzen Humors – und vermag wegen zu viel Leerlauf nur in der Hälfte ihrer 45-minütigen Laufzeit zu unterhalten. (Peter Hoch)

Nuhr im Ersten, ARD, von Donnerstag, 26. November 2020, 23.05 Uhr, zu sehen in der Mediathek.

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