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Robert de Niro wird's schon richten in "Man lernt nie aus".

"Man lernt nie aus"

Arbeit kann man nicht kaufen

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Robert De Niro spielt in der versöhnlichen Büro-Komödie „Man lernt nie aus“ einen lebenserfahrenen Seniorenpraktikanten, der die Dinge ins Lot bringt.

Office-Komödien muss man eigentlich erst ein wenig altern lassen, um sie wirklich zu genießen. Schon nach wenigen Jahren entzücken sie ihr Publikum mit so vergänglichen Geißeln des Angestellten-Alltags wie: Faxpapier, Floppy-Disks oder Farbband-Kassetten. Selbst Kaffeefilter können bereits nostalgische Gefühle wecken, wenn einmal im Büro die die Arbeitszeit schonende Kapselmaschine Einzug gehalten hat. Niemals aussterben wird hingegen eine andere Ausgeburt spätkapitalistischer Sparsamkeit – der Praktikant.

Robert De Niro spielt in der Komödie „The Intern“ die Titelrolle. Des monotonen Rentnerdaseins müde, bewirbt er sich um die Stelle eines Seniorenpraktikanten in einer brummenden Internetklitsche. Umso jugendlicher seine von Anne Hathaway verkörperte Chefin mit dem männlichen Vornamen Jules. Nur widerwillig lässt sich die Arbeitsbesessene durch diesen Altzugang selbst jener wenigen Sekunden berauben, die es braucht, ihm ein paar unwichtige Aufträge zu erteilen. Doch schon am ersten Arbeitstag macht sich der Veteran unverzichtbar.

Und wenn es nur der positive Einfluss ist, den der bloße Anblick des gepflegten Anzugträgers auf die T-Shirt-Fraktion ausübt. Nein, dies ist nicht „Der Teufel trägt Prada“, wo dieselbe Anne Hathaway einst unter Meryl Streep einer rigorosen Klamotten-Etikette unterworfen war (Apropos: auch das ein Film, der herrlich in die Jahre gekommen ist. Die Handys sind rasend schnell gealtert, Meryl Streep hingegen überhaupt nicht).

Mit Rotwein am Laptop

Obwohl Jules’ Start-up viel Geld damit verdient, Kleidung an Frauen zu verkaufen, die – wie sie sich ausdrückt – zu viel Zeit mit einem Rotweinglas am Laptop verbringen, tragen die Angestellten Schlabberlook. Man freut sich schon jetzt, diese Details aus dem aktuellen Arbeitsmanagement bei einem Wiedersehen in ein paar Jahren auf den Prüfstand zu stellen. Ob sich wirklich der Homeoffice-Charakter moderner Loft-Büros durchsetzen wird? Und ob sich auch künftig ehrgeizige Jungunternehmer eine Büro-Masseurin leisten werden, um die Produktivität der Angestellten zu erhöhen?

Der Seniorpraktikant verdient sich diese Streicheleinheit früh in der Geschichte, als er als einziger bemerkt, wie sehr sich die stets um Freundlichkeit bemühte Chefin über die Müllablage ärgert, die sich auf einem überzähligen Schreibtisch gebildet hat. Da kommt er einfach ein paar Stunden früher und macht sauber. Bei soviel Elan sind Jung und Alt bald unzertrennlich. Wie ein guter Geist nimmt der Veteran der Old Economy die Online-Unternehmerin unter seine Fittiche. Ein wenig aufgesetzt wirkt der Einfall schon, dass er sein vierzigjähriges Geschäftsleben in derselben Brooklyner Fabrikhalle damit verbracht hat, Telefonbücher zu drucken, die inzwischen niemand mehr braucht. Doch wer die Namen von Fernsprechteilnehmern verwaltet, der kennt sich eben mit Menschen aus.

Mit dem Blick des Lebenserfahrenen sieht er auch in Jules’ Privatleben sofort, wo der Wurm versteckt ist. Und wie Mary Poppins wacht er wenigstens so lange über ihre Geschicke, bis der Wind sich dreht.

Der Opa, die Unternehmerin

Wer heute als rüstiger Rentner seine Zeit nicht gleich selbst als Praktikant verbringt, geht gern wieder ins Kino. Daher der Boom an sogenannten Best-Ager-Movies wie diesem.

Natürlich steht die Kernaussage schon vorher fest, die da lautet: Opa wird’s schon richten. Doch Nancy Meyers, die den Film nach eigenem Drehbuch inszenierte, vermeidet zumindest eine naheliegende Falle. Die Autonomie der weiblichen Firmenlenkerin wird zu keinem Zeitpunkt von besserem Altherrenwissen infrage gestellt.

Im Gegenteil: Obwohl die stark geforderte Unternehmerin im Verlauf der Handlung von Investoren gedrängt wird, einen männlichen Geschäftsführer einzustellen, lässt sie sich nicht entmündigen. Und auch die niedliche Tochter, die nicht viel von ihr sieht, käme nie auf die Idee, sich lieber eine Hausfrau als Mutter zu wünschen.

Allerdings begegnet Meyers’ Film in seiner versöhnlichen Art auch dem männlichen Geschlecht mit einem Übermaß an Wohlwollen. Als sich herausstellt, dass Jules’ Ehemann fremdgeht, wird ihm das verziehen: Es muss ja doch frustrierend sein, im Schatten einer so erfolgreichen Frau zu stehen. Nein, diese zuckersüße Ode an einen Kapitalismus mit Herz mag es sich mit niemandem verscherzen. Selbst der Praktikant wird in der schönen neuen Start-up-Welt überglücklich: reich beschenkt – durch die eigene, unbezahlte Arbeit.

Man lernt nie aus. USA 2015. Regie: Nancy Meyers. 122 Min.

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