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Rick (Christian Bale), Filmemacher in der Midlife-Crisis, zieht es mit den attraktiven Frauen seines Lebens (hier: Cate Blanchett als Nancy) immer wieder zum Wasser.
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Rick (Christian Bale), Filmemacher in der Midlife-Crisis, zieht es mit den attraktiven Frauen seines Lebens (hier: Cate Blanchett als Nancy) immer wieder zum Wasser.

Neu im Kino: „Knight of Cups“

Das Bad im Anzug

  • Daniel Kothenschulte
    VonDaniel Kothenschulte
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In seinem Spätwerk „Knight of Cups“ gibt sich Terrence Malick den großen Bildern hin und inszeniert Christian Bale, Cate Blanchett und Nathalie Portman vor den spiegelnden Fassaden Hollywoods.

Kaum ein Filmemacher pflegt das Image eines Leinwand-Zauberers so geschickt wie Terrence Malick. Und so hörbar sein neuestes philosophisches Drama „Knight of Cups“ („Ritter der Kelche“) auch bei seiner Premiere bei der letzten Berlinale das Fachpublikum spaltete – radikaler kann man kaum das Prinzip der Improvisation auf die große Kinoleinwand bringen. Christian Bale spielt einen Filmemacher in der Midlife-Crisis, dessen Leben sich an jenen spiegelnden Oberflächen bricht, die man so gern mit dem Spielort Los Angeles verbindet: den Fassaden der Bürotürme, den Pools der Villen, der Gischt gepflegter Strände.

Immer wieder zieht es Bale mit den attraktiven Frauen seines Lebens, darunter Cate Blanchett und Nathalie Portman, zum kühlen Nass, das Bad im Anzug ist ein zentrales Bild für die Sehnsucht des Erfolgsverwöhnten, wieder zum Kind zu werden. Und vielleicht auch eine Hommage an das berühmte Bad im Trevi-Brunnen aus „La Dolce Vita“. Doch was bei Fellini das Lebensgefühl und die Dekadenz einer Gegenwart meinte, ist bei Malick weit entrückt in eine allgemeine Suche nach menschlicher Selbstverortung.

Die meisten der tänzerisch ausgespielten Szenen sind ohne Dialog, Kommentare aus dem Off stellen immer wieder die Frage nach dem Sinn des Lebens. Armin Müller-Stahl wagt als Priester immerhin eine Antwort: Das Leid, sagt er gegen Ende, sei doch ein göttliches Geschenk, sei noch wertvoller als das ersehnte Glück. Das Problem ist nur, dass sich Terrence Malick mit der Vermittlung von Leid kaum aufhält. Ein Hollywood-typischer Vater-Sohn-Konflikt wird in kurzen expressiven Szenen ausgespielt.

Doch es regiert die Schönheit, und sie tut es mit fast gespenstischem Eifer, wenn nicht im Bild, dann wenigstens im Ton: Untermalt mit Platon-Zitaten, gesprochen in einem historischen Tondokument vom Charakterdarsteller Charles Laughton oder Musikfragmenten von Corelli bis Vaughan Williams. Puristen würden von „Light Classics“ sprechen, jener leichtgängigen Auswahl, die in den USA die Programme der kommerziellen Klassik-Radios bestimmt.

Und doch: Imponierend ist Malicks Film ohne Frage. Denn gerade ohne das Fallnetz eines ausgeführten Drehbuchs, gelingen ihm auch wunderbar beobachtete Augenblicke. Einmal etwa rettet Cate Blanchett eine Biene aus dem Swimmingpool – ein Moment, den man nicht inszenieren kann. Und macht sich so selbst ihren winzigen Terrence-Malick-Film über das ewige Thema von Genießen und Leiden, Leben und Vergehen.

Wenn man so will, geht der Regisseur so ausgefeilter Filme wie „Badlands“, „In der Glut des Südens“ und „Der schmale Grat“ den Weg eines manchen Künstlers zum Alterswerk: Schnell und selbstbewusst gemalte Großformate zelebrieren die Lust am eigenen Können und stellen das Virtuosentum über Form und Inhalt. Es hilft wenig, darin etwas Konkretes zu vermissen oder die sich ähnelnden Bildideen zu tadeln. Jeder Film des Avantgardekünstlers Jonas Mekas hat mehr solcher der Wirklichkeit stibitzten Kamerajuwelen anzubieten. Doch mit dem schweren und kostspieligen Handwerkszeug des großen Kinos hat seit Orson Welles niemand mehr so ausschweifend experimentiert. Diesen „Ritter der Kelche“ sollte man schon deshalb nicht vorüberziehen lassen.

Knight of Cups. USA 2015. Regie: Terrence Malick. 118 Min.

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