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Talk bei Anne Will wenige Wochen vor der Bundestagswahl 2021.
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Talk bei Anne Will wenige Wochen vor der Bundestagswahl 2021.

Bundestagswahl 2021

Satire bei Anne Will (ARD): „Wenn Sie Olaf Scholz wählen, wählen Sie einen Linkskanzler“

  • Daland Segler
    VonDaland Segler
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Im ARD-Talk fragt Anne Will ihre Gäste: „Mindestlohn, Reichensteuer, Schuldenbremse - steht Deutschland vor einer Richtungswahl?“ Von ganz Rechts kommt Zustimmung.

Berlin - Zunächst eine Randbemerkung zum Thema Ausgewogenheit bei den öffentlich-rechtlichen Sendern: An diesem Abend saßen bei Anne Will (ARD) einem Sozialdemokraten und einer Vertreterin der Linkspartei der Christdemokrat Brinkhaus, der Rechtsaußen Chrupalla und eine Journalistin der rechts-konservativen FAZ gegenüber. Wobei man sich fragt, was der Rechtsaußen in dieser Runde zu suchen hat, wie auch jüngst seine Kollegin B. von Storch bei Sandra Maischberger: Kompetenz kann nicht das Kriterium für die Einladungen sein, eher die Hoffnung auf ein wenig Krawall.

Und am Sonntag der kommenden Woche hat man beim „Vierkampf“ der Kandidaten von FDP, AfD, Linken auch noch die CSU reingemogelt, obwohl die bundesweit gar nicht antritt. Ausgewogen? Dazu passt, dass das kommende „Triell“ bei den Privatsendern der ProSieben-Gruppe (19.9., 20..15 Uhr) von Claudia von Brauchitsch co-moderiert wird, die für die CDU und deren Sender CDU-TV gearbeitet hat. Soviel zu der unsinnigen Behauptung, die Medien und speziell die öffentlich-rechtlichen Sender seien von Linken dominiert.

Anne Will, ARD: Häme in der politischen Diskussion bemängelt

Und die Kollegin von der FAZ ließ in der ARD denn auch erkennen, wo sie steht. Sie sehe soviel „Häme“ in der politischen Diskussion, und sie präzisierte das, als sie mit Blick auf die „Reichensteuer“, die Janine Wissler erheben möchte, von einem „Störgefühl“ sprach. Bei den Beschreibungen durch die Linke werde der Eindruck vermittelt, Deutschland sei „abgekoppelt“. Sie glaubt aber, vielen Leuten gehe der Prozess der Veränderung viel zu schnell. Deshalb zweifelt die Journalistin an einer Wechselstimmung. Und von Standpunkt einer wohlbestallten Redakteurin mag der Blick auf die Verhältnisse ja ein anderer sein als der von einer unterbezahlten Pflegekraft. Aber die Schere zwischen Arm und Reich ist nun mal immer weiter auseinander gegangen in den letzten Jahren.

GästeFunktion
Ralph BrinkhausFraktionsvorsitzender der CDU
Norbert Walter-BorjansSPD, Parteivorsitzender
Tino ChrupallaChef der AfD
Janine Wissler Vorsitzende der Linkspartei
Helene BubrowskiParlamentskorrespondentin der FAZ

Mit der FAZ begann Anne Will auch ihre Sendung zum Thema „Mindestlohn, Reichensteuer, Schuldenbremse - steht Deutschland vor einer Richtungswahl?“ In der Sonntagsausgabe des Blattes war nämlich suggeriert worden, dass nicht Kanzlerkandidat Olaf Scholz, sondern die SPD-Parteivorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans die Entscheidung über eine künftige Koalition – mit der Linken – treffen würden. Was Ralph Brinkhaus sofort zu nutzen versuchte: „Wenn Sie Olaf Scholz wählen, wählen Sie einen Linkskanzler“. Scholz als „Linkskanzler“ zu bezeichnen, hatte ja nun etwas von Satire, und Walter-Borjans tat den Versuch denn auch als untauglich ab. „Ich lasse mich von Ihnen nicht in eine rot-rot-grüne Koalition treiben.“

Die Einladung an AfD-Chef Chrupalla wusste der überzeugend als sinnlos zu bestätigen. Erst konnte ihm Anne Will mit Zahlen widerlegen, dass die Forderung der Nazifreunde, Deutschland solle die EU verlassen, von den Bürger:innen nicht geteilt wird, da sich 84 Prozent als EU-Bürger:innen fühlten. Und auch die Behauptung, wir hätten mehr finanzielle Nach- als Vorteile, konnte Wills Redaktion als falsch entlarven. Vielleicht war das ja der tiefere Sinn der Einladung der ARD an Chrupalla: zu zeigen, dass die AfD Unsinn erzählt. Aber das wusste man auch schon vorher.

Anne Will, ARD: AfD-Chef redet nur dazwischen

Es wurde auch nicht besser, als es um die Steuern ging; da redete der AfD-Chef nur noch dazwischen. Interessanter war die Darstellung Brinkhaus‘, dessen Partei an der Schuldenbremse festhalten und die Kosten für etwa den Klimawandel von Unternehmen und Bürgern aufbringen lassen will „Die „alte Mär“ (Wissler) der Konservativen: Päppelt die Unternehmen, dann schaffen die Arbeitsplätze, dann sind mehr Menschen in Arbeit – und die Wirtschaft blüht.

Aber Wills Redaktion hatte ein Zitat von Michael Hüther parat, dem durchaus konservativen Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft. Und der räumte der CDU das Argument runter, dass die Schuldenbremse zu alten sei: „Das Herauswachsen aus den Schulden wird nicht gelingen“ so Hüthers Expertise. Denn die demographische Entwicklung spreche dagegen. Brinkhaus unverdrossen: Das Wirtschaftswachstum werde kommen. Mit dieser Hoffnung begründet die CDU, dass sie die Reichen schonen und etwa den Solidaritätszuschlag, den nur noch Gutverdienende zahlen, abschaffen will – anders als die SPD, die Grünen und die Linke.

Anne Will, ARD: Linke Janine Wissler unter Druck

Für die wurde es am Ende der Sendung noch einmal eng. Zunächst fragte Anne Will, warum die Partei trotz des Eintretens für die Benachteiligten der Gesellschaft bei nur sechs Prozent in den Umfragen liege. Darauf hatte Janine Wissler keine überzeugende Antwort; sie verwies auf eine gewisse Politikverdrossenheit. Noch mehr in Verlegenheit geriet sie, als die Moderatorin ihr die (2020 beendete) Mitgliedschaft in einer trotzkistischen Organisation vorhielt, die den Kapitalismus abschaffen will. Wissler wollte sich davon nicht distanzieren und verwies darauf, dass sie hier für die Partei der Linken sitze. Dabei lag sie mit ihrer Einschätzung des Kapitalismus und seiner schädlichen Folgen ja nicht verkehrt. Aber der Verdacht, dem Umsturz zu frönen, ist allemal Gift für den Wahlerfolg, weshalb die CDU ja nun als letztes Mittel die Rote-Socken-Polemik auffährt. (Daland Segler)

Anne Will, Das Erste, vom 5. September, 21.45 Uhr. Im Netz.

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