Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Diskutierten über Öffnungen trotz Corona: Michael Hüther, Christine Lambrecht, Anne Will, Christiane Woopen und Martin Stürmer (Von Links). Vorn: Markus Söder.
+
Diskutierten über Öffnungen trotz Corona: Michael Hüther, Christine Lambrecht, Anne Will, Christiane Woopen und Martin Stürmer (Von Links). Vorn: Markus Söder.

Pandemie

Corona-Impfdebatte bei Anne Will (ARD) - Markus Söder beschreibt den „Alltag der nächsten Jahre“

  • Daland Segler
    VonDaland Segler
    schließen

Wie können Öffnungen trotz Corona gelingen? Markus Söder setzt bei Anne Will alle Hoffnung auf einen kleinen Piks.

Berlin – Das Licht am Ende des Tunnels sehen jetzt fast alle. Aber darüber, wie weit es bis zum Ausgang ist, wird eifrig gestritten. Selbst der sonst so skeptische Karl Lauterbach machte vor kurzem schon Hoffnung, dass im Sommer wieder ansatzweise eine Normalität eintreten könnte. Diskutiert wird aber trotzdem.

So jetzt bei Anne Will in der ARD, die über das Thema sprechen ließ: „Änderung der Impfreihenfolge, Rückkehr zu Grundrechten – wer darf wann wieder was?“ Denn inzwischen haben rund acht Prozent der Bundesbürger:innen einen ersten und zweiten Piks gegen das Coronavirus hinter sich, und damit ist für sie der Grund für die Einschränkung der Grundrechte weggefallen.

Ministerin Christine Lambrecht von der SPD ließ keinen Zweifel daran, dass die Rücknahme „zwingend geboten“ sei. Sie musste Anne Will, die sich offenbar bei Markus Lanz die Unart des dauernden Unterbrechens ihrer Gesprächspartner:innen abgeschaut hat, erklären, dass es dabei um das „persönliche Grundrecht“ gehe, weshalb das für die Berufsausübung beispielsweise von Gastwirten noch nicht zutreffe. Da gelte ein anderer Maßstab, weil in Restaurants etwa auch andere gefährdet sein könnten.

Markus Söder bei Anne Will (ARD): Für acht Prozent Öffnungen zu machen lohnt sich nicht

Damit war der Kern des Problems angesprochen. Michael Hüther als Wirtschaftsvertreter fand das Vorgehen problematisch, gestand aber zu, man müsse erst lernen: „Wie geht Öffnung?“ Christiane Woopen kritisierte ebenfalls, dass die Berufsfreiheit weiterhin eingeschränkt werde. CSU-Chef Markus Söder hingegen stimmte der Sozialdemokratin Lambrecht weitgehend zu, es sei auch sinnlos, die Restaurants für die acht Prozent zu öffnen. Er versäumte es aber nicht, sich selbst, Pardon: Bayerns Maßnahmen zu loben und kündigte an, bald in Betrieben impfen zu lassen.

Gast bei Anne WillFunktion
Christine LambrechtBundesministerin der Justiz und für Verbraucherschutz (SPD)
Markus SöderParteivorsitzender der CSU und Ministerpräsident von Bayern
Christiane WoopenVorsitzende des Europäischen Ethikrats
Michael HütherDirektor des Instituts der deutschen Wirtschaft, Köln
Martin StürmerVirologe

Der Fachmann allerdings sah sich veranlasst, etwas Wasser in den Wein des durch die rasch steigende Impfquote befeuerten Optimismus zu schütten: Virologe Martin Stürmer gab zu bedenken, dass es kein Null-Risiko gebe und auch doppelt Geimpfte ansteckend sein könnten. Durch deren zunehmende Zahl würden dem Virus „Opfer entzogen“; die mögliche Folge: „Wir riskieren die Selektion von Virus-Varianten.“ Die Beobachtung von Mutationen erklärte Markus Söder zu einer „zentralen Herausforderung“. Stürmer jedenfalls würde gerne stärker auf die Bremse treten, billigte aber zu, dass Geimpfte und Getestete gleichgestellt würden.

Ethikerin über Corona-Öffnungen bei Anne Will (ARD): Versäumnisse seit langem absehbar

Härter ins Gericht mit der Politik ging Ethikerin Woopen; sie sah Versäumnisse der Verantwortlichen, die vor einem Jahr schon hätten die Entwicklung absehen können – der Vorwurf, die Politik reagiere stets zu langsam, ist ja zum ständigen Begleiter bei der Bekämpfung der Pandemie geworden. Woopen flehte geradezu um permanente Datenerhebung, damit man auf gesicherter Grundlage agiere.

Anne Will in der ARD-Mediathek

Sendung verpasst? In der ARD-Mediathek können Sie die Sendung „Anne Will“ von Sonntag, 02.05.2021, nachschauen.

Mit einem Einspieler über die Lage der Menschen in Alten- und Pflegeheimen wollte die Redaktion von Anne Will den Konflikt dann nachschärfen. Was auch gelang, denn die Situation bedarf trotz hoher Impfrate offensichtlich dringend der Verbesserung, und das bedeutet vor allem: Die Möglichkeit des Kontakts zwischen den Bewohner:innen muss rasch wieder hergestellt werden. Auf Wills Nachhaken, warum man da nicht vorbereitet gewesen sei, hatte Lambrecht keine überzeugende Antwort. Sie verwies nur darauf, dass man für Änderungen habe auf wissenschaftlich gesicherte Daten warten müssen. Sie habe eben „dicke Bretter bohren“ müssen. Woopen, durch Erfahrungen mit ihrer Mutter im Thema, war unerbittlich: Die Bedingungen hätten viel früher anders gestaltet werden müssen.

Öffnungen trotz Corona: Anne Will (ARD) spitzt Gespräch auf den „Impfneid“ zu

Die Chance, es besser zu machen, ergibt sich mit zunehmender Menge an Impfstoff-Dosen, wenn dann die Priorisierungsstufen aufgehoben werden können. Moderatorin Anne Will versuchte, das Gespräch in der ARD auf das Thema „Impfneid“ zuzuspitzen, weil SPD-Kanzlerkandidat Olaf Scholz schon geunkt hatte, dass sich die Bessergestellten durchsetzen könnten. Hüther warnte vor einer „Spaltung der Volkswirtschaft“ und plädierte angesichts von Statistiken über je nach Stadtteil stark differierenden Inzidenzen dafür, das Augenmerk auf die Bereiche zu lenken, wo sich die Risiken bündelten: Er nannte Menschen mit geringer Kaufkraft oder Bildung, in beengten Wohnsituationen und mit Migrationshintergrund. Lambrecht wollte „die vulnerablen Gruppen“ schützen und Stürmer riet, mehr auf die Intensivstationen zu hören.

Auf jeden Fall, so Markus Söder, werde man für den Piks werben müssen. Denn der Prozess des Impfens werde „der Alltag der nächsten Jahre“. Es ist eben noch ein sehr langer Weg bis zum Ausgang des Tunnels. (Von Daland Segeler)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare