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Botschafter Melnyk bei Anne Will unzufrieden: „Haben uns mehr Waffen gewünscht“

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Von: Michael Meyns

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Auch über die Fernsehansprache von Bundeskanzler Olaf Scholz sprachen die Gäste bei Anne Will (ARD).
Auch über die Fernsehansprache von Bundeskanzler Olaf Scholz sprachen die Gäste bei Anne Will (ARD). © Screenshot ARD

Die Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine polarisiert. Können mehr Waffen der Weg zum Frieden sein? Um diese Frage ging es bei Anne Will in der ARD.

Berlin – Nein, die Anne Will-Sendung am Abend (ARD) war keine Wiederholung von letzter Woche, auch wenn man das angesichts des Themas „Mehr Waffen für die Ukraine – ist das der Weg zum Frieden?“ leicht denken konnte. An diesem Tag der Befreiung, an dem der Kanzler staatstragend Sendezeit beanspruchte, versuchten auch die Gäste – mit unterschiedlichem Erfolg – Geschichte und Gegenwart zu verbinden

„Nie wieder Krieg, nie wieder Völkermord“, erklärte Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner kurzfristig anberaumten Fernsehansprache zum 8. Mai, in der es vor allem um den Krieg in der Ukraine ging. „Wir unterstützen die Ukraine im Kampf gegen den Aggressor“, begründete Olaf Scholz die Lieferung schwerer Waffen. Wenig überraschend war das Andrij Jaroslawowytsch Melnyk, Botschafter der Ukraine in der Bundesrepublik Deutschland, bei Anne Will (ARD) nicht genug: „Sieben Panzerhaubitzen sind schön, aber wir haben uns mehr gewünscht.“ Ob für Melnyk jemals ein Ende der Forderungen erreicht wäre? Man kann es sich kaum vorstellen.

Kevin Kühnert bei Anne Will: Putin schaden, ohne uns selbst ins Knie zu schießen

Kevin Kühnert, Generalsekretär der SPD, bemühte sich als Interpret der Kanzler-Worte, versuchte den Chef gegen den Vorwurf der mangelnden Kommunikation zu verteidigen, aber auch Umsicht zu demonstrieren: „Wir treffen harte Entscheidungen, wollen Putin schaden, aber nicht uns selbst ins Knie schießen.“ Auch Kühnert bemühte sich bei Anne Will in der ARD um staatstragende Worte, verwies auf den historischen Tag, verfranzte sich aber immer wieder im Versuch, Geschichte und Gegenwart in Einklang zu bringen. Die noch recht frische Fraktionsvorsitzende der Grünen, Britta Haßelmann, redete viel, sagte aber bemerkenswert wenig.

Ganz anders Harald Welzer, Sozialpsychologe, Publizist und Unterzeichner des von Alice Schwarzer initiierten offenen Briefes, der den Kanzler aufforderte, keine schweren Waffen in die Ukraine zu liefern. Er nannte die abendliche Rede des Kanzlers „indifferent“ und sagte bei Anne Will in der ARD: „Wir stecken in einem Dilemma, es gibt kein richtig oder falsch.“ Mehr Waffen würden den Krieg nur in die Länge ziehen, vor allem aber die Gefahr bergen, dass die NATO in einen Krieg mit einer Atommacht hineingezogen würde und so ein Krieg „ist im herkömmlichen Sinne nicht zu gewinnen.“ „Einen Kommentar aus dem Professorenzimmer“ nannte Melnyk dies, was sich Welzer nicht gefallen lassen wollte und sich den Botschafter zur Brust nahm: „Borniert“ sei dessen Attitüde, sein Tonfall, sein pauschales Abtun von ihm nicht genehmen Positionen.

Anne Will (ARD): Unionspolitiker erinnert an Atommächte, die Kriege verloren

Wie sehr die Frage der Lieferung schwerer Waffen an die Ukraine die Deutschen spaltet, scheint der ukrainische Botschafter Melnyk geflissentlich zu ignorieren: Laut aktuellem ARD-DeutschlandTrend ist gut die Hälfte dafür, die andere dagegen. Dementsprechend gab es zwei offene Briefe mit entgegengesetzter Haltung, die beide von vielen Prominenten unterzeichnet wurden und für heftige Diskussionen gesorgt haben. Mitunterzeichner des Briefs, der mehr Waffenlieferungen fordert, ist Ruprecht Polenz von der CDU, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Osteuropakunde e.V, dem Welzer widersprach: „Sowohl die Atommacht USA hat den Vietnam-Krieg und auch in Afghanistan zumindest nicht gewonnen, wo auch die Atommacht Sowjetunion einen Krieg verlor.“

Anne Will am 8. Mai in der ARDDie Gäste der Sendung
Kevin KühnertGeneralsekretär SPD
Britta HaßelmannFraktionsvorsitzende Grüne
Ruprecht PolenzCDU
Andrij Jaroslawowytsch MelnykBotschafter der Ukraine
Harald WelzerSoziologe, Sozialpsychologe und Publizist

Eine Atommacht kann also durchaus verlieren, aber was heißt es, in diesem Krieg zu gewinnen oder zu verlieren? Harald Welzer wies bei Anne Will in der ARD auf die sich wandelnden Kriegsziele hin, die Widersprüche in den Aussagen westlicher Politiker, die anfangs von einem Verhindern der Niederlage der Ukraine sprachen, bald von einem Sieg gegen Russland, inzwischen – so der amerikanische Präsident – gar von einem forcierten Machtwechsel in Moskau. Solche Rhetorik erinnert gefährlich an lange zurück liegende Zeiten des Kalten Kriegs, eine Phase der Weltgeschichte, die durch Aufrüstung und Abschreckung geprägt war und etliche Momente, in denen die Menschheit nur knapp einem Atomkrieg entkam. Bleibt zu hoffen, dass die Politik die richtigen Lehren aus dieser Geschichte zieht. (Michael Meyns)

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