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Die Gäste der Talkshow „Anne Will“ (ARD) diskutieren über die Corona-Politik der Bundesregierung.
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Die Gäste der Talkshow „Anne Will“ (ARD) diskutieren über die Corona-Politik der Bundesregierung. (Screenshot)

TV-Kritik

Anne Will: Jens Spahn wirkt hilflos – Wolfgang Kubicki nennt Corona-Debatte „lustig, aber falsch“

  • vonTeresa Schomburg
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Manuela Schwesig dagegen verknüpft bei Anne Will in der ARD die Corona-Diskussion geschickt mit einem Lob auf ihr Bundesland.

  • Das Impfgeschehen bezüglich des Coronavirus und Ausgangssperren waren Thema bei Anne Will in der ARD.
  • In der Kritik stehen das Absetzen des Astrazeneca-Impfstoffs und das Pandemie-Management der Bundesregierung.
  • Die Gäste bei Anne Will vertreten jeweils ihre eigenen Interessen ohne tiefergehende Diskussion.

Berlin – Das nächste Bund-Länder-Treffen steht an, was wird es bringen? Anne Will gibt schon mal einen Vorgeschmack mit einigen Punkten aus dem Kanzleramts-Entwurf: Ein Lockdown bis zum 18. April, das womöglich noch erheblich verschärft, vielleicht mit nächtlicher Ausgangsbeschränkung, oder Schließungen in Bereichen, wo gerade erst geöffnet wurden. Schließlich liegt die Inzidenz nun über der „magischen 100“. Ein Einspieler zeigt noch einmal, wie Angela Merkel unheilvoll verkündigt, man müsse nun dann wohl auch Gebrauch machen von der Notbremse.

Ähnlich ratlos wie die Regierung wirkt auch die Runde an diesem Abend, von der vor allem viel Kritik am Pandemie-Management der Regierung kommt angesichts der verfahrenen Lage. Anne Will hüpft im Lauf des Abends häufig von einem Gast zum anderen, um alle irgendwie zu Wort kommen lassen, tiefer gehende oder erhellende Diskussionen entspinnen sich so aber kaum.

Anne Will (ARD): Ausgangssperren müssen laut Manuela Schwesig gut begründet werden

Die zugeschaltete Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern Manuela Schwesig nutzt mehrfach die Gelegenheit, um Strategien aus in ihrem Bundesland vorzustellen und natürlich zu loben. Ja, die Notbremse müsse umgesetzt werden, „das kann aber nicht pauschal beschlossen werden“, die Landkreisen und kreisfreie Städte müssten es bei entsprechend hohen Inzidenz-Werte etwa ab 150 immer gut begründen, wenn sie zum Beispiel nächtliche Ausgangssperren verhängen. Darüber hinaus plädiert Schwesig für Öffnungsschritte mit einer umfassenden Teststrategie statt eines scharfen Lockdowns.

Janosch Dahmen, Bundestagsabgeordneter Bündnis 90/Die Grünen, der bis November noch als Notarzt des Rettungsdienstes Berlin für die Berliner Feuerwehrtätig war, fordert bei Anne Will dagegen, Friseure oder Baumärkte wieder zu schließen und sich darauf zu konzentrieren, Schulen und Kitas offenzuhalten, das könne man sich aber nur mit umfassender Teststrategie leisten. „Wir können nicht weiter darauf warten alles perfekt machen zu wollen, das Virus ist uns nicht auf den Fersen sondern zwei Schritte voraus“, warnt Dahmen. 

Kritik am Corona-Impfvorgehen der Bundesregierung bei Anne Will in der ARD

Der Bundestagsvizepräsident und stellvertretender Parteivorsitzender Wolfgang Kubicki von der FDP wiederum wünscht sich, man möge „intelligenter über Strategien nachdenken“, meint damit aber offenbar auch nur das, was schon mehrfach angesprochen wurde, nämlich möglichst viele Schnelltests. Dabei verweist er bei Anne Will mit sehnsüchtigem Blick auf Städte, in denen das gut laufe wie Rostock oder Tübingen.

Samiha Shafy, Redakteurin im Politik-Ressort der „Zeit“ flankiert in der ARD die immerhin bei allen einhellige Kritik an der „mutlos und konfus“ agierenden Regierung mit Beobachtungen aus New York. Dort verbrachte die Redakteurin die erste Pandemie-Welle und schaute damals etwas neidisch auf das so besonnen agierende Deutschland. Zum ziemlich ungünstigsten Zeitpunkt, nämlich im Oktober, kehrte sie nach Deutschland zurück und blickt nun umgekehrt von hier aus neidisch über den Atlantik, wo konsequent geimpft wird und ihre Freunde in New York schon wieder so exotisch anmutenden Dinge wie Geburtstagsfeiern planen. Denn dort bekommen am Ende eines Impftages auch junge Leute den begehrten Stoff, wenn noch welcher übrig ist. 

GästeBeruf/Institution
Manuela SchwesigMinisterpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern
Janosch DahmenBundestagsabgeordneter Bündnis 90/Die Grünen
Wolfgang KubickiBundestagsvizepräsident der FDP
Samiha ShafyPolitik-Redakteurin in Die Zeit
Ulrich WeigeldtBundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands e.V.

Diskussion über Impfzentren und Hausarztpraxen bei Anne Will im ARD

Diese Beobachtungen spielen auch Ulrich Weigeldt in die Karten, niedergelassener Hausarzt in Bremen und Bundesvorsitzender des Deutschen Hausärzteverbands e.V.. Er wünscht sich von der Politik, man solle lieber „einfach machen und nicht nochmal eine Runde diskutieren“. Und meint damit nicht zuletzt den Umgang mit Hausärzten, die eigentlich sofort mit dem Impfen loslegen könnten, schließlich „stehen die Patienten in den Praxen und regen sich auf, dass sie kilometerweit in ein Impfzentrum fahren sollen“.

Zumal das Impfzentrum nicht wisse, wie krank ein Mensch sei. Die Priorisierung sei zwar sehr gut überlegt von Ständiger Impfkommission und Ethikrat, aber in der Verwaltung komme am Ende eine starre Einteilung nach Altersgruppen heraus. Dabei kann es jüngere Menschen mit entsprechenden Vorerkrankungen womöglich schwerer treffen. Janosch Dahmen pflichtet ihm bei, Impfzentren könne man ja für betroffene Berufsgruppe und mobile junge Menschen offen halten. 

Anne Will im ARD: Debatte über kontaktarmes Reisen im eigenen Bundesland und Astrazeneca-Impfstoff

Manuela Schwesig betont wiederum, wie man in Mecklenburg-Vorpommern Hausärzte schon jetzt stark einbeziehe, und freut sich, dass noch ein anderes Thema zur Sprache kommt, mit dem sie punkten kann: der Tourismus. Immerhin ist das in ihren für Inlandsreisen enorm beliebten Bundesland ein wichtiges Thema. Schwesig plädiert für kontaktarmes Reisen im eigenen Bundesland und hält es für einen großen Fehler, dass das Auswärtige Amt die Reisewarnung für Mallorca aufgehoben habe, zumal dort die brasilianische Mutante aufgetreten sei.

FPD-Mann Wolfgang Kubicki wiederum kann mit der anvisierten Quarantäne für Mallorca-Rückkehrer nicht viel anfangen und hält die Diskussion um die Mutanten für „lustig aber falsch“, zumal man in Kreisen mit niedrigen Inzidenzen solche Maßnahmen nicht durchsetzen könne. Schwesig hält dagegen, gegen die brasilianische Mutante helfe der Impfstoff womöglich nicht. Schnell wirft Anne Will noch einen Einspieler zum Impfchaos um Astrazeneca ein mit vielen Bildern von aufgezogenen Impfspritzen, einem Jens Spahn, der etwas hilflos betont, das Aussetzen der Impfung sei „eine fachliche Entscheidung“ und Impressionen von Baden-Württembergs Ministerpräsident Wienfred Kretschmann, der sich mit AstraZeneca impfen lässt.

Anne Will (ARD): Mecklenburg-Vorpommern als Beispiel für schnelles Agieren beim Astrazeneca-Impfstoff

„Warum war es falsch, die Impfung auszusetzen?“, will Anne Will wissen. Janosch Dahmen hält vor allem den Eindruck von Panik, der entstanden sei, für problematisch. Natürlich solle man Warnhinweise ernst nehmen, richtiger wäre in diesem Fall aber gewesen noch einmal die Europäische Arzneimittel-Agengur (EMA) zu kontaktieren, um im Einklang eine Strategie zu finden und durchzusetzen.

Manuela Schwesig verknüpft geschickt das Astrazeneca-Thema, mit der Hausarzt-Debatte und dem Lob auf ihr Bundesland, indem sie darauf verweist, dass hier die Impfzentren gleich, nachdem Donnerstag grünes Licht kam, weiter mit Astrazeneca geimpft hätten, zumal auch Hausärzte in die Beratung der Zentren eingebunden seien. Das fand offenbar Anne Will als Schlusswort so überzeugend, dass sie die Sendung ziemlich abrupt abbrach mit den Worten „Damit hören wir auf.“ Da fehlte wohl der Wille zu einer abrundenden Moderation oder einem klaren Fazit. (Teresa Schomburg)

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