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Bei Anne Will in der ARD geht es wieder einmal um Corona-Krise in Deutschland.
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Bei Anne Will in der ARD geht es wieder einmal um Corona-Krise in Deutschland.

TV-Kritik

Anne Will: Söders Lauterbach-Wunsch wird erhört

  • Daland Segler
    VonDaland Segler
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Deutschland hat die Corona-Krise nicht unter Kontrolle. Darüber sind sich zumindest die Gäste von Anne Will in der ARD einig.

Alpha, Delta, Omikron: Sie haben uns im Griff und wir wissen nicht einmal, welche vermaledeiten Corona-Varianten noch auf uns warten, geschweige denn, dass wir uns einig wären, was zu tun ist gegen den Würgegriff des Virus. Also widmen sich die Talkshows, Wartezimmer der Nation, mit Hingabe dem immer gleichen Thema, leicht abgewandelt.

„Impfpflicht und Lockdown für Ungeimpfte – gewinnen Bund und Länder so die Kontrolle zurück?“, fragte Anne Will in der ARD, und der Tenor der Antworten ihrer Gäste lautete: Es gibt noch gar keine Kontrolle. Denn: Wie will man denn kontrollieren, fragte die Notärztin Carola Holzner, für deren Anwesenheit bei solchen Runden man immer dankbar ist, denn sie sagt in glasklaren Sätzen, was Sache ist. So eröffnete sie den Abend mit einer Schilderung ihrer Versuche, ein Bett für eine Notfallpatientin zu finden – die Ärztin als Telefonistin.

Talk mit Anne Will (ARD): Kontakte in privaten Bereich nicht zu kontrollieren

Und während Markus Söder (CSU), der erstmal wie üblich sich ausführlich selber lobte, Kontaktbeschränkungen als das Heilmittel pries, das aber „das Schwerste“ sei, wandte auch Cerstin Gammelin ein, Kontakte, etwa in privatem Bereich, seien doch „überhaupt nicht zu kontrollieren“, wobei sie sich auf eigene Erfahrungen berief. Da mochte auch FDP-Mann Kuhle vergebens beteuern: „Kontrollen werden stattfinden.“ Sein Wort in des deutschen Schaffners Ohr...

Dass effektivere Maßnahmen gegen das Virus notwendig seien, machte Karl Lauterbach (SPD) klar. Auch Geimpfte und Genesene seien durch die Omikron-Variante gefährdet; die Daten etwa aus Israel gäben Grund zur Sorge. „Ich lese Studien dazu im Stundentakt.“ Wie nun bekannt wurde, wird Lauterbach überraschenderweise Gesundheitsminister, was sich im ARD-Talk nicht aus seiner Reaktion auf Anne Wills Frage ableiten ließ. Carola Holzner betonte diesbezüglich: „Wir würden uns freuen, weil Sie ein Mann vom Fach sind“. Und ein weiteres Lob kam von der Konkurrenz: Markus Söder verwies darauf, dass ein neuer Minister eine Einarbeitungszeit brauche, Lauterbach aber nicht. Der könne das, denn „er hat einen Grund-Kompass.“

Name des GastesFunktion
Markus Söder (CSU)Ministerpräsident von Bayern
Karl Lauterbach (SPD)Bundestagsabgeordneter, Gesundheitsökonom und Epidemiologe
Konstantin KuhleInnenpolitischer Sprecher der FDP-Fraktion
Carola HolznerFachärztin für Anästhesie, Intensivmedizin und Notfallmedizin; auch bekannt als Medizinbloggerin Doc Caro
Cerstin GammelinStellvertretende Leiterin des Parlamentsbüros der Süddeutschen Zeitung

Karl Lauterbach bleibt bei Anne Will in der ARD seiner Linie treu

Der Sozialdemokrat, von bösen Zungen wegen seiner Warnungen in diversen TV-Auftritten auch als „Kassandra“ verspottet, blieb seiner Linie treu: Man müsse so schnell wie möglich boostern, den „wir impfen jetzt gegen die Zeit.“

Nach einem Geplänkel über die Klage der FDP gegen die Bundesnotbremse erinnerte Söder daran, anfangs hätten alle an einem Strang gezogen. Doch Anne Will („Sie sind ja der selbsternannte Vorsitzende des Vereins Vorsicht“) hatte einen Einspieler vorbereitet, der recht klar die Defizite Bayerns auflistete. Und Söder musste einräumen, dass er von der Zahl der Impfdurchbrüche „überrascht“ worden sei und zudem lebten in seinem Land besonders viele Impfgegner: „Die Hälfte der Heilpraktiker sitzt in Bayern.“

Karl Lauterbach spricht sich bei Anne Will (ARD) für eine Impfpflicht aus

Ein weiterer Einspieler zeigte, dass anfangs alle maßgeblichen Politiker gegen die Impfpflicht waren. Jetzt sagte Lauterbach, er sei für die Impfpflicht, ohne sie „kommen wir immer wieder in diese Wellen hinein“. Aber diese Widersprüchlichkeit, dass die Pflicht sich impfen zu lassen, vorher ausgeschlossen worden war, machte Holzner als Problem aus. Cerstin Gammelin gab zu bedenken, das bei einer berufsbezogenen Impfpflicht Pflegekräfte kündigen könnten, und während Kuhle erklärte, die Steigerung der Impfquote sei der Zweck,, hielt ihm Holzner entgegen: „Die Krankenhäuser sind aber jetzt voll.“

Anne Will in der ARD-Mediathek

Haben Sie die Sendung verpasst? Kein Problem, in der ARD-Mediathek können Sie den Talk mit Anne Will immer noch ansehen.

Dass die Impfpflicht die Aggressionen erhöhen werde, warf Anne Will mit Hinweis auf rechtsradikale Attacken ein, wie sie von Faschisten und Querschwurblern etwa in Sachsen jüngst verübt wurden. Der Staat dürfe sich nicht erpressen lassen, bekräftigte Lauterbach. Die Einführung der allgemeinen Impfpflicht werde ohnehin die Gesellschaft weniger spalten als die Debatte darüber, glaubt Gammelin. Und Praktikerin Holzner vertraut auf die Überzeugungskraft der Worte. Und demonstrierte sehr überzeugend, wie sie einen Impfgegner im Dialog zur Einsicht bringt. (Daland Segler)

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