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Dagmar Rosenfeld
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Dagmar Rosenfeld, Chefredakteurin der Welt, bei Anne Will in der ARD. (Screenshot)

TV-Kritik

Anne Will: Journalistin kritisiert „Scholzomat“ – und widerspricht sich letztlich selbst

  • Teresa Vena
    VonTeresa Vena
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Bei Anne Will steht die neue Regierung im Brennpunkt. Thema: „Neue Regierung, alte Krisen – kann da der versprochene Aufbruch gelingen?“

„Haben Sie alles getan, um die Menschen zum Impfen zu animieren?“, nicht nur einmal, sondern gleich mehrfach stellte die Chefredakteurin der Welt, Dagmar Rosenfeld, Karl Lauterbach, Bundesminister für Gesundheit, diese Frage. In der Anne Will-Sendung vom 12. Dezember 2021 in der ARD sollte es um die Beurteilung der ersten Schritte der neu formierten Ampelkoalition gehen.

Als Angelpunkt galten die Revision des Infektionsschutzgesetzes und die Vorstöße zu einer allgemeinen Impfpflicht. Rosenfelds insistierende Art zielte offenbar darauf, der neuen Regierung einen ersten, massiven Fehler nachzuweisen, weil eine Impfpflicht bisher auch von den neuen Koalitionspartnern kategorisch abgelehnt wurde und nun doch besprochen wird.

Karl Lauterbach bei Anne Will (ARD): Wenigstens bemüht, konkrete Antworten zu geben

„Die Ampel hat in Bezug auf Inszenierung einen erfolgreichen Start hingelegt“, meinte Rosenfeld bei Anne Will im Ersten. „Doch ihre bisherigen Taten sind nicht so glänzend, wie die Hochglanzbilder, die sie hat produzieren lassen“, sagte sie weiter. Leider blieben Rosenfelds Aussagen während der gesamten Diskussion ebenfalls vage und plakativ. Eigentlich widersprach sie sich letztlich, denn sie forderte von den Politikern eine möglichst konkrete Kommunikation und Positionierung. Sie warf Olaf Scholz, den sie mit seinem Spitznamen „Scholzomat“ ansprach, beispielsweise vor: „Er sagt nichts. Er antwortet nicht auf die Fragen, die man ihm stellt.“

Anne Will, Sendung vom 12. Dezember 2021. (Screenshot)

Wer aber tatsächlich bemüht war, konkrete Antworten auf eher rhetorische und maliziös gemeinte Fragen zu geben, war Karl Lauterbach. „Olaf Scholz hat meine Eignung als Bundesminister für Gesundheit nicht aus den Talkshows abgeleitet“, stellte er gleich zu Beginn richtig, als Wolfgang Merkel, Politikwissenschaftler und Demokratieforscher, genau dies halb ironisch, halb ernstgemeint suggerierte. Lauterbach (SPD) kämpfte in der Talkshow von Anne Will (ARD) an allen Fronten. Sein Versuch in der Sendung, von der Wichtigkeit der Impfung zu überzeugen, wurde wiederholt durch Diskussionen, die auf die Machtstrukturen der Ampelkoalition abzielten, konterkariert.

Anne Will (ARD): Norbert Röttgen attackiert Katrin Göring-Eckardt

Insbesondere Norbert Röttgen, Präsidiumsmitglied und Kandidat für den Parteivorsitz der CDU, drängte darauf, der neuen Regierung in der Kommunikation zur Pandemie grobe Fehler anzulasten. Dabei nahm er vor allem Katrin Göring-Eckardt vom Bündnis 90/Die Grünen, Bundestagsvizepräsidentin, ins Visier, die er beschuldigte, Ende Oktober gemeinsam mit Kollegen fälschlicherweise das Ende der Pandemie ausgerufen zu haben. „Statt dies rechtzeitig zu korrigieren, ist die Gesichtswahrung vorgegangen“, kritisierte Röttgen in der ARD weiter. So richtig viel hatte Göring-Eckardt dem leider nicht wirklich entgegenzusetzen, außer dass man es jetzt mit einer Regierung zu tun habe, die „wichtige Entscheidungen gemeinsam“ treffe.

Talkrunde Anne Will vom 12. Dezember 2021, ARDDie Gäste
Karl LauterbachBundesminister für Gesundheit (SPD)
Katrin Göring-Eckardt Bundestagsvizepräsidentin (Bündnis 90 / Die Grünen)
Norbert Röttgen CDU-Präsidiumsmitglied und Kandidat für den Parteivorsitz
Wolfgang MerkelPolitikwissenschaftler und Demokratieforscher
Dagmar RosenfeldChefredakteurin WELT

Das gelte auch für die Pandemie. „Eine Impfpflicht muss genau geprüft werden, das geht nicht über Nacht“, sagte Göring-Eckardt. Man müsse sich Zeit lassen. „Doch Zeit ist keine“, warfen sowohl Röttgen als auch Anne Will in ihrer Sendung in der ARD selbst ein. In diesem Aspekt wurde die Diskussion leicht komisch, wenn nicht surreal. Denn auf der einen Seite stand Göring-Eckardt, die mit einem eher peinlichen, fast verzweifelten Versuch, Sympathien zu gewinnen, auf die Lage der Kinder in der Pandemie hinwies und hoffte, mit dem folgenden Ausspruch auch auf TikTok zu landen: „Danke Kids, das habt ihr sehr vernünftig gemacht. Vernünftiger als manch anderer.“ Sie wollte damit auch darauf hinweisen, dass für sie das Impfen von Kindern sehr wichtig ist, damit diese, die, wie sie betonte, ein Recht darauf hätten, wieder ein normales Leben führen könnten.

Anne Will (ARD): Aktueller Impfstoff bietet bei Omikron weniger Schutz

Den Kern der Sache erfasste sie damit aber nicht. Es war Lauterbach, der auf der anderen Seite nicht müde wurde zu erklären, wie sich die aktuelle Corona-Lage zusammensetze und die eigentliche Aussage zur Notwendigkeit einer Impfpflicht machte. „Dass 90 % der Menschen geimpft sind, reicht nicht, um die Pandemie zu bekämpfen, weil der Impfstoff nicht 100 % wirkt“, sagte er bei Anne Will im Ersten. „Bei einer neuen Variante wie Omikron bietet der aktuelle Impfstoff nur 35 % Schutz.“ Aus diesem Grund seien die Booster-Impfungen so wichtig, erklärte er. „Durch das neue Impfschutzgesetz und die Booster-Impfungen möchten wir die Delta-Welle brechen und gleichzeitig die Omikron-Fälle verhindern.“

Zur Sendung

Anne Will, 12. Dezember 2021, ARD, 21:45 Uhr: „Neue Regierung, alte Krisen – kann da der versprochene Aufbruch gelingen?“

Die Sendung in der Mediathek.

Bis dahin, und Karl Lauterbach geht von April des nächsten Jahres aus, werde es neue Impfstoffe geben, die neue Wellen verhindern und gezielt die Omikron-Variante bekämpfen könnten. Ob man sich also im nächsten Frühling zum vierten Mal impfen lassen müsse, fragte Anne Will. Das konnte Lauterbach nicht beantworten. Das wisse zum jetzigen Zeitpunkt noch keiner.

Es war nicht ganz klar, in welche Richtung die Sendung von Anne Will (ARD) genau gehen wollte. Die anfängliche Frage, die die ersten Maßnahmen und Auftritte der Ampelkoalition beurteilen sollte, fand nur oberflächliche Anwendung. Sie spiegelte sich in einem eher wässrigen Hin-und-Her zwischen den Anwesenden wider, das Lauterbach treffend mit dem Satz „Wir versuchen, uns gegenseitig den schwarzen Peter zuzuschieben“ zusammenfasste. Offenbar war es ihm ein persönliches Anliegen, über notwendige Schritte in der Pandemie zu sprechen, wofür der Rahmen aber nicht gedacht war. „Ein starkes Zeichen“, wie es sich Röttgen von der Ampelkoalition wünscht, ist auf jeden Fall ausgeblieben. (Teresa Vena)

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