Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Thema bei Anne Will (ARD): „Schwindendes Vertrauen ins Corona-Krisenmanagement – was muss jetzt passieren?
+
Thema bei Anne Will (ARD): „Schwindendes Vertrauen ins Corona-Krisenmanagement – was muss jetzt passieren?

TV-Kritik

Jens Spahn demonstriert bei Anne Will (ARD) Hilflosigkeit – In Deutschland dauert eben alles länger

  • Daland Segler
    vonDaland Segler
    schließen

Anne Will fragt in ihrer Talkshow (ARD): „Schwindendes Vertrauen ins Corona-Krisenmanagement – was muss jetzt passieren?“

  • Thema bei „Anne Will“ (ARD): Das Corona-Krisenmanagement in Deutschland
  • Es diskutieren Jens Spahn, Manuela Schwesig, Ralph Brinkhaus, Sahra Wagenknecht, Georg Mascolo und Cornelia Betsch.
  • Fazit: In Deutschland dauert es halt ein bisschen länger.

Berlin – „Die psychische Großwetterlage ist beunruhigend“, warnte Cornelia Betsch. Und damit meinte die Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt nicht die Reaktionen auf den harten Winter, sondern den Unmut der Deutschen über die Corona-Bekämpfung ihrer Regierung. Das Vertrauen sei in den vergangenen Monaten von 60 auf 40 Prozent gesunken, gerade bei denen, die als Befürworter der Maßnahmen gelten könnten. Darin, so die Forscherin, liege „ein gewisser Zündstoff“.

Den Vertrauensverlust machte Anne Will (ARD) zum Thema ihrer gefühlt hundertsten Sendung über die Corona-Pandemie, und es wurde deutlich, wie schwer es sein wird, die Zustimmung zurückzugewinnen. Denn die politisch Handelnden offenbarten auch hier eine Hilflosigkeit, die zwischen Angst vor dem Zorn der Bevölkerung und Unsicherheit mangels Orientierung schwankte. Das machte auf fast schon beängstigende Weise Gesundheitsminister Jens Spahn sichtbar, der sich – ein Novum – für ein „Einzelgespräch“ zuschalten ließ.

Anne Will (ARD): Jens Spahn verteidigt die Strategie

Er erklärte den Vertrauensverlust mit einer „gewissen Müdigkeit“, die sich nun einmal nicht vermeiden ließe – nicht aber mit Fehlern der Regierung. Die aufzuzählen, ließ sich Anne Will (ARD) nicht nehmen, die auch keine befriedigende Antwort auf ihre Frage bekam, was Spahn hätte besser machen können.

Im Gegenteil: Der Minister hält die Entscheidung der EU über die, wie wir jetzt alle wissen, fatal schief gegangene Impfstoff-Beschaffung für richtig und verwies zum einen auf die Schwierigkeit, sich mit 27 Staaten abzustimmen, zum anderen auf die Aussage des Biontech-Chefs, mehr Vakzin zu bestellen, sei seinerzeit auch mit mehr Geld nicht möglich gewesen. Wohl aber mehr und früher Infrastruktur zu schaffen, etwa Fabriken zu bauen, wie es Bill Gates angeregt habe, erklärte danach Georg Mascolo, Leiter des Rechercheteams von NDR, WDR und Süddeutscher Zeitung. Der Journalist hielt es ohnehin für die wahre humanitäre und medizinische Katastrophe, dass man bei der Verteilung des Impfstoffs – „das wichtigste Kapitel überhaupt“ – nicht an die ganze Welt gedacht habe.

Bei Anne Will (ARD) wird heftig mit den Inzidenz-Zahlen jongliert

Wie der Impfstoff-Mangel sich im Lande auswirkt, schilderte Manuela Schwesig, Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern. Sie sprach von einer „Waffe für den Motivationsschub“, die nun in den entscheidenden Momenten fehle.

Entscheidend aber dürfte vor allem erst einmal der Umgang mit den jetzt schon wieder vereinzelt geforderten Lockerungen sein. Auch in der Runde bei Anne Will (ARD) wurde wieder heftig mit Inzidenz-Zahlen jongliert, aber die Virologin Melanie Brinkmann hatte kürzlich im Spiegel ein viel härteres Vorgehen gefordert, als jetzt erwogen wird: „Es wäre fatal zu hoffen, wir könnten die Maßnahmen mit einer Inzidenz von knapp unter 50 lockern und dabei das Virus im Zaum halten.“ Die anerkannte Expertin gab in diesem Interview einen erschütternden Einblick in das mangelhafte Vertrauen der Politik in die wissenschaftlichen Ratgeber. Sahra Wagenknecht, Ex-Fraktionschefin der Linken, wies jetzt bei Anne Will (ARD) mit Recht auch darauf hin, dass in die Forschung zu wenig investiert werde.

Jens SpahnBundesminister für Gesundheit
Manuela SchwesigMinisterpräsidentin des Landes Mecklenburg-Vorpommern
Ralph BrinkhausVorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion,
Sahra WagenknechtPolitikerin (Die Linke)
Georg MascoloDeutsch-italienischer Journalist
Cornelia Betsch Psychologin und Gesundheitswissenschaftlerin

Vor diesem Hintergrund nimmt es in der ARD nicht wunder, wenn ein maßgebliche Politiker wie Ralph Brinkhaus, Fraktionschef der Union, erst einmal beteuert, es habe sich „ja einiges getan“ und auch die (von Brinkmann für wissenschaftlich nicht belegt erklärte) Inzidenz von 50 als Richtschnur für politisches Handeln betrachtet. Von No Covid, wie es Brinkmann und einige ihrer Kollegen fordern, damit es Deutschland nicht wie England ergehe, will die bundesdeutsche Politik lieber nichts hören. Stattdessen wird zum x-ten Mal das Mantra bemüht, für Öffnungen etwa bei Schulen müssten „einheitliche Regelungen“ beschlossen werden. Das bestätigte immerhin Cornelia Betsch; es brauche einen klaren Kriterienkatalog und einen einheitlichen Stufenplan. Aber, wandte Georg Mascolo ein, man müsse dann auch bei regionalen Unterschieden mögliche Ungleichheiten ertragen. Das Wichtigste aber sei Impfstoff für alle.

Die Sendung: Anne Will (ARD), von Sonntag, 7. Februar, 21.45 Uhr.

Zur Sendung im Netz.

Anne Will (ARD): Mehr Schnelltests braucht das Land

Bis dahin wird es dauern. Sahra Wagenknecht forderte deshalb mit Hinweis auf Frankreich erstmal kostenlose Schnelltests für alle, die seien hierzulande zu teuer. Manuela Schwesig ging noch weiter und propagierte Do-it-yourself-Schnelltests. Solche Erste-Hilfe-Maßnahmen hätte die Regierung natürlich längst in die Wege leiten können. Aber wenn wir eines in dieser Krise gelernt haben (auch Jens Spahn hatte es mit Hinweis auf die Verwaltung als Erklärung bemüht), dann das: In diesem Lande dauert alles etwas länger.

Und deshalb wohl auch die Pandemie. (Daland Segler)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare