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Corona-Talk bei Anne Will (ARD).
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Corona-Talk bei Anne Will (ARD).

TV-Kritik: Anne Will, ARD

Corona-Diskussion bei Anne Will in der ARD - Karl Lauterbach geht Bundesregierug an

„Lockern auf Probe - wohin führt der Strategiewechsel in der Pandemiepolitik?“ Anne Will lässt in der ARD über das Coronavirus diskutieren. 

  • Das Coronavirus war Thema bei Anne Will in der ARD.
  • In der Kritik steht die Corona-Politik der Bundesregierung - insbesondere Jens Spahn.
  • Die Gäste bei Anne Will sind alte Bekannte.

Berlin - Man hörte schon förmlich das virtuelle Aufstöhnen der Zuschauer vor dem Fernsehgerät: schon wieder sitzt Karl Lauterbach, die epidemiologische Allzweckwaffe unter den deutschen Politikern in der Talkrunde. Und auch bei Markus Feldkirchen fragt man sich, ob die deutsche Medienlandschaft schon so ausgedünnt ist, dass man immer dieselben Journalisten als Kronzeugen der aktuellen gesellschaftspolitischen Lage aufbieten muss.

Auch Lisa Federle und Reiner Haseloff sind vertraute Gesichter in der Corona-Pandemie-Diskussion, nur dass Federle stets etwas Substantielles anzumerken hat, während Haseloff wie so oft viel redet, ohne wirklich etwas zu sagen. Frau Inselkammer verteidigte unter diesen ARD-Talkshow-Alphatieren tapfer ihre von der Politik völlig vergessene Branche - war aber letztlich die einsame Ruferin in der Wüste.

Bei Anne Will (ARD): Scharfe kritik an der Corona-Politik

Immerhin brachte Feldenkirchens journalistischer Aufschrei „Eine neue Regierung bitte!“ gleich etwas Zunder in die Diskussion bei Anne Will: „Warum hat man sich auf den Lorbeeren des ersten Lockdown ausgeruht, seit Oktober die Schnelltests nicht eingeplant, nicht mehr Impfungen organisiert, eine unwirksame App nicht überarbeitet?“ berechtigte Fragen, auf die Haseloff nur die, aus der Fußballszene schon zum Erbrechen bekannte, Antwort parat hatte: „Wir müssen nach vorne denken.“

Wenigstens redete Karl Lauterbach in der ARD Klartext, gab zu, dass man wegen der EU-Versäumnisse bei der Impfdosen-Bestellung schlecht aufgestellt sein, die Ankündigungen von Öffnungen ohne den Aufbau einer Teststrategie erfolgt sind und dass durch die Mutanten die Inzidenzwerte im April eine neue Dynamik bekommen könnten: „Die dritte Welle läuft erst an.“

GästeBeruf/Institution
Markus FeldenkirchenPolitischer Autor im „Spiegel“
Angela InselkammerPräsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes
Lisa FederleNotärztin und Pandemie-Beauftragte des Landkreises Tübingen
Karl Lauterbach (SPD)Mitglied des Deutschen Bundestages, Gesundheitsökonom und Epidemiologe
Reiner Haseloff (CDU)Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt

Vehement fordert Angela Inselkammer die Öffnung von Restaurants ein: „Wir könnten mit unseren Hygiene-Maßnahmen Sicherheit gewähren. Warum dürfen Baumärkte öffnen, sich Menschen auf Plätzen knubbeln - und wir nicht mal die Außengastronomie öffnen?“ Berechtigte Fragen, bei denen ihr auch Lauterbach, zumindest, was die Außengastronomie angeht, recht gibt. Bei geschlossenen Bewirtschaftungsräumen verweist er allerdings auf neue US-Studien, die dort eine verstärkte Verbreitung der Aeroosole nachgewiesen haben.

Anne Will (ARD): Tübingen als beispiel für wirksame Corona-Politik

„Testen, testen, testen“, das ist das Credo von Lisa Federle, die noch einmal in der ARD, mit berechtigtem Stolz, auf die Erfolge in Tübingen hinweist, „wo der Inzidenzwert unter 30 liegt und sich sogar Thomas Dieter Kuhn und seine Band ehrenamtlich als Tester zur Verfügung gestellt haben. 25 Kommunen bei mir angefragt wegen Tests.“ - „Haben sie sich das Konzept mal angesehen?“, will Anne Will von Reiner Haseloff wissen. Doch der wirft wieder nur verbale Nebelkerzen - und bestätigt damit, warum viele Bürger kein Vertrauen mehr in die Politik haben!

Das hat auch Jens Spahn mitzuverantworten, so Feldenkirchen bei Anne Will, der fälschlicherweise behauptet hat, 500 Millionen Schnelltests gesichert zu haben, die am 1.3. auf den Markt kommen. Nun ist die Auslieferung für den 8.3. geplant, während Aldi und Lidl schon am Wochenende Selbsttests angeboten haben. Die waren allerdings schon nach ein paar Stunden ausverkauft.

Versagen von jens Spahn in der Corona-Krise bei Anne Will (ARD) angeprangert

Und da viele ungeübt bei der Anwendung waren, gab es wohl auch viele uneindeutige Ergebnisse, wie Federle bei Anne Will in der ARD bemängelt. Auch für Lauterbach ist die Lage undurchsichtig („Keiner weiß, wie viel Tests wir haben? Auf jeden Fall stehen wir nur an 23. Stelle der 27 EU-Staaten!“). Anne Will versucht seinen Einfluss in Pandemie-Fragen auf Angela Merkel herauszukitzeln, der aber möchte sich nicht als Pressesprecher der Kanzlerin verstehen: „Ihr einziger Berater wäre ich aber gerne“, fügt er mit seiner sympathischen, spitzbübigen Ironie hinzu.

Markus Feldenkirchen kann sich bei Anne Will den Sarkasmus über die neu gebildete Tarsk-Force der Bundesregierung nicht verkneifen: „Andreas Scheuer war mit seinen ‚Bestellungen‘ bisher ja immer zu früh dran, Jens Spahn eher zu spät. Vielleicht hebt sich das jetzt wieder auf ? Aber eigentlich reden wir ja über ein Jahr unterlassene Hilfeleistung!“

Lisa Federle nimmt noch einmal die Länder in die Pflicht, die Corona-Impfungen und Tests in die Hand zu nehmen. Leider nimmt Anne Will (ARD) die Steilvorlage nicht auf, um sie an Haselhoff weiterzuleiten. So müssen wir auf die nächste Talkshow zur Corona-Lage warten. Die kommt bestimmt schneller, als uns eigentlich lieb ist - und vielleicht hat bis dahin auch jemand in der Politik daran gedacht, die Gaststätten-, Hotel- und Kulturbranche mit ins Lockerungs-Boot zu holen. Der Mensch lebt nicht vom Friseur allein! (Rolf-Rüdiger Hamacher)

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