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TV-Kritik

Anne Will (ARD): Die Homeoffice-Strategie der Regierung – wie ein schlechter Witz

  • Daland Segler
    vonDaland Segler
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Alles dreht sich um den Umgang mit Corona – auch bei Anne Will (ARD). Dabei kommt zum Vorschein, wie sehr sich die Positionen mittlerweile unterscheiden.

  • In der ARD-Talkshow „Anne Will“ wird die Frage disktuert, wie viel „Zumutung“ es für die Bürger zur Eindämmung der Corona-Pandemie noch braucht.
  • Zu Gast bei Anne Will (ARD) sind Malu Dreyer (SPD), Helge Braun (CDU), Michael Hüther (Institut der deutschen Wirtschaft), Uwe Janssens (Chefarzt) und Vanessa Vu (Journalistin von „Zeit online“).
  • Journalistin Vanessa Vu wirbt für No-Covid-Strategie.

Berlin – Die Fronten haben sich nur etwas verschoben. Immer noch stehen auf der einen Seite diejenigen, die Entschiedenheit verlangen beim Kampf gegen die Corona-Pandemie, und auf der anderen Seite die Interessenvertreter der „Wirtschaft“. Dazwischen aber agieren die Politiker, selbst gespalten in ihren Haltungen, und so wächst der Unmut. Die Zahl der unzufriedenen Bundesbürger:innen übertrifft inzwischen die Menge derer, die eher weniger auszusetzen haben an den Maßnahmen, die in Berlin oder den 16 Ländern getroffen wurden. Insofern spiegelte die Diskussion gestern Abend bei Anne Will (ARD) die Lage angemessen.

Da saß Kanzleramtsminister Helge Braun und tat, was er auch bei Maybrit Illner am vergangenen Donnerstag getan hatte (und andere Regierungsmitglieder zuvor auch): Er wand sich, er verteidigte sich (und die Regierung) und er sprach auch mal im Irrealis. Ihm ähnlich argumentierte Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz: Man habe „absolut verantwortungsvoll gehandelt“. Aber vielleicht doch ein paar Fehler begangen, fragte Anne Will (ARD).

Streitthemen bei Anne Will (ARD) waren Homeoffice und No-Covid-Strategie

Der Zwist entzündete sich vor allem am Thema Homeoffice und an der No-Covid-Strategie. Der Erlass der Regierung, die Arbeitgeber „müssten“ den Arbeitnehmern die Möglichkeit dazu schaffen, hat wenig mit der Realität zu tun, wie Vanessa Vu bei Anne Will (ARD) deutlich machte. Die Redakteurin von „Zeit online“ hob darauf ab, dass mit dieser Bestimmung die Entscheidung auf die Schwächsten abgewälzt werde, weil es einen Druck vonseiten der Chefs geben dürfte. Dass Braun mit der „Überprüfbarkeit“ der Einhaltung argumentierte, wirkte wie ein schlechter Witz.

SendungAnne Will
Erstausstrahlung16. September 2007
SenderARD
SpracheDeutsch
GenreTalkshow
NominierungenDeutscher Fernsehpreis für die beste Information

Vanessa Vu hatte bei Anne Will außer Zahlen (ein Prozent mehr Homeoffice bedeuteten acht Prozent weniger Corona-Infektionen) ein gewichtigeres Argument: das Papier von 13 Wissenschaftler:innen, die sich für eine radikale Senkung der Infektionen („No Covid“) aussprachen. Sie halten den Politikern einen „Eiertanz“ vor und haben eine Strategie dargelegt, wie durch Schaffung verschiedener regionaler Zonen (je nach Inzidenz) ein offeneres Leben möglich wäre. So böte man den Menschen eine Perspektive, weil es sich lohne, die Zahlen der Corona-Neuinfektionen zu senken.

Anne Will diskutiert in der ARD über die Corona-Strategie der Bundesregierung.

Anne Will (ARD): Wirtschaftswissenschaftler gegen No-Covid-Strategie

Malu Dreyers Argument bei Anne Will (ARD) ging in die entgegengesetzte Richtung: Das halte sie nicht für machbar in Europa, das wirtschaftlich, kulturell und sozial so verflochten sei; die Strategie sei der Bevölkerung nicht vermittelbar. Deutlicher wurde Michael Hüther, Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft: No Covid „unterbricht die Wertschöpfungskette“, das werde man nicht durchhalten. Er hatte auch eine Studie parat, nach der es viele Todesfälle infolge von Insolvenzen gebe. Man müsse realistischer sein und „gucken, was gelingen kann“, mit einer Inzidenz von 100 könne man „auskommen“. Das fand Vanessa Vu dann doch „zynisch“.

Im Übrigen nannte Hüther als warnendes Beispiel für eine radikale Strategie gegen Corona ausgerechnet China. Den erfolgreichen Umgang mit Corona in Taiwan und Süd-Korea nannte er nicht. Helge Braun fand, und das war typisch für die Position der Regierenden, No Covid „absolut richtig im Grundgedanken“, verwies aber auch auf die „offene Gesellschaft“. Immerhin sprach er sich bei Anne Will (ARD) auch gegen Hüthers Vorstellung aus, man könne eine Inzidenz von 100 akzeptieren.

Mediziner plädiert bei Anne Will (ARD) für ambitioniertes Ziel

Einen Kompromiss, der aber noch weitaus radikaler als die Maßgaben der Koalition war, brachte Uwe Janssens, ins Gespräch, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin am St.-Antonius-Hospital in Eschweiler. Im Gegensatz zu Dreyer und Braun, die bei Anne Will (ARD) wiederholt ­ – was konnte man auch anders erwarten ­– auf die Erfolge im Kampf gegen die Corona-Pandemie verwiesen, befand er: „Wir sind nicht gut durchgekommen.“ Deshalb und auch weil das Personal in den Kliniken „am Ende“ sei, plädierte er für eine Inzidenz von zehn, denn man müsse „positive Ziele“ setzen.

Das ist wohl umso notwendiger, als die verschiedenen Corona-Mutanten, über die noch wenig, aber wenig Erfreuliches bekannt ist, die Lage drastisch verändern könnten. Und deshalb war vielleicht der deprimierendste Satz des Abends bei Anne Will (ARD) Helge Brauns bange Hoffnung: „Die Öffnungs-Strategie darf nicht mehr schiefgehen.“ (Daland Segler)

Rubriklistenbild: © Screenshot/ ARD

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