Anne Will mit Hendrik Streeck und Marina Weisband.
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Anne Will mit Hendrik Streeck und Marina Weisband.

TV-Kritik

Anne Will: Corona-Talk in der ARD - Lieber auf den Golfplatz oder in das Fußballstadion?

  • Bettina Schuler
    vonBettina Schuler
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Anne Will (ARD) will von ihren Talk-Gästen wissen, ob Deutschland mit der richtigen Corona-Strategie in den Herbst gehe. Sie hätten besser über den Klimawandel geredet.

  • Bei Anne Will in der ARD ging es wieder einmal um Corona.
  • Wie kann ein Anstieg der Corona-Neuinfektionen verhindert werden?
  • Virologe Streeck fordert einen Strategiewechsel.

Natürlich geht es mal wieder um die Corona-Pandemie. Als ob es auf der Welt, ja in Deutschland keine andere Themen geben würde. Doch warum über die ökologische Katastrophe und die steigende soziale Ungerechtigkeit sprechen, gegen die weder Quarantäne noch AHA-Regeln helfen, wenn man sich so wunderschön darüber streiten kann, dass es in den Bundesländern keine einheitlichen Pandemie-Regeln gibt.

Anne Will (ARD): Thema waren die Corona-Strategien

Ein Fakt, den selbst denjenigen Zuschauer*innen, die nur selten eine Talkshow einschalten, mittlerweile bekannt sein dürfte. Ebenso sollte bekannt sein, dass die Corona-Pandemie, so wie rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer es plattitüdenhaft formuliert „kein Sprint, sondern ein Marathon“ ist und der Virus unseren Alltag noch einige Jahre beschäftigen wird. Eine Aussage, die Frank Ulrich Montgomery, der Vorstandsvorsitzende des Weltärztebundes nicht müde wird zu betonen. Und dass es doch ein Unding ist, dass in einigen Bundesländer die Golfplätze geöffnet und in anderen geschlossen sind. Das ist natürlich wirklich ein Problem.

Ein weiteres großes Thema ist, natürlich, der Fußball. Ist es okay, dass 10.000 Zuschauer*innen wieder ins Stadion dürfen? Oder sollte man nicht lieber wie die Aktivistin und Autorin Marina Weisband es in der Sendung vorschlägt, Feiern und Veranstaltungen auf der Prioritätenliste nach hinten setzen und sich erst einmal darum kümmern, dass die Kitas, Kindergärten und Schulen auch weiterhin geöffnet haben? Wissenschaftsjournalistin Ranga Yogeshwar plädiert erst einmal dafür, dass wir zu polarisieren aufhören. Zu Recht sorgt er sich darüber, wie und wo die Menschen sich informieren.

Bei Anne Will fordert Virologe Streeck einen Strategiewechsel

Was Ex-Piratin Weisband natürlich ebenfalls mit Sorge sieht. Sie wünscht sich eine Bürger*innenversammlung zum Thema Corona-Regeln, damit die Menschen das Gefühl haben, wieder Kontrolle über ihre Lebensumstände zu bekommen. Wobei sie den zeitlichen Faktor, die Vorbereitung und die Ausführung einer solchen Bürger*innenversammlung vollkommen unerwähnt lässt. Man gewinnt den Eindruck, dass sie diese Idee nur deshalb in den Raum wirft, weil dieses Konzept gerade in linken Kreisen derzeit schwer angesagt ist. Denn bis dieses Konzept geeignet wäre, hätte der Winter längst begonnen.

Mit ihren Gästen diskutiert Anne Will im ARD-Talk über die Corona-Krise. 

Apropos Winter, dem sehen natürlich alle mit Sorge entgegen. Denn gerade dort, wo es gemütlich ist, wird es eng. Doch das „gepflegte Glas Rotwein“ soll natürlich trotzdem erlaubt sein, findet Frank Ulrich Montgomery. Am besten auf den Golfplatz. Oder doch lieber im Freien neben den umweltschädlichen Heizpilzen, die dank Corona wieder überall zu sehen sind. Der Bonner Virologe Hendrik Streeck wirbt für einen Strategiewechsel in der Pandemiepolitik und spricht sich dafür aus, dass man nicht nur starr auf das Infektionsgeschehen, sondern auch auf die Zahl der freien Intensivbetten und Testkapazitäten blicken sollte.

Er schlägt vor, ein regionales Ampelsystem einzuführen, so wie in Österreich, damit auch jeder weiß, wann welche Hygieneregel gilt. Das hält Frank Ulrich Montgomery, der an diesem Abend ganz besonders gerne redet, für eine wunderbare Idee. Immerhin fällt an diesem Abend einmal das Wort Klimawandel, denn auch für dieses Thema wäre es wichtig, so Weisband zu wissen, wie man als Leser*in eine Studie richtig einordnet und liest, um das Verbreiten von Fake News zu verhindern. Schade, dass die Sendung sich nicht diesem Thema gewidmet hat. Man hätte wahrlich mehr Neues erfahren. (Von Bettina Schuler)

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