1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

Anne Will in der ARD: „Olaf Scholz benimmt sich wie ein Hinterbänkler“

Erstellt:

Von: Daland Segler

Kommentare

Helene Bubrowski zu Gast bei Anne Will in der ARD.
Helene Bubrowski zu Gast bei Anne Will in der ARD. © Screenshot ARD

Anne Will blickt mit ihren Gästen gemeinsam auf die Corona-Lage. Bundeskanzler Olaf Scholz kommt dabei nicht gut weg.

Berlin - Die Ungeduld wächst. Und das ist nur zu verständlich angesichts der Lage. Das dritte Jahr der Corona-Seuche, und kein Ende absehbar. Und die Politik kaschiert ihre Hilflosigkeit mit immer neuen Erwägungen und Voraussagen. So las Anne Will den Verantwortlichen zu Beginn ihrer Talkrunde in der ARD erstmal die Leviten: Durcheinander beim Status der Genesenen, wer mit Johnson & Johnson nur einmal geimpft ist, gilt plötzlich als ungeimpft, PCR-Tests sind nicht mehr für alle da, und mit der Impfpflicht gehe es auch nicht voran – und das bei einer Sieben-Tage-Inzidenz von mehr als 800.

„Omikron-Welle da, Impfpflicht nicht – mit welchem Plan geht Deutschland ins dritte Corona-Jahr?“ war der Titel der Sendung, und am Ende konnte man nicht wirklich einen Plan erkennen, höchstens Pläne. „Wir kommen in eine wackelige Phase“, konstatierte Alena Buyx, Vorsitzende des Deutschen Ethikrats. Es wäre deshalb wirklich unvernünftig, während des Anstiegs der Infizierten-Zahlen die Regeln zu lockern.

Corona-Debatte bei Anne Will: Alle wollen mit Lockerungen punkten

Dennoch gibt es die Diskussion bei Anne Will darüber, zumal einige Politiker der Versuchung offenbar nicht widerstehen können, sich beim Wahlvolk mit Lockerungen Liebkind machen zu wollen. Das formuliert ein Politiker wie NRW-Ministerpräsident Henrik Wüst (CDU) dann so: Man müsse bereit sein, wenn der Scheitelpunkt der Pandemie überschritten sei, solche Maßnahmen auch umsetzen zu können.

Und der öfters irrlichternde FDP-Grande Wolfgang Kubicki gefällt sich ja schon länger als Quertreiber, wenn es um Einigkeit bei der Bekämpfung der Pandemie geht. „Wie ernst nimmt die FDP die Pandemie noch?“, fragte Anne Will spitzzüngig im ARD-Talk den neuen Justizminister Marco Buschmann. Der formulierte die Bremserrolle der Liberalen mit einem Satz, der an „alternative facts“ denken ließ: „Wir sind die Anwälte der Verhältnismäßigkeit.“

Anne Wills Gäste in der ARD

NamePosition
Marco BuschmannBundesjustizminister
Hendrik WüstMinisterpräsident Nordrhein-Westfalen
Alena BuyxVorsitzende des Deutschen Ethikrats
Uwe JanssensMediziner
Helene BubrowskiJournalistin

Anne Will in der ARD: FDP-Politiker sorgt für Schreckmoment bei Journalistin

Kein Wunder, dass eine Journalistin wie Helene Bubrowski von der FAZ bei Anne Will (ARD) mit gelindem Schrecken reagierte. Die Politik habe in der Corona-Krise zu viele Versprechen gemacht und eine ungeschickte Art der Kommunikation gezeigt,, während die vierte Welle „einfach durchrauscht“ und die Kinder sich infizierten. Die FDP sei eine „Herausforderung“ für die Ampel, befand sie diplomatisch. Olaf Scholz hätte sonst längst einen Regierungsentwurf vorgelegt, so aber verhalte er sich wie ein Hinterbänkler, indem er sich als „einfachen Abgeordneten“ bei der Abstimmung zur Impfpflicht bezeichne.

Während also die Regierung sich von der FDP ausbremsen lässt, ist das medizinische Personal in Kliniken und Praxen „sehr verschnupft“, wie Notfall-Mediziner Uwe Janssens berichtete. Anne Will wollte aber überhaupt den Sinn einer Impfpflicht geklärt wissen. Henrik Wüst wollte sie in ihrer ARD-Runde als Zeichen für die Geimpften verstehen, denen so signalisiert werden solle: Ihr habt das Eure getan,, jetzt sind die anderen, die Ungeimpften dran.

Runde bei Anne Will (ARD) diskutiert über Corona-Impfpflicht

Alena Buyx leuchtete das Problem genauer aus: Es gehe um die Balance der Freiheit der einen wie der anderen. Die nur eingeschränkt werden dürfe, wenn die Pflicht als „sehr hochrangiges Ziel“ definiert werde. Deshalb sei vorher eine Reihe von flankierenden Maßnahmen nötig. Aber wen erreicht man mit deiner Impfpflicht überhaupt, fragte Bubrowski. Die Gegner (also die Querschwurbler) würden entweder Dokumente fälschen oder Bußgeld zahlen (von den Möchtegern-Umstürzlern, die uns seit Wochen mit „Spaziergängen“ behelligen, war nicht die Rede).

Uwe Janssens stellte die nächste ungeklärte Frage;: „Wie wollen Sie es überprüfen?“ Aber er hatte immerhin eine Antwort. Während Henrik Wüst die Kommunen in die Pflicht nehmen wollte, schlug der erfahrene Mediziner vor, die Krankenkassen mit dem Job zu beauftragen. Schließlich hat praktisch jede(r) eine Versicherungsnummer.

Anne Will im Ersten

Anne Will, (ARD) - Sendung von Sonntag, 23. Januar, 21.45 Uhr. Nachzusehen in der ARD-Mediathek.

Und weil das alles noch nicht genug an Problemen war, kam noch die Frage der geringen Zahl an Tests auf: Während es die Nachbarn in Österreich auf 400 Tests pro 1000 Einwohner in der Woche bringen, schafft es Deutschland gerade mal auf 25. In Worten fünfundzwanzig.

Auch interessant

Kommentare