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Bei der Talkshow „Anne Will“ in der ARD wird über die Corona-Politik diskutiert
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Bei der Talkshow „Anne Will“ in der ARD wird über die Corona-Politik diskutiert.

TV-Kritik ARD

Anne Will (ARD): Corona-Kabinett im Kreuzfeuer – „Die Leute können einfach nicht mehr“ 

  • vonAstrid Theil
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Anne Will fragt in ihrer Talkshow (ARD): „Gibt es einen sicheren Weg aus dem Lockdown?“ Diskutiert wird über Öffnungsstrategien, Schnelltests und die Corona-Warn-App.

  • In der ARD-Talkshow „Anne Will“ wird die Politik des Corona-Kabinetts scharf kritisiert.
  • Um eine dritte Corona-Welle zu verhindern wird ein ausgeklügeltes Konzept für anstehenden Lockerungen gefordert.
  • Als zentral betrachten die Gäste bei Anne Will dabei Corona-Schnelltests und die Verfolgung von Infektionsketten.

Berlin – Am Mittwoch (03.03.2021) kommen Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten zum nächsten Corona-Gipfel zusammen und beraten über das weitere Vorgehen in der Pandemie. Viele hoffen auf Lockerungen, die in einigen Bundesländern bereits ab dem heutigen Tag (01.03.2021) gelten. Gleichzeitig steigen jedoch die Infektionszahlen und die gefährlichen Mutationen des Coronavirus breiten sich aus. 

Angesichts dieser Tatsache stellte Anne Will in ihrer ARD-Sendung am Sonntagabend (28.02.2021) die Frage, ob es einen sicheren Weg aus dem Lockdown gibt und falls ja, wie dieser aussehen könnte. Auf diese Frage sollte der Chef des Bundeskanzleramts und Mitglied des Corona-Kabinetts Helge Braun (CDU), der Wissenschaftsjournalist Ranga Yogeshwar, die ehemalige Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), die Vorsitzende des Europäischen Ethikrates Christiane Woopen und der Musiker und App-Entwickler Smudo antworten. 

ARD-Talkshow: Gäste bei Anne Will üben Kritik an Corona-Politik – neue Strategien bitter nötig 

In der Diskussion stellte sich schnell eine erwartbare Dynamik ein: Während Helge Braun als Mitglied des Corona-Kabinetts hauptsächlich damit beschäftigt war, die Corona-Politik zu erläutern und vor allem zu rechtfertigen, übten die anderen Diskussionspartner Kritik. Über ein paar Punkte waren sich jedoch alle Gäste einig. Zum einen betonten alle Anwesenden, dass die Bürger den Lockdown satthätten. Zum anderen stimmten alle darüber ein, dass Lockerungen von einem ausgeklügelten Konzept zur Eindämmung der Pandemie begleitet werden müssten, da sonst die dritte Welle mit absoluter Sicherheit vor der Tür stehe.  

Über die Frage, wie dieses ausgeklügelte Konzept genau aussehen soll, gingen die Meinungen bei Anne Will allerdings auseinander. Eine Erkenntnis teilten aber auch hier alle: Das ersehnte Konzept müsse auf jeden Fall über das hinausgehen, was es bisher gab. Sich von Konferenz zu Konferenz zu hangeln und unverändert auf bekannte Methoden wie Abstandsregelungen, Kontaktbeschränkungen und Lockdowns zurückzugreifen, könne man nicht länger machen. Hoffnung setzten alle Gäste auf die Schnelltests.  

Helge BraunPolitiker (CDU), Chef des Bundeskanzleramts
Ranga YogeshwarWissenschaftsjournalist und Autor
Sabine Leutheusser-SchnarrenbergerAntisemitismus-Beauftragte von NRW, Politikerin (FDP)
Christiane WoopenMedizinethikerin, Vorsitzende des Europäischen Ethikrates
SmudoTexter und Rapper

Anne Will (ARD): „Die Leute sind emotional erschöpft. Sie können einfach nicht mehr.“ 

Und genau hier setzte bereits die Kritik ein. Woopen machte darauf aufmerksam, dass die 800 Millionen gekauften Schnelltests nicht genug seien. Um diese als effizientes Mittel zur Eindämmung der Pandemie einsetzen zu können, bräuchte es mehr. Woopen sieht Schnelltests als notwendigen Bestandteil eines Strategiewechsels, welchen der Ethikrat dringend empfiehlt. Dieser sei bitter nötig, da man sich in einem „Teufelskreis“ befände.  

„Die Leute sind emotional erschöpft. Sie können einfach nicht mehr. Sie sind existenziell bedroht und bekommen keine Perspektiven aufgezeigt“, so Woopen. Die Devise müsse daher lauten, nicht mehr reaktiv, sondern proaktiv zu handeln. Öffnungen sollten zeit-, branchen- und ortsunabhängig erfolgen und sich nur am Vorhandensein von weitgehenden Schutzkonzepten orientieren. Essenziell sei eine Impfstrategie, eine Schnellteststrategie, eine Informations- und Kommunikationskampagne und eine digitale Technologie, die Infektionsketten effizient durchbrechen könne. 

Smudo und die „Luca“-App bei Anne Will (ARD): Sandsäcke gegen die drohende Flut 

Letzterer Punkt lag besonders Yogeshwar und Smudo am Herzen. Während Smudo bei Anne Will in der ARD vor allem die Gelegenheit nutze, über die von ihm mitentwickelte App „Luca“ zu sprechen und unterhaltsame Vergleiche anzubringen, kritisierte Yogeshwar die Corona-Warn-App massiv. „Luca“ ermöglicht die personifizierte Kontaktverfolgung, während diese bei der Corona-Warn-App nur anonymisiert funktioniert. Beide stellten die App als ein Instrument vor, durch welches Infektionsketten schneller und effizienter unterbrochen werden könnten. Die Zettelwirtschaft in der Gastronomie und dem Einzelhandel könne man sich dadurch sparen.  

Eine konsequentere Zusammenarbeit mit den Gesundheitsämtern sei in diesem Zusammenhang wichtig und notwendig. Ein wirklicher Erfolg ist die App allerdings nur, wenn die Nutzer bereit sind, im Ernstfall ihre Anonymität aufzugeben. Genau hieran zweifeln in der Debatte auch bei Anne Will viele. Smudo zeigte sich allerdings optimistisch und bediente sich wie oft an dem Abend einer Allegorie: „Ich gehe mal davon aus, dass jeder ein Interesse daran hat, einen Sandsack hinzuwerfen, damit uns die Flut nicht überrollt“. Das wäre in der Tat wünschenswert. 

Anne Will (ARD) genervt: Diskussion über Corona-Warn-App 

Braun bremste die Euphorie, indem er auf unterschiedliche Systeme der Gesundheitsämter hinwies und die damit einhergehenden Probleme. Darüber zeigte sich selbst Anne Will ein wenig genervt. Sie kommentierte, dass es nun darum gehe, Tempo zu geben und das er dies nicht gerade ausstrahle. Yogeshwar nutzte gleich die Gelegenheit, um seinen Frust über die Corona-Warn-App Luft zu machen. Er verstehe nicht, wie es sein könne, dass die teuerste Corona-App Europas noch nicht die Vorteile integriere, welche die „Luca“-App bereits hat. Die vom Steuerzahler getragene App sei teilweise so effizient wie die Zettelschreiberei in Restaurants im vergangenen Sommer.  

Die Antwort erhielt er in Form einer Gegenfrage: „Warum muss der Staat denn alles anbieten?“ Braun verteidigte die Corona-Warn-App in der ARD und verwies darauf, dass die Arbeit von Smudo und anderen App-Entwicklern erfreulich sei und vom Staat als wertvolle Ergänzung unterstützt werde. Ohne dass diese Diskussion wirklich zu Ende geführt wurde, ging es schließlich nochmal um die Schnelltests

Schmerzhafte Erkenntnis: Impfungen werden nicht alle Probleme lösen 

Wenn man den Tenor der Unterhaltung bei Anne Will zusammenfassen müsste, könnte man dies wohl folgendermaßen tun: Sollte unbedingt gemacht werden, wurde aber bisher ziemlich mangelhaft angegangen. Der Blick fiel in diesem Zusammenhang auf Österreichs umfangreiche Schnellteststrategie und die teils widersprüchlichen Aussagen zur deutschen Strategie durch Gesundheitsminister Jens Spahn und Bundeskanzlerin Angela Merkel. Braun versicherte, dass alle die Möglichkeit bekommen sollen, kostenlos Selbsttests zu machen.  

Diese verhältnismäßig wenig selbstbewusst hervorgebrachten Aussagen reichten besonders Woopen nicht aus. Sie machte auf das unangenehme Szenario aufmerksam, dass die Impfungen das Coronavirus nicht restlos werden bekämpfen können. Immerhin könne es zu Mutationen kommen, vor denen die Impfungen nicht mehr schützen. Die Schnelltests und eine verlässliche Technologie in Form einer App seien als Sicherheitsnetz daher unverzichtbar, weswegen massiv investiert werden müsste. Das sei nämlich alles viel günstiger als die Ausgleichszahlungen, die im Zuge eines Lockdowns gezahlt werden müssen. 

Die Sendung: Anne Will (ARD), von Sonntag, 28. Februar, 21.45 Uhr.

Die Sendung „Die große Ratlosigkeit - gibt es einen Weg aus dem Dauer-Lockdown?“, in der ARD-Mediathek.

Anne Will-Sendung: Corona-Pandemie als „Never-Ending-Story“ 

Eine zweite unangenehme Tatsache, die niemand hören will, aber dennoch sooft wie möglich gesagt werden muss, thematisierte Yogeshwar: „Corona wird eine Never-Ending-Story sein, denn dieses Virus wird bleiben.“ Die Impfung wird das Virus nicht aus der Welt schaffen. Daher bedürfe es weiterer Maßnahmen wie der Schnelltests. Diese würden den Bürgern auch praktischerweise das Gefühl zurückgeben, etwas selbst tun zu können. Dieser Aspekt sollte psychologisch in der Tat nicht unterschätzt werden. Anreize und Belohnungen seien in Zeiten der Ermüdung und Frustration von zentraler Bedeutung. 

Ein ideales Szenario führte schließlich Smudo bei Anne Will (ARD) aus, das sich vor allem auf eine ausgeklügelte Technologie und massenhaft eingesetzten Schnelltests stützt. Ein unausgereiftes und kurzsichtiges Vorgehen brauche niemand mehr: „Keine Ahnung ist schlecht für die Pandemie“. Ein angemessenes Schlusswort, das man wohl guten Gewissens stehen lassen kann. (Astrid Theil) 

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