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Bundeskanzlerin Angela Merkel begrüßt König Willem-Alexander und Königin Maxima zu einem Gespräch.
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Angela Merkel kennt sie alle, auch König Willem-Alexander und Königin Maxima.

TV-Kritik

Angela Merkel und wie sie die Welt sieht

  • Tilmann P. Gangloff
    VonTilmann P. Gangloff
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„Angela Merkel – ihr Weg, ihre Geheimnisse, ihre Zukunft“: RTL widmet der deutsch-deutschen Karriere der Kanzlerin zum bevorstehenden Abschied einen vierstündigen Themenabend.

Im Frühjahr hat die Ufa, ältestes und nach wie vor eins der größten deutschen Produktionsunternehmen, eine Tochterfirma gegründet, die sich ausschließlich auf den dokumentarischen Bereich konzentrieren soll. Das erste Ergebnis ist bereits fertig: „Angela Merkel – Frau Bundeskanzlerin“.

Die Reihe des früheren Spiegel-Chefredakteurs Stefan Aust und seiner Koautorin Katrin Klocke, Programmdirektorin bei Spiegel TV Wissen, ist ein Novum in der deutschen Fernsehgeschichte. In fünf Folgen à fünfzig Minuten wird das Leben von Angela Merkel detailliert dokumentiert: Geburt in Hamburg 1954, Kindheit und Jugend in der DDR, ihre Rolle beim Zusammenwachsen der beiden deutschen Staaten, ihr rasanter Aufstieg in der CDU; und schließlich das Ende der Ära Merkel.

Angela Merkel bei RTL: Ein vier Stunden langer Dokumentarfilm

Im Unterschied zu anderen Projekten dieser Art, in denen Zeitzeugen, Weggefährten und Historiker Ereignisse und Entscheidungen sezieren, analysieren und kommentieren, hat sich das Autorenduo ausschließlich auf Archivmaterial beschränkt. Der Kommentar stellt zwar Zusammenhänge und Verknüpfungen her, doch davon abgesehen ist die Reihe im Grunde ein in fünf Kapitel unterteilter gut vier Stunden langer Dokumentarfilm.

Die einzelnen Episoden konzentrieren sich auf die verschiedenen Lebensabschnitte („Ein Kind der DDR“, „Der Weg zur Macht“, „An der Spitze der Macht“). Das Ergebnis ist vor allem deshalb spannend, weil Aust und Klocke auch die deutsch-deutsche Historie der vergangenen knapp siebzig Jahre erzählen: vom Aufstand der Arbeiter und Bauern 1953 bis zur Abwicklung der DDR. Und natürlich auch die Geschichte des wiedervereinigten Landes, dessen Geschicke Merkel seit 1990 geprägt hat wie niemand sonst: erst als Ministerin, dann als Vorsitzende der CDU, schließlich 16 Jahre lang als Bundeskanzlerin.

Angela Dorothea Merkel
Geboren17. Juli 1954 Hamburg
Amt Bundeskanzlerin seit 2005
ParteiCDU
EhepartnerJoachim Sauer (verh. seit 1998), Ulrich Merkel (verh. 1977–1982)

RTL verabschiedet Angela Merkel in den politischen Ruhestand

Ausschnitte aus der Dokumentation prägen den vierstündigen Themenabend, mit dem RTL Merkel in den mutmaßlichen politischen Ruhestand verabschiedet. Durch die Sendung führen Peter Kloeppel und Inka Bause. Nazan Eckes führt Gespräche mit Menschen, die besondere Begegnungen mit der Kanzlerin hatten, darunter neben Barack Obama und dem früheren Präsidenten der EU-Kommission, Jean-Claude Juncker, auch Bergsteiger Reinhold Messner.

Möglicherweise ist es jedoch lohnenswerter, sich gleich ganz die ganze Reihe anzuschauen, die im kostenpflichtigen Bereich der RTL-Streamingplattform TVNow abgerufen werden kann. Der floskelhafte Auftakt („Von Kohls Mädchen zur mächtigsten Frau der Welt“) lässt zunächst eine eher oberflächliche Chronik erwarten, doch die Episoden entpuppen sich als außerordentlich komplex, zumal Klocke und der für seine Filme mehrfach ausgezeichnete Aust, zu dessen besten Arbeiten unter anderem das Buch „Der Baader-Meinhof-Komplex“ (1985) gehört, eine Vielzahl verblüffender Fundstücke zu Tage gefördert haben.

Peter Kloeppel beim Sommerinterview 2016 mit Angela Merkel.

Angela Merkel erweist sich erfreulich zugänglich

Gerade in den älteren Kleinodien, etwa einer Episode der ZDF-Reihe „Klassentreffen“ (1994), erweist sich Merkel als erfreulich zugänglich. Fast noch interessanter ist ein Mitschnitt, der während ihrer Zeit als Pressesprecherin der kurzlebigen DDR-Partei Demokratischer Aufbruch vor einem eigentlichen Interview entstanden ist. Dieser Teil ihrer Biografie ist nicht nur wegen der Wendestimmung interessant. Es ist zwar auch dank der Verdichtung ausgesprochen spannend, ihren Aufstieg innerhalb der CDU zu verfolgen, aber viele Bilder sind doch noch recht präsent. Für die Krisen der letzten zehn Jahre gilt das ohnehin.

Klocke und Aust, der mit der Ufa bereits bei der die Dokumentation „Hannelore Kohl – die erste Frau“ zusammengearbeitet hat, haben zum Start ihrer Reihe Anerkennung bekommen, aber auch Kritik einstecken müssen. Die galt ihrer Herkunft (beide sind Westdeutsche), bezog sich jedoch vor allem auf die vermeintlich einfallslose Orientierung an der Chronologie von Merkels Biografie.

Schwerer wog allerdings der Vorwurf, die Dokumentation dichte der Pastorentochter eine Nähe zum DDR-System an, die sie nicht gehabt habe. Das ziehe sich durch die gesamte Reihe bis hin zur Verleihung der Freiheitsmedaille in den USA 2011, die nicht ihr, sondern den ehemaligen DDR-Bürgerrechtler:innen zugestanden habe. Mit ihrem oft unangemessenen Tonfall und einer wenig Merkel-freundlichen Wortwahl („Kanzlerdarstellerin“), hieß es zum Beispiel im Deutschlandfunk, sei die Dokumentation willkommenes Futter für Rechtspopulisten.

„Angela Merkel – ihr Weg, ihre Geheimnisse, ihre Zukunft“

Donnerstag, 15.07.2021, RTL, ab 20.45 Uhr

Angela Merkel kommt als ziemlich kluge Frau und als ausgesprochen sympathischer Mensch rüber

Im „Tagesspiegel“ wurde festgestellt, es brauche „nicht allzu viel Fantasie, um anzunehmen, dass der Filmemacher Angela Merkel nicht für die allerbeste politische Spitzenbesetzung in Deutschlands jüngerer Geschichte hält.“ Das mag stimmen, aber Merkel kommt in der überaus facettenreichen Collage als ziemlich kluge Frau und als ausgesprochen sympathischer Mensch rüber.

Andererseits ist Kritik an Merkels oftmals zauderndem Stil ebenso angebracht wie die Feststellung, dass ihre Politik aller vermeintlichen Sozialdemokratisierung der CDU zum Trotz stets wirtschaftsfreundlich war. Gerade in dem Widerspruch, zu dem die Ausführungen von Aust und Klocke reizen, liegt zudem ein Reiz der Reihe. Als Dokument der deutsch-deutschen Geschichte ist sie ohnehin sehenswert. Außerdem zeigt sie, wie fesselnd Politik sein kann. (Tilmann P. Gangloff)

 

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