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Daniel Craig wirbt für den Bond-Film „Casino Royale“.
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Daniel Craig wirbt für den Bond-Film „Casino Royale“.

MGM & Amazon

Amazon kauft MGM: Bond in neuen Diensten

  • Daniel Kothenschulte
    vonDaniel Kothenschulte
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Der Verkauf von MGM an Amazon besiegelt das Ende von Hollywoods klassischer Filmwirtschaft.

Musste man sich je um James Bond sorgen? Wenn irgendetwas am Kino der letzten fünf Jahrzehnte Bestand hatte, dann wohl doch der unverwüstliche 007. Zuletzt aber schien es fast so. Immer wieder wurde der Kinostart von Daniel Craigs Abschiedsauftritt in der Titelrolle seit November 2019 verschoben. Auch ein Verkauf an einen Streaming-Dienst stand zwischenzeitlich zur Debatte, scheiterte allerdings am geforderten Preis. Am Mittwoch wurde nun bestätigt, was sich bereits in der vergangenen Woche angedeutet hatte: Neuer Dienstherr des Leinwandhelden ist der Internetgigant Amazon. Für die stattliche Summe von 8,45 Milliarden Dollar (6,91 Milliarden Euro) wurde das gesamte MGM-Studio erworben, mit allem was dazugehört.

Am Donnerstag beeilten sich die Produzenten der Filmserie, Barbara Broccoli und Michael G. Wilson, die Sorgen der Fans um den aktuellen Starttermin, den 8. Oktober, zu zerstreuen. Gegenüber dem Branchenblatt „Variety“ erklärten sie weiter: „Wir sind fest entschlossen, weiterhin James-Bond-Filme für ein weltweites Kinopublikum zu machen.“ Die Firma Eon Productions, die der Broccoli-Familie gehört, war schon für das Leinwanddebüt der Ian-Fleming-Figur „Dr. No“ von 1962 verantwortlich. Dennoch sind die Sorgen natürlich berechtigt. Werden Kinos künftig nur noch Schaufenster von Internet-Medienkonzernen sein?

Streaming-Kanal Amazon Prime wuchs zuletzt nur noch langsam und steht in enger Konkurrenz zu Netflix, Disney Plus sowie dem erst am 17. Mai bekannt gegebenen Zusammenschluss von Warner Media und Discovery, Inc.. Die Börse reagierte auf die erwartete Neuigkeit achselzuckend, die Aktie bewegte sich kaum. Auch darin steckt eine Botschaft: Es ist das Ende einer Ära, aber nur eine Fußnote in der Weltwirtschaft.

MGM war das letzte der großen Filmstudios, das noch nicht an einen Medien- oder Internetgiganten veräußert worden war. „No Time to Die“, der Titel des neuen „Bond“, liest sich da wie ein trotziges Stoßgebet der Filmwirtschaft. Natürlich war MGM schon lange nicht mehr das glanzvolle Domizil von „mehr Stars als am Himmel“, wie es Filmmogul Louis B. Mayer Ende der 30er Jahre behaupten konnte. Im Gegenteil, der Niedergang des Studios mit dem Löwen war von eigener Symbolkraft.

1970 hatte der Geschäftsmann Kirk Kerkorian das Studio gekauft. Noch im selben Jahr wurde der gesamte Inhalt von sieben Studiohallen, darunter mehr als 350 000 Kostüme und das Drehbucharchiv für 1,5 Millionen Dollar, an einen Auktionator verkauft – manche Requisiten wie etwa Judy Garlands rote Schuhe aus „The Wizard of Oz“ wären heute allein das Geld wert, vom historischen Verlust ganz abgesehen. Die Rechte an den Klassikern hat MGM schon lange nicht mehr.

1986 kaufte der Unternehmer Ted Turner MGM/United Artists. Er sah den Wert der Filmbibliothek, verwertete sie in seinen Fernsehkanälen und verkaufte den Rest des Unternehmens bald wieder an Kerkorian. Die folgende Achterbahnfahrt des Konzerns wäre Stoff für eine Amazon-Serie. 2006 etwa stieg Filmstar Tom Cruise in die Leitungsebene auf, 2009 meldete MGM Konkurs an, nachdem man 3,7 Milliarden Schulden angehäuft hatte. Ende 2010 gelang die Sanierung und in der Folge ein Verleihdeal mit dem Konkurrenten Sony Pictures.

Der Löwe wird weiter brüllen

Heute umfasst der Katalog von MGM 4000 Kino- und 17 000 Fernsehproduktionen, hauptsächlich Arbeiten, die nach 1986 entstanden. Nicht weniger interessant für Amazon sind die Möglichkeiten, weltbekannte Stoffe wie den „rosaroten Panther“ oder „Rocky“ für Franchises zu nutzen. Allen voran natürlich James Bond, dessen Einkünfte man sich mit der Broccoli-Familie teilt.

Zu den bekanntesten Titeln, die man demnächst auf Amazon Prime finden wird, zählen neben Kinofilmen wie „Basic Instinct“ und „Das Schweigen der Lämmer“ Serienhits wie „Fargo“ und „The Handmaid’s Tale“. Der berühmte Vorspann-Löwe wird also weiterhin brüllen – wenn auch für Multimilliardär Jeff Bezos und den umstrittenen Weltkonzern.

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