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Garyle Lamont Jenkins kämpft in der Tradition der Black-Power-Bewegung.

„Rassenkrieg in den USA? Die Ziele der Alt-Right“ (Arte)

Arte-Doku über Alt-Right in den USA: Frustrierte weiße Männer

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Die Arte-Doku „Rassenkrieg in den USA? Die Ziele der Alt-Right“ beschreibt einige Akteure der aktuellen politischen Ereignisse in den USA.

„Amerika muss zerfallen, damit diese neue Ideologie zum Vorschein kommen kann. Und das passiert gerade.“ Ein schöner Satz, um dem Leser in einen Anfangs-Schrecken zu versetzen, oder?

Es ist einer dieser markigen Sätze, die man zu hören bekommt, wenn man Vertreter der US-amerikanischen Alt Right lange genug reden lässt. Ein solcher Satz könnte auch von Steve Bannon stammten, der lange Zeit einer der wichtigsten Berater des aktuellen Präsidenten jenes Landes war und im Moment als selbsternannter rechtsradikaler Heilsbringer auch durch Europa tourt. Und àpropos Heilsbringer: „Sieg Heil“ heißt im American English „Hail Victory“.

Alt Right ist eine Gruppierung von rassistischen Sakkoträgern, die sich das Image geben, eine gesetzestreu lächelnde und seriöse Version des alten Ku Klux Klans zu sein. Klan und Alt Right bestehen zum überwiegenden Teil aus frustrierten jungen weißen Männern, und es sind am ehesten frustrierte junge Männer, die das Potenzial haben, die Welt zu verändern. Findet zum Beispiel der lächelnde Rassist Richard B. Spencer.

„Rassenkrieg in den USA? Die Ziele der Alt-Right“ (Arte): Gleichberechtigung als Mythos

Alt Right, das sind Leute, die der Meinung sind, dass die Sklaverei gut für die Afrikaner war, weil sie sonst gar nicht nach Amerika gekommen wären. Sie halten Gleichberechtigung der Rassen für einen gefährlichen Mythos und würden die USA gern aufteilen in eine Region für Schwarze und andere Hautfarben und den Rest den Weißen reservieren.

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Sie lieben Fackelzüge und rhythmisch brüllbare Parolen, sie lieben Aufmärsche, und sie fühlen sich in den letzten Jahren von der Zeitgeschichte stark begünstigt. Die Ereignisse in Charlottesville, Virginia, zum Beispiel machen sie irgendwie stolz, obwohl es vielleicht nicht gerade günstig war, dass einer der Ihren mit dem Auto in eine Gruppe antifaschistisch gesinnter Demonstranten hineinfuhr, viele verletzte und eine Frau umbrachte.

Solche Dinge erwecken immer den Eindruck, dass die Rassisten gewalttätig und nicht gesetzestreu seien, das ist ihnen ein wenig unangenehm. Andererseits freuen sie sich auch über den Schneid, wenn jemand nicht zurückweicht, sondern zum Angriff übergeht wie einst General Lee.

Richard B. Spencer ist der Erfinder des Labels „Alt-Right“ 

Adam Bhala Loughs Dokumentation „Rassenkrieg in den USA? Die Ziele der Alt-Right“ gibt sich sehr formstreng. Abwechselnd werden Vertreter der rassistischen Rechten und der Menschenrechtsaktivisten befragt, aber die Fragen kommentieren nichts, sondern wollen Fakten und Einstellungen sammeln.

Auf der einen Seite ist da der schwarze Bürgerrechtler Daryle Lamond Jenkins, auf der anderen Richard B. Spencer, der das Label Alt Right erfunden hat, und Jared Taylor, der die rechtsradikale Zeitschrift „American Renaissance“ herausgibt. Beide Seiten reden nicht miteinander, nur übereinander.

Jenkins sagt deutlich, dass es auf der Linken keine Organisation gebe, die es im Hinblick auf Schlagkraft und Zielorientierung mit der US-amerikanischen Rechten aufnehmen könne. Er hält das Herstellen von Öffentlichkeit für seine wirksamste Waffe. Auf der anderen Seite hört man, dass in den USA gerade „etwas Großes“ geschehe, und dass Donald Trumps Präsidentschaft erlebt wird wie ein tektonisches Ereignis, das aus der Reibung unterirdischer sozialer Kontinentalplatten entstand. Und wenn man Trump genauer zuhört, etwa bei seinen öffentlichen Stellungnahmen zu den Ereignissen von Charlottesville, ist man geneigt, sich dieser Auffassung anzuschließen: Da passiert gerade etwas, was zum Zerfall Amerikas beitragen könnte.

Zur Sendung

„Rassenkrieg in den USA? Die Ziele der Alt-Right“, Arte, 16.April, 22 Uhr. 

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