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Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) suchen die vermisste Frieda und stürmen ihre Wohnung.
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Klaus Borowski (Axel Milberg) und Sarah Brandt (Sibel Kekilli) suchen die vermisste Frieda und stürmen ihre Wohnung.

Tatort "Borowski und der stille Gast"

Der Alptraum des Kommissars

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Axel Milberg alias Klaus Borowski bekommt es erneut mit Lars Eidinger zu tun in einer gruseligen „Stiller Gast“-Fortsetzung. Drei Jahre ist „Borowski und der stille Gast“ zwar schon her, in der Tatort-Fülle nützt aber vielleicht das Stichwort Briefträger.

Halloween ist schon eine Weile vorbei, aber der neue Borowski-Tatort versucht sich – mit einigem Erfolg – an einem Gruselstück für die dunkle Jahreszeit. Kein Verdächtiger-wechsel-dich-Spielchen, noch nicht einmal im Ansatz ein Whodunnit, sondern nach der Variante: Wir zeigen euch den Mörder in der ersten Minute, nun fürchtet euch mal schön.

Das tut man, schleunigst. Denn der von Lars Eidinger gespielte Frauenmörder ist durchaus in angstbesetzter Erinnerung: Drei Jahre ist „Borowski und der stille Gast“ zwar schon her, in der Tatort-Fülle nützt aber vielleicht das Stichwort Briefträger. Eidinger war damals ein stiller junger Mann, ein Briefträger, ohne eigenes Leben. Er schlich sich in fremde Wohnungen, er baute diese zum Teil naturgetreu bei sich nach. Eine schreckliche, eine schrecklich intensive Geschichte, die nun also in „Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes“ ihre Fortsetzung erfährt. Wieder schleicht der Mann mit dem spitzigen Namen Kai Korthals überall herum, kann angeblich sogar „durch Wände gehen“. Aber seine Rückkehr wäre nicht so spannend, wenn er sich nicht doch auch verändert hätte. 

Er hat nämlich, nachdem er Borowski entkommen konnte, versucht, eine Familie zu gründen. Zwar steckt er die junge, psychisch kranke Frau in eine Tiefkühltruhe und bringt sie an den Strand, aber er bohrt vorher Luftlöcher in die Truhe, immerhin. Er versucht auch, ein Baby zu füttern, meine Güte. Regisseurin Claudia Garde legt zunächst viele falsche optische Fährten, man mag diese nicht wirklich verraten.

Des Psychopathen Gegenspieler denkt indessen ebenfalls an eine Familiengründung, wie am ersten Tag turtelt er mit seiner Psychologin, Maren Eggert als Frieda Jung. Man plant die Hochzeit, man sucht schon eine große gemeinsame Wohnung („Ihr kleines Sanssouci“, flötet die Maklerin). Mit liebevoller Nachsicht nennt Frieda ihren sonst, quasi von Berufs wegen, immer noch mürrischen Kommissar einen „Schmuckeremiten“. Sensationelles Wort.

Aber schon am Anfang träumt Klaus Borowski schlecht, ein untrügliches Zeichen, dass die Dinge eine schlimme Wendung nehmen werden. Und dann zeichnet die verstörte junge Frau aus der Tiefkühltruhe auch noch ein Gesicht, das ihm und Sarah Brandt, Sibel Kekilli, leider bekannt vorkommt: „Man möchte es nicht aussprechen“, sagt da Borowski, „ahnt aber doch Böses dabei.“ Das tut allemal auch die Zuschauerin.

Sascha Arango, Drehbuch, greift auf eine altbewährte Handlungsschleife zurück, knüpft sie aber doch eleganter, als das meistens der Fall ist: Der Kommissar tritt dem eigentlich mit anderen Dingen als Rache beschäftigten Mörder auf die Füße – also: im übertragenen Sinn –, der schnappt sich eine dem Kommissar nahestehende Person. Großartig nervenaufreibend die Szene, in der Psychopath Korthals als ganz normaler Patient zu Frieda Jung kommt und die beiden erstmal ein ganz normales Therapie-Gespräch führen. Jung ist herrlich professionell. Das wird ihr, man weiß es, nichts nützen.

Es kommt zum komplexen Showdown, Borowski will seine Frieda zurück, Korthals will seine Tochter zurück. Man versucht, sich auszutricksen, Borowski versucht außerdem, seine Kollegen zu täuschen, Sarah Brandt aber ist auch nicht auf den Kopf gefallen. Gerade denkt man noch, der Kommissar muss mit dem Klammerbeutel gepudert sein, wenig später versteht man seinen Schachzug.

Wo vor einer Woche der Lindholm-Tatort dem starken Anfang keine starke Mitte und kein starkes Ende folgen ließ, bebildert Claudia Garde selbst Thriller-Klischees (der Mörder im Fahrstuhlschacht, na ja) furios. Und hat einen ordentlich angsteinflößenden Psychopathendarsteller. Ob er nochmal zurückkehren darf? 

Tatort: Borowski und die Rückkehr des stillen Gastes, ARD, So., 20.15 Uhr.  

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