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Allzu leichte Beute

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Penélope Cruz in verführerischer Rolle.
Penélope Cruz in verführerischer Rolle. © Verleih

Die Verfilmung von Philip Roths Roman "Das sterbende Tier" ist geschmäcklerisch. Vor allem aber ist das Tier schon längst verendet. Da hilft auch die nackte Penélope Cruz nicht. Von Michael Kohler

Von xxmk

Philip Roths Roman, auf dem dieser Film beruht, heißt ins Deutsche übersetzt "Das sterbende Tier" und handelt von einem alternden Literatur-Professor, der weder an die Ehe noch an die Treue glaubt, nach einer Scheidung und zahllosen Affären aber immerhin die Möglichkeit der Liebe in Betracht zieht. Die Ursache dieser sanften Bekehrung ist eine seiner Studentinnen, eine eingewanderte Kubanerin, die einerseits genau in das Beuteschema eines seine Kräfte schwinden fühlenden Schwerenöters passt, die aber zugleich so wunderbar schön ist, dass es den kultivierten Genießer bei ihrem bloßen Anblick schmerzt.

Man kann also sagen, dass zwei Seelen im traurigen Helden wohnen: Die eine will aus dem Gefängnis der eigenen Überzeugungen ausbrechen und endlich glücklich werden, die andere sieht hinter lauter Gitterstäben keine Welt. Im Philip Roths Roman ist der Held tragisch und er ist lächerlich, aber er lässt einen nicht kalt.

Die Verfilmung kommt nun unter dem Titel "Elegy - oder die Kunst zu lieben" in unsere Kinos, und leider ist der neue Film Isabel Coixets genau so geschmäcklerisch, wie es sein deutscher Titelzusatz vermuten lässt. Dabei ist die dekorative Trauerfeier-Beleuchtung noch nicht einmal das Schlimmste. Auch dass eine ganze Garde großartiger Nebendarsteller (Peter Sarsgaard als verstoßener Sohn, Patricia Clarkson als Gelegenheits-Geliebte, Dennis Hopper als Bruder im Geiste) in ebenso schönen wie nichtssagenden Einstellungen verheizt wird, ließe sich vielleicht ebenso verschmerzen wie die Tatsache, dass sich eine auf blutjung drapierte Penelope Crúz immer wieder malerisch in den Laken räkelt oder an die Brust Ben Kingsleys schmiegt.

Wirklich unverzeihlich ist aber, dass die Leidenschaft reine Behauptung bleibt und das Tier im Grunde schon längst verendet ist, als es sein Sterben spürt. Die prätentiösen Reflexionen der Hauptfigur geben dem wehmütig-spöttischen Abgesang auf die männliche Potenz dann endgültig den Rest.

Elegy - oder die Kunst zu lieben, Regie: Isabel Coixet, USA 2008, 108 Minuten.

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