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Jan Böhmermann (r,) zusammen mit dem Rapper Eko Fresh.

"Neo Magazin Royale", ZDFneo

Alles Geleebanane

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Jan Böhmermann zeigt in seiner Sendung, wie grotesk die einstige Samstagabendshow „Wetten, dass..?“ in Wirklichkeit gewesen ist.

Wir müssen uns Jan Böhmermann als einen gehetzten Menschen vorstellen. Er hat sich in die erste Riege der bundesdeutschen Fernseh-Unterhalter gespielt, und jetzt muss er seinem Ruf als „komischer Vogel“ (Selbstbeschreibung) gerecht werden. Woche für Woche. Er kann aber ja nicht jedes Mal die Machenschaften von adidas entlarven oder einen Stinkefinger fälschen – geschweige denn einen größenwahnsinnigen Türken beleidigen. Für jede Sendung einen Gast einladen, der irgendwie gerade im Fokus steht, die aktuellen Nachrichten auf Satirefähigkeit für den Eingangswitz abklopfen und dann noch einen neuen Pullover für William Cohn aussuchen – der Mann ist nicht zu beneiden.

Kein Wunder, dass er es mal etwas ruhiger angehen lassen will. So kam ihm die Idee, es mit einer großen Show zu versuchen, ein Format, das die Länge seines „Neo Magazin Royale“ übertrifft, und die Show über mehr als eine Sendung zu verteilen. Und weil Jan Böhmermann es gerne groß hat, musste es schon das Schlachtschiff des ZDF sein, seit zwei Jahren außer Dienst und somit keine Konkurrenz mehr.

Die publikumswirksame Begründung lieferte Böhmermann auch gleich mit – wie er ja fast täglich auf Facebook Reklame für seine Unternehmungen postet. Er habe „zwei Jahre beim ZDF gebaggert“ um eine Ausgabe von „Wetten, dass..?“ machen zu können. Und weil der Sender  jüngst versehentlich eine alte Folge von „Neo Magazin Royale“ ausstrahlte, habe er, quasi als Entschädigung, die Zusage erhalten. Ein ZDF-Sprecher wies als Spielverderber allerdings darauf hin, dass Böhmermann ein Satiriker sei ...

Das haben dann auch spätestens all die Fans von „Wetten, dass..?“ gemerkt, die sich die Show am Donnerstagabend im Netz angeguckt haben. Es war von der stotternden Eurovisions-Hymne bis zur Außenwette ohne Publikum eine einzige Verarschung der einst erfolgreichsten bundesdeutschen Samstagabendunterhaltung. Als „Karneval der guten Laune“ angekündigt, erwies sich Böhmermanns Version von „Wetten, dass..?“ als Groteske, die das Format zur Kenntlichkeit entstellte.

Klarer hätte der alerte Moderator nicht zeigen können, für wie altbacken und absurd er diese Art von Familienfernsehen  hält. Es gab ein fast identisches Bühnenbild mit halbrundem weißen Sofa,  Geschenke und Geleebananen statt Schleichwerbung mit Gummibärchen. Der Umgang mit den Gästen persiflierte die Hetze von Gottschalk & Co., die Wetten erfüllten alle Kriterien für einen schlechten Witz. Bei der Saalwette („von Daria aus Hilden“) sollte der Gastgeber, diesmal im lila Sakko, fünf Ehepaare aus dem Saarland herbeischaffen, die verheiratet, aber keine Geschwister“ seien.

Das war noch ein milder Scherz im Vergleich zum Versuch von Baggerfahrer Bruno („aus Geilenkirchen“) seine Gattin mittels Baggerschaufel zum Orgasmus zu bringen. Gast Eko Fresh wettete, dass der Mann das schaffe: „Der sah mir aus wie ein richtiger Ficker“. Doch er verlor die Wette überraschend, und vermutlich nicht nur, weil Bruno nicht seinem Ehegespons, sondern einem Kleinwagen nahe kam. Der die Begegnung nicht unbeschädigt überstand. Der Schweizer Musiker DJ Bobo bot als musikalische Einlage die Parodie eines „HipHop-Medley“ samt brennender Mülltonne (als Referenz an einen Gottschalk-Spruch),

Bei seinem hier schon erkennbaren Bemühen, sich am konventionellen TV-Programm nicht bloß abzuarbeiten, sondern so etwas wie Rache für Stunden erlittener Samstagsabendqual zu nehmen, scheute Böhmermann auch nicht vor einer Kinderwette zurück. Dabei konnte eine angeblich Zwölfjährige mittels Platzierung ihrer Füße auf den Gesichtern  angeblicher Politiker deren Namen und Funktion erkennen. Bernd Fritz mit seiner Buntstiftwette ließ grüßen.

Gast Jens Spahn, nie ohne den Zusatz „von der CDU“ angesprochen, machte tapfer teilnahmsvolle Miene zum abstrusen Spiel, und Quotenfrau Eva Padberg durfte anderthalb Sätze zu einer geplanten Reise in den Nordirak erzählen – ausnahmsweise real und keine Kritik an Charity-Projekten von Prominenten. Seinen Gästen erklärte der Moderator am abrupten Ende kurz und bündig: „Ihr bleibt bis zur nächsten Woche da.“ So viel zum Thema überzogene Sendezeit ...

So reiht sich diese Ausgabe des  „Neo Magazin Royale“ in Böhmermanns medienkritische Arbeiten ein.  Im Sende-Logo am Ende steht auf dem Spruchband unter dem Triceratops „Alles andere ist Fernsehen“. Und hier bot Böhmermann mal das „andere“. Was haben wir gelacht.

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