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Nathan Weiß (Tobias Moretti, r.) und Anton Galba (Wolfgang Böck, l.) haben was vor.

TV-Kritik

„Alles Fleisch ist Gras“ im ZDF: Ein schön böser TV-Krimi mit Tobias Moretti

  • Sylvia Staude
    vonSylvia Staude
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„Alles Fleisch ist Gras“ kombiniert Lakonik mit Bildern, die aufs Detail achten.

  • Das ZDF zeigt einen wunderbaren TV-Krimi mit Tobias Moretti
  • Polizist Nathan weiß alias Tobias Moretti legt die Regeln des Zusammenlebens ein bisschen auf seine Weise aus
  • TV-Krimi hält Balance zwischen robustem Humor und feiner Ironie

„Landkrimi“ nennt das ZDF die jetzt erstmals hierzulande ausgestrahlte ORF-Verfilmung von Christian Mährs Roman „Alles Fleisch ist Gras“. Aber wer da an Saugemütliches, zwischen Bergspitzen Witzelndes wie die Kluftinger-Reihe oder Jörg Maurers Kommissar-Jennerwein-Fälle denkt, wird entweder herb enttäuscht – oder womöglich ja entzückt sein. Für die Rezensentin gilt Letzteres.

„Alles Fleisch ist Gras“ im ZDF: Tobias Moretti nimmt die Gerechtigkeit selbst in die Hand

Da ist, erstens, Tobias Moretti als Polizist Nathan Weiß, der wenig (wenig?, eher null) Skrupel hat, die Gerechtigkeit selbst in die Hand zu nehmen bzw. in den Häcksler zu schmeißen. Sagt: „Ich lieb die Menschen, jedenfalls die meisten“ – wer nicht zu den „meisten“ gehört, muss für eine aus des Polizisten Sicht bessere Welt weichen. Schnell ergreift er auch die Gelegenheit am Schopfe, seinen alten Bekannten Anton Galba, Wolfgang Böck, zu tatkräftiger Mittäterschaft zu erpressen. Dabei ist Morettis Weiß kein Unsympath, er legt die Regeln des Zusammenlebens nur ein bisschen auf seine Weise aus.

Galba, Leiter der Abwasserreinigungsanlage in Dornbirn und auch kein schlechter Mensch, wird mit seiner Liebschaft im Wald fotografiert. So kommt es zum ersten Toten, dem Erpresser. Weiß verdächtigt sofort Galba und erpresst ihn nun selbst frei von der Leber weg: Da gibt es doch diesen bösen Menschen und gibt es die große Zerkleinerungsmaschine. Aber sie brechen doch das Gesetz, findet Toni. „Nur um es zu schützen“, sagt Nathan. So kann es also dann fröhlich weitergehen.

Bei „Alles Fleisch ist Gras“ (ZDF) halten alle den Ball schön flach

Zur Sendung

„Alles Fleisch ist Gras“, Mittwoch, 29.07.2020, ZDF, 20.15 Uhr.

Das heißt, nicht wirklich fröhlich. Denn neben den Darstellern – auch Harald Schrott als TV-Moderator, Petra Morzé als Hilde Galba pflegen das Understatement –, halten Regisseur Reinhold Bilgeri und Agnes Pluch, Drehbuch, den Ball hübsch flach. Ja, das Fleisch in der Zerkleinerungsmaschine ist ein paar Mal verflixt blutig, aber dann wiederum sieht man nicht viel vom Tod, nur einen Weihnachtsmann, der im zarten Flockenwirbel durch eine nächtliche Straße huscht, anschließend eine Explosion; nur eine verängstigte Frau mit blauem Auge. Sogar der Journalist kommt ziemlich gut weg, darf seinem Beruf seriös nachgehen.

Allerdings: Die Politik und das Baugewerbe sind ein Sumpf. Eine Hand wäscht die andere in Dornbirn und Umgebung (in der dortigen Abwasserreinigungsanlage, offenbar hochmodern, offenbar umwelt-ambitioniert, wurde gedreht).

Bodenständige Mörder „Alles Fleisch ist Gras“ (ZDF)

„Alles Fleisch ist Gras“ kombiniert Lakonik mit Bildern, die aufs Detail achten – ein Galgen-Tattoo auf der schlanken Fessel etwa. Und fügt Figuren hinzu, die trotz ihres, nun ja, beherzten, gewissermaßen bodenständigen Leute-beiseite-Schaffens doch irgendwie auch nett sind. Das hält die Balance zwischen robustem Humor und feiner Ironie, zwischen Krimikomödie und unaufgeregter Ehegeschichte. Denn das wird wie nebenbei erzählt, wie Toni Galba seine Frau zwar betrügt, aber doch auch liebt, wie Hilde Galba ihm zürnt, aber dann wiederum ... ein offenbar köstliches Fleischgericht für ihn kocht. Und nein, man muss dabei keine Hintergedanken haben. (Sylvia Staude)

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