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Er war ein Grenzgänger zwischen den Zeiten: Alan Rickman.

Alan Rickman ist tot

Alan Rickman - der Schurke als Dandy

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Nicht nur Harry Potter konnte von ihm lernen: Zum Tod des britischen Film- und Bühnenstars Alan Rickman, der sich Rollen derart zu eigen machen konnte, dass sie untrennbar mit dem eigenen Image verschmolzen.

"Talent ist ein Zufall in den Genen – und eine Verpflichtung", sagte Alan Rickman einmal. Da würde ihm ein Severus Snape kaum widersprechen: In der Rolle des Lehrers für Zaubertränke und späteren Dozenten für „Verteidigung gegen die Dunklen Künste“ war er in den Harry-Potter-Verfilmungen für tägliche Talentförderung zuständig. Eine Rolle, die er außerordentlich respekteinflößend auszufüllen wusste, vorsichtig formuliert. Er galt als Wunschbesetzung der Autorin Joanne K. Rowling und war im britischen Theater und Kino lange eine Institution, bevor er seinen Wirkungsort in den Gewölben der Hogwarts-Schule beziehen sollte.

Das britische Kino hat eine ganze Reihe von Charakterdarstellern hervorgebracht, deren Kultiviertheit gerade auch ihren Schurkenrollen etwas Unwiderstehliches einflößte. Nach Christopher Lee hat es nun auch Alan Rickman verloren, den sein dandyhafter Charme zu einem idealen Grenzgänger zwischen den Zeiten machte. Auch weißhaarig wirkte er noch jungenhaft verschmitzt und stets jünger, als er war.

Doch noch besser standen ihm Perücken: Zuletzt als hemmungslos-genialischer Zeremonienmeister Ludwig XIV. in seiner zweiten eigenen Regiearbeit „Die Gärtnerin von Versailles“. Rickman verstand den absolutistischen Herrscher als eine Art frühen Filmregisseur – und versah ihn in seiner Darstellung mit entsprechender Sympathie. Rickman selbst hatte hinter der Kamera sehr erfolgreich 1997 debütiert mit dem schottischen Drama „The Winter Guest“, das im Wettbewerb von Venedig lief und Hauptdarstellerin Emma Thompson zu besonderer Größe auflaufen ließ.

Auch wenn Rickman nur zwei sehr respektable Filme selbst inszenierte, galt er in Großbritannien lange als versierter Regisseur – auf dem Theater. 2005 inszeniere er das preisgekrönte Stück „My Name is Rachel Corrie“, das er gemeinsam mit der Journalistin Katharine Viner aus E-Mails jener amerikanischen Studentin zusammengestellt hatte, die bei Protesten gegen die israelische Armee im Gazastreifen von einem Bulldozer überrollt und getötet worden war. Rickman war Mitglied der Labour Party, verstand sich als politisch aktiv und war in zahlreichen Wohltätigkeitsaktivitäten engagiert.

Einem internationalen Publikum wurde Rickman 1988 als Bruce Willis’ deutscher Terrorist Hans Gruber in „Stirb Langsam“ bekannt, eine nicht weniger eindrucksvolle Schurkenrolle folgte 1991 als Sheriff von Nottingham in „Robin Hood – König der Diebe.“ In der Zwischenzeit aber hatte er noch das Glück, sich in einer phantastischen Komödie von seiner romantischen Seite zeigen zu können: In Anthony Minghellas „Wie verrückt und aus tiefstem Herzen“ kehrt er als Geist zurück ins Heim seiner geliebten Freundin – bringt jedoch ein paar schrullige Eigenheiten aus dem Jenseits mit. Zeitweilig mit einem maskulinen Schnauzbart ausgestattet, galt er in den 90ern als ausgesprochen attraktiv – 1995 führte ihn das „Empire Magazin“ unter den „Sexiest Stars“ der Filmgeschichte auf Nummer 34.

Die großen Filmpreise gingen hingegen an Alan Rickman vorbei – lediglich einmal errang er einen Golden Globe für eine weitere Schurkenrolle in der Fernsehverfilmung des Lebens Rasputins. Auf die entsprechenden ratlosen Fragen bei Pressekonferenzen antwortete er gelassen und ein wenig trotzig, dass Oscars eben für Rollen vergeben würden, nicht für Schauspieler. Nun, Alan Rickman gehörte wiederum zu den wenigen Schauspielern, die sich ihre Rollen derart zu eigen machen können, dass sie untrennbar mit dem eigenen Image verschmelzen.

Er war ein Vollblutschauspieler, der sicherlich ebenso viele Rollen aus bloßer Freude an der Arbeit annahm wie aus künstlerischem Ehrgeiz. Seine zehn Jahre mit „Harry Potter“ empfand er als ausgesprochen angenehme, familiäre Erfahrung. Erst im vergangenen Mai erklärte er seine Befriedigung auch an wenig anspruchsvollen Rollen dem Publikum des Sat1-Frühstücksfernsehens: „Es gibt dreidimensionale Rollen und es gibt zweidimensionale. Und in letzteren bringe ich eben die dritte Dimension hinein“

69-jährig ist Alan Rickman am Donnerstag in seiner Heimatstadt London an Krebs gestorben.

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