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Brigitte Walbrun (Brigitte Walbrun) mit Sonderermittler Dr. Dr. Georg Spiess (Stefan Murr).

„Akte Lansing“, BR

Brett vorm Kopf

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Der Bayrische Rundfunk nimmt mit einer sechsteiligen Satire seine Kult-Serie „Dahoam is Dahoam“ auf die Schippe.

Wenn Ulrich Wilhelm, der Intendant des Bayrischen Rundfunks, mal schlecht träumt, dann vermutlich von der KEF. Das ist die Kommission zur Ermittlung des Finanzbedarfs des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks, Sie errechnet alle vier Jahre, dass ARD, ZDF und Deutschlandfunk nicht so viel Geld bekommen sollten, wie sie wollen, vulgo: sparen müssten. Damit ist die KEF der natürliche Feind der Anstalten, die doch ihre acht Milliarden nach bestem Wissen und Gewissen (und für ein paar Fußballübertragungen) ausgeben.

Vielleicht fand es Ulrich Wilhelm deshalb eine ganz nette Idee, als ihm die Redakteure von BR-„PULS“ vorschlugen, mal so einen Sparkommissar auf die Schippe zu nehmen – nicht zu bösartig natürlich und möglichst ohne allzu direkte Anspielungen auf die Kommission. Und deshalb gibt es jetzt die kleine satirische Serie „Akte Lansing“.

In Lansing spielt die Heimatserie „Dahoam is Dahoam“

Lansing, das ist der Ort, an dem die Heimatserie „Dahoam is Dahoam“ spielt, eine Art bayrische Lindenstraße, mit viel weißblauem Flair und einigen Maß Bier, ist das Zentrum der Geschichten doch das Gasthaus zum „Brunnerwirt“. Für Norddeutsche als Information: Die Serie läuft seit 2007, wird viermal wöchentlich ausgestrahlt und erreicht am 4. April die 2300. Ausgabe, weswegen der Sender sie als „Kult“ anpreist.

Ausgerechnet auf dieses Vorzeige-Produkt hat nun ein finsterer Programmdirektor (Christoph Süß, der Moderator von „Quer“) sein Auge geworfen. Er beauftragt seinen eifrigsten Subalternen, Dr. Dr. Georg Spiess, die Finanzen der Serien-Produktion zu untersuchen. Der Sonderermittler (Stefan Murr), ein Karriererist, Harvard-Absolvent, ledig, mit vier Adressen seiner Mama auf dem Handy, stößt mit seinem stocksteifen und arroganten Gebaren und vor allem den Zweck seiner Anwesenheit beim Team von „DiD“ auf verschärfte Ablehnung, besonders beim Produzenten Frank Kowalski (Stefan Lehnen), einem Mario-Adorf-Verschnitt, der nun auf Geheiß von Spiess seine umfangreichen Spesenrechnungen belegen muss.

Das Muster, nach dem Autor und Regisseur Georg Büttel die Geschichte entwickelt, ist altbekannt: Ein Fremder bricht in ein Biotop ein, das sich erst wehrt und dann verändert, weil einige sich dem Eindringling annähern. So muss Spiess erst mal das Brett vorm Kopf spüren, bevor Produktionsassistentin Cilli seine Unnahbarkeit etwas aufzulockern vermag ... 

Szenen aus „Akte Lansing“

BR-Sonderermittler Dr. Dr. Georg Spiess (Stefan Murr) und Cilli (Ina Meling).
BR-Sonderermittler Dr. Dr. Georg Spiess (Stefan Murr) und Cilli (Ina Meling). © BR
Von links: Dachsbach (Maximilian Pfnür), Lucas Bauer (Lucas Bauer), Ferdinand Schmidt-Modrow (Ferdinand Schmidt-Modrow) und Heidrun Gärtner (Heidrun Gärtner).
Von links: Dachsbach (Maximilian Pfnür), Lucas Bauer (Lucas Bauer), Ferdinand Schmidt-Modrow (Ferdinand Schmidt-Modrow) und Heidrun Gärtner (Heidrun Gärtner). © BR/Lisa Hinder/Constantin Television
Mama Spiess (Monika Manz) und Tommy Schwimmer (Tommy Schwimmer).
Mama Spiess (Monika Manz) und Tommy Schwimmer (Tommy Schwimmer). © BR/Constantin Television GmbH
Christoph Süß (Christoph Süss, links) und Sonderermittler (Stefan Murr).
Christoph Süß (Christoph Süss, links) und Sonderermittler (Stefan Murr). © BR/Constantin Television GmbH
Von links: Tommy Schwimmer (Tommy Schwimmer), der Kommissar (Sebastian Bezzel) und Frank Kowalski (Stefan Lehnen).
Von links: Tommy Schwimmer (Tommy Schwimmer), der Kommissar (Sebastian Bezzel) und Frank Kowalski (Stefan Lehnen). © BR/Constantin Entertainment GmbH

Und je weiter er in die Geschehnisse um den Dreh von „DiD“ dringt, desto verworrener wird es, weshalb er schließlich, ohne Ergebnisse vorgelegt zu haben, vom Programmdirektor seiner Aufgabe entbunden wird. Denn der hat für diese Sendung „für das Prekariat“ ohnehin nichts übrig. Spiess aber haben der Ehrgeiz des Ermittlers und seine Gefühle für Cilli gepackt, und er zieht auf eigene Faust los, die Ungereimtheiten aufzuklären, nicht ahnend, wie tief der Abgrund ist, in den er bald blicken muss.

Die heile Welt von „Dahoam is Dahoam“ wird nicht angetastet

Das ist vom Plot her konventionell, aber stets mit Lust am Witz und Vorliebe für schräge Typen inszeniert; die Kamera von Mike Kuder hat ein Faible für Close-ups, die den Horror des Ermittlers parodistisch aufgreifen, und die – echten – Darsteller aus der Serie spielen mit Spaß an der Verulkung mit. 

Die heile Welt von „Dahoam is Dahoam“ wird letztlich nicht angetastet, sogar seine Spesen kann der Produzent belegen. Bleibt aber eine Frage: Was wusste der Programmchef? 

„Akte Lansing“, BR, ab 4. April, 22.45 Uhr; schon jetzt alle sechs Folgen in der Mediathek.

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