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"Die Kriegserklärung: Ändert Paris wirklich alles?" Zu diesem Thema diskutieren in der Sendung "Menschen bei Maischberger" Cem Özdemir, Wolfgang Bosbach, Marion von Haaren, Sandra Maischberger, Ulrich Kienzle und Hans-Ulrich Jörges. (v.l.n.r.).

Menschen bei Maischberger, ARD

Ändern soll sich nicht alles

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Sandra Maischberger passte sich dem geschehen an und ließ über Terror diskutieren. Antworten auf die vielen Fragen fand sie mit ihrer Runde auch nicht.

Wenn die schreckliche Wirklichkeit die Programmplanung übernimmt, haben die politischen Talkshows ein Problem. Sie müssen sich neue, mindestens andere Fragstellungen ausdenken als die Konkurrenz. Deshalb war Günter Jauch im Vorteil: Mit „Der Terror von Paris – Was ist unsere Antwort“ hat er am Sonntag die Reihe begonnen. Es folgte Frank Plasberg mit „Terror gegen die Freiheit, wie verteidigen wir unsere Werte.“ Da blieb der armen Sandra Maischberger als Nr. 3 kaum mehr übrig, als rhetorisch eins drauf zu setzen: „Die Kriegserklärung: Ändert Paris wirklich alles?“ Zum Glück hat der weise Reinhold Beckmann sich ja schon vor einiger Zeit selbst aus dem Rennen genommen.

Ist die Moderatorin einer Antwort auf ihre Fragestellung näher gekommen? Gelegentlich. Am weitesten weg war sie mit einem Spezialgast, den die Redaktion aus Brüssel zugeschaltet hatte: Asim el Difauoui. Sein Spezialgebiet ist die These, das der Dschihadismus, der militante Islam nicht zuletzt eine Jugendkultur sei. Er vertrat sie wortreich und war kaum zu unterbrechen. Leider war die These vor den Ereignissen von Paris genauso richtig oder falsch wie danach.

Hat die Sendung sich dem Thema wenigstens mit einer originellen Sichtweise genähert? Der Titel „Menschen bei Maischberger“ suggeriert das. Die Antwort: Nein. Es waren die üblichen Politiker, Journalisten und Experten. Ulrich Kienzle, pensionierter Fernsehmann und Nahostexperte vom Dienst, hatte immerhin eine eigene These: Der Westen soll nach seiner Meinung keinen Krieg gegen den Islamischen Staat führen, sondern eine „aggressive Eindämmung“ betreiben“. Was der Unterschied ist? Mindestens ein anderer Begriff.

Hans-Ulrich Jörges, der stets thesenstarke Stern-Autor, wurde auch hier seiner Rolle gerecht: Ja, für ihn ändert Paris zumindest vieles. Er sprach sich für westliche Bodentruppen aus. Auch deutsche. Klare Antwort. Klare Ansage.

Marion von Haren aus dem Hauptstadtstudio der ARD war als Spezialistin für die Finanzierung des IS angekündigt. Die Ergebnisse ihrer Recherchen behielt sie allerdings für sich. Stattdessen kritisierte sie engagiert, dass die reichen Länder schon seit Jahren total ungerechte Verträge mit den armen machten. Fragestellungsbezug? Eher gering.

Das expertisch-journalistische Trio war im übrigen hauptsächlich damit beschäftigt, es der Moderatorin schwer zu machen und durcheinander zu reden. Deshalb gebührt ein Lob den beiden anwesenden Politikern. Sie argumentierten ruhig und sprachen fast nur, wenn sie gefragt wurden: Cem Özdemir und Wolfgang Bosbach.

Der Grüne begründete, warum sich nach Paris unser Verhältnis zu den Muslimen nicht ändern darf. Und auch nicht in der Asylpolitik. Wegen dieser Meinung werden Grüne in solche Sendungen eingeladen. Özdemit konnte allerdings nicht verbergen, dass es ihm nach Paris nicht leichter fällt, sie zu vertreten.

Dem CDU-Politiker fiel die Rolle zu, sich von Markus Söder abzusetzen. Die Behauptung des CSU-Mannes, nach Paris sei alles anders, hatte schließlich der Sendung den Titel nahe gelegt. Dem routinierten Politiker und Talkshowgast gelang die konkreteste Antwort auf die Frage, ob Paris alles ändere: Ein klares Nein. Bosbach hat die Erfahrung gemacht, dass nach Katastrophen wie in Paris ein Vier-Stufen-Programm abläuft: Erst verbreite sich Angst, ihr folge die Forderung nach Konsequenzen. Und am Ende bleibe alles wie es war. In der Flüchtlingspolitik darf nach seiner Meinung allerdings nicht alles so bleiben. Deutschland müsse seine Grenzen sichern, forderte er – aber diese Notwendigkeit bestehe unabhängig von den schrecklichen Attentaten von Paris. So schaffte er das Kunststück, sich von Söder rhetorisch abzusetzen, inhaltlich aber seiner Meinung zu sein.

Nun sind wir gespannt, was Maybritt Illner am Donnerstag im ZDF aus dem Thema macht. Hmh, sind wir es wirklich?

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