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Anne Will

TV-Kritik "Anne Will"

Abstiegsangst

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Bei Anne Will nicken sie heute alle zu mehr Managerkontrolle. Keiner ruft: Der Markt wird's richten. Aber ist dieser Glaube wirklich ausgestorben? Arno Widmann über Polit-Talkshows in Wahlkampfzeiten.

Jetzt nicken sie alle. Hätte Christian von Bechtolsheim, Spross eines 900-jährigen Freiherrengeschlechts und Vermögensberater vor einem Jahr die 15 Millionen für Karl-Gerhard Eick von Arcandor auch schon "obszön" genannt? Renate Künast betont mehrmals, dass sie dafür sei, die Extraverträge fürs Topmanagement den Hauptversammlungen der Unternehmen vorzulegen.

Wäre das nicht eine Idee gewesen, die sie als sie noch auf der Regierungsbank saß, gut hätte verwirklichen können? War der FDP-Bundestagsabgeordnete Otto Fricke auch schon vor einem Jahr dafür, dass die Unternehmen die Höhe der Vergütungen des Topmanagements von dessen Erfolgen abhängig machen sollten? Keiner ruft: Der Markt wird's richten. Ist dieser Glaube wirklich ausgestorben? Hat er sich nur wegen der Krise für eine Weile zurückzogen? Oder sagt das nur keiner, weil in drei Wochen gewählt wird und wer wählt schon jemanden, der sagt: Das Beste ist, nichts zu tun?

Was man diesmal mitnimmt aus Anne Wills Sendung? Erstens: Bodo Ramelows Satz "60 Prozent der Thüringer arbeiten unter prekären Bedingungen." Zweitens: Thomas Brauße, der vor einem Jahr noch mehr als einhunderttausend Euro im Jahr verdiente, entlassen wurde und jetzt eine Würstchenbude aufgemacht hat vor seinem ehemaligen Arbeitsplatz. Man wünscht so vielen diese Tatkraft, diesen Lebenswillen. Nicht zuletzt wünscht man sie sich freilich auch für sich selbst. Denn entlassen wird auch in Häusern wie diesen.

Anne Will: "Abstiegsangst in Deutschland", ARD, Sonntag 21.45 Uhr

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