1. Startseite
  2. Kultur
  3. TV & Kino

Dresden-Tatort „Katz und Maus“: Abgründe in der ARD

Erstellt:

Von: Judith von Sternburg

Kommentare

Ermittler Schnabel (Martin Brambach) in der Hand einer bösen Maus. Marcus Glahn/MDR/MadeFor
Ermittler Schnabel (Martin Brambach) in der Hand einer bösen Maus. Marcus Glahn/MDR/MadeFor © MDR/MadeFor/Marcus Glahn

Der Dresden-Tatort am Sonntag führt in den geistigen Abgrund einer Welt aus Verschwörungstheorien und die Polizei an ihre natürlichen Grenzen.

Ein Entführer mit Mausmaske ergibt zwar gute Scherenschnittbilder und gute Sätze – was, wie, man führe hier eine Stürmung durch, weil eine Maus einem Koordinaten gegeben habe? –, aber keinen lustigen Tatort. Der Mann mit der Mausmaske ist ein schlimmer Finger. Hans Löw, der sich schließlich unter der Maske sehen lässt, spielt ausgezeichnet eine dumme beleidigte Leberwurst, die aufgehört hat, irgendjemandem zu glauben außer sich selbst.

Und einem finsteren Internetprominenten, der sich ebenfalls hinter einer Tiermaske versteckt (der Cheshire Cat aus „Alice im Wunderland“ und das andere Titeltier) und in Wirklichkeit ein blasierter Teenager ist – Paul Ahrens als Bübelchen, das einem den Tag versauen kann, aber hier geht es um Größeres. „Das Beste an Verschwörungstheorien ist ihre Unwiderlegbarkeit“, sagt das Bübelchen.

Karin GorniakKarin Hanczewski
Leonie WinklerCornelia Gröschel
Peter Michael SchnabelMartin Brambach
Philipp LaupheimerYassin Trabelsi
Michael SobottaHans Löw
Nathalie KisselChristina Hecke
Holger KirbachPaul Ahrens
Regie:Gregory Kirchhoff

Tatort mit aufwendigem Einstieg: ARD-Krimi führt in Welt von Verschwörungstheorien

In der Frage, ob man sich dafür interessiert – Menschen, die von allen guten Geistern verlassen sind und ihren Verstand im Netz gelassen haben –, entscheidet sich der Reiz der Dresdner Tatort-Folge, für die Stefanie Veith und Jan Cronauer das Buch geschrieben haben und Gregory Kirchhoff Regie führt. Es ist sicher eine attraktive Aufgabe, die Maus für den ARD-Krimi in Szene zu setzen, eigentlich eine Horrormaus, aber dazu eben diese mausrunden Ohren.

„Katz und Maus“ fängt auch recht aufwendig an, weil die Maus es so will, eine geheimniskrämerische und böse Maus. Dann aber klärt sich bereits einiges, dafür taucht eben Hans Löw hinter der Mausemaske auf und führt vor, wie ein Mensch lieber nichts glaubt und zum Verbrecher wird, als zuzugeben, dass er erstens arge Fehler gemacht hat und zweitens von der Welt überfordert ist. Michael Kohlhaas ist ein besonnener Mensch gegen Michael Sobotta, der ungläubige Thomas ein knallharter Logiker gegen den ungläubigen Michael.

Der unfassbaren Dummheit gepaart mit Brutalität steht die Polizei ungewöhnlich machtlos gegenüber. Gorniak und Winkler, Karin Hanczewski und Cornelia Gröscher, versuchen es mit Vernunft und List, aber am Ende hilft nur die klassische Detektivarbeit. Das gehört zu den Schwächen der Folge, dass früh der Punkt kommt, an dem man, ähm, die Sache mal hätte abklopfen können. So erwischt es in der zweiten Entführungsrunde auch Martin Brambach als Schnabel, Winklers und Gorniaks Chef, der auch diesmal der personifizierte gesunde Menschenverstand ist. „Das ist doch Quatsch, das müssen Sie doch merken“, sagt er zur Maus. Nein, die Maus merkt es nicht.

Zur Sendung in der ARD

„Tatort: Katz und Maus“, ARD, So, 20.11.2022, 20.15 Uhr.

Tatort in der ARD: Dresden-Krimi endet „doppelt schlecht“

Weil man am Sonntagabend zu diesem Zeitpunkt schon viel mehr weiß als Sie jetzt, wird das allmählich etwas müßig und „Katz und Maus“ vorerst eine doch etwas zu einfache Geschichte. Man ahnt, dass da noch etwas kommt, aber bis dahin verlieren Gorniak und Winkler zunehmend die Nerven, zerrt Schnabel an seinen Fesseln, und die Maus salbadert und bekommt womöglich gerade ihrer großen Ohren wegen einiges nicht mit. Außerdem erklingt zum Finale ein wagnerartig lichtes Streichermeer.

Das leere und etwas dumme Gesicht vom Mann hinter der Mausmaske bleibt im Gedächtnis. Man trifft ihn in jeder zweiten Nachrichtensendung, weil er irgendwo in der Welt schon wieder Dummheiten und Schlimmeres macht, unterstützt, wählt.

Auch „Katz und Maus“ endet doppelt schlecht, aber keiner wird bereit sein, an dieser Stelle an das Schlimmste zu denken. Schon hören auch Gorniak und Winkler auf zu weinen und herumzustreiten (passt gar nicht zu ihnen) und geben ihr Bestes. (Judith von Sternburg)

Auch interessant

Kommentare