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Sonja und Marc, müde nach einem Dutzend Jahren Zweisamkeit.

"Bist du glücklich?", ARD

Die abgenutzte Liebe

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"Bist du glücklich?", eine stille Beziehungsgeschichte als Mittwochsfilm im Ersten.

Ein Salzstreuer wird zum Zankapfel: Er beklagt sich, dass sie den Streuer nach jedem Essen vom Tisch wegstellt, so dass er beim nächsten Ma(h)l wieder darum bitten/selber aufstehen und ihn holen muss. Sie findet sein Gemecker einfach nur lächerlich – und klebt den Salzstreuer mit Sekundenkleber auf der Tischplatte fest.

So fest, dass er nur noch mit Gewalt und unter Beschädigung des Holzes an das Salz kommt. Oder einen neuen Streuer kaufen muss, mit dem das Spiel von vorn beginnen könnte. Aber da ist in dem Film von Max Zähle, nach einem Buch von David Ungureit, längst klar, dass diese beiden – sie heißen Sonja und Marc, sie werden zurückhaltend und nuanciert gespielt von Laura Tonke und Ronald Zehrfeld – ein gutes Dutzend Jahre nach ihrem Kennenlernen auf dem Weg zu ihrem Wochenendhaus sind, weil sie sich getrennt haben und es verkaufen wollen. 

„Bist du glücklich?“ fragt der Filmtitel, die Antwort ist eigentlich schnell klar: Nein. Der Weg vom Ja!, als die zwei sich kennenlernten, zum Nein ist in diesem Mittwochsfilm der ARD so unspektakulär wie vertraut. Marc hat Sonja mit einer Jüngeren betrogen, aber das war wohl nur der letzte dicke Tropfen in einem gemeinsamen Leben, in dem man sich auch Nichtigkeiten wie den Salzstreuer übel nahm. In Rückblenden zeigt Regisseur Zähle, wie Marc ertappt wird, wie er auszieht – Laura Tonkes Sonja sieht man Bitterkeit und Wut an, sieht man an, dass sie nicht bereit ist zu verzeihen. 

Ob es die Rückblenden in die Zeit der Verliebtheit, dann die Zeit einer frohen Beziehung, dann der Nickeligkeiten, Betrügereien und Schuldzuweisungen sind, „Bist du glücklich?“ erzählt stets mit leichter, behutsamer Hand, manchmal ironisch, manchmal melancholisch. Ach nein, mit den Freunden zusammen möchte sie nicht so gern weggehen, sagt Sonja einmal, die streiten doch die ganze Zeit. Da sind sie und Marc noch im Stand der Unschuld. 

Als mühsam Konversation Treibende fahren sie nun (doch warum mit seinem Auto, sie wäre viel lieber in ihrem ...) aus Frankfurt raus. Frankfurter werden manche Häuserzeile und Straße erkennen. Ihr gefällt seine Musik nicht, er findet das kleinlich. Er braucht was zu Essen, sie hat nur Kekse dabei. Immerhin erinnern sie sich gemeinsam an eine Gaststätte mit fantastischem Chili con Carne; nach kurzer Diskussion fahren sie den Umweg – aber ach, das Chili war auch schon mal besser. Oder war ihnen damals, taumelnd vor Liebe, egal, wie es schmeckte? 

 Wie dieser stille kleine Spielfilm ohne viel Aufwand und ohne Aufregung von den Erfahrungen erzählt, die jedes Paar so oder ähnlich macht, das ist trotzdem nicht zäh oder langweilig. Dafür sorgen die passgenauen Szenen, die alles Unnötige und jeden Satz zuviel weglassen. Dafür sorgen die glaubhaften Dialoge – ja, genau so läuft ein Streit ab. Und dafür sorgt eine Mini-Intrige: Die Wochenendhaus-Nachbarn (Eleonore Weisgerber und Günther Maria Halmer als abgeklärtes Paar) sorgen dafür, dass Sonja und Marc noch eine Nacht allein zusammen im Haus sind. 

Man muss allerdings nicht fürchten, dass es jetzt kitschig wird, dass „Bist du glücklich“ zuguterletzt ohne Fragezeichen dastehen könnte. 

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