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Norbert, 60, Ex-Polizist und heute Sicherheitsexperte, während einer Behandlung mit Botox bei Schönheitsärztin Dr. Leila Frohn.
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Norbert, 60, Ex-Polizist und heute Sicherheitsexperte, während einer Behandlung mit Botox bei Schönheitsärztin Dr. Leila Frohn.

TV-Kritik

Spuren des Lebens

  • Tilmann P. Gangloff
    VonTilmann P. Gangloff
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In der Reportage erzählen Frauen und Männer, warum sie sich ihre Falten glätten lassen.

Mit Mitte dreißig endet bei den meisten Menschen der Alterungsprozess, aber leider nur innerlich; äußerlich geht es nun mehr oder weniger rapide bergab. Gerade für attraktive Frauen, die es gewohnt sind, für ihr gutes Aussehen Komplimente zu bekommen, kann das ein Problem werden, weshalb sich Schönheitsärzte seit einigen Jahren über enorm viel Kundschaft freuen können; Deutschland, heißt es in der „37 Grad“-Reportage im ZDF, gehöre weltweit zu den Ländern mit den meisten Schönheitseingriffen.

Die Nachfrage hat während der Corona-Pandemie keineswegs nachgelassen, im Gegenteil; manch einer und eine hatte nun endlich die Zeit, sich einen schon länger gehegten Wunsch zu erfüllen. Danuta Harrich-Zandberg wollte herausfinden, warum so viele Frauen, aber auch immer mehr Männer dem natürlichen Lauf der Dinge Einhalt gebieten wollen. Anfangs geht sie kurz auf die Beauty-Kanäle der verschiedenen digitalen Plattformen ein, aber dann wird mehr und mehr deutlich: Es geht nicht um Schönheitswahn. Eine Ärztin räumt zwar ein, sie erlebe durchaus Patientinnen, die mit einem Vorbildfoto in die Praxis kämen, aber die meisten hätten andere Motive.

„37 Grad: Spieglein, Spieglein an der Wand“ (ZDF): Menschen sprechen offen über ihr Seelenleben

Wie stets bei „37 Grad“ ist die Offenheit, mit der die Menschen über ihr Seelenleben sprechen, bewundernswert. Eine Frau Ende fünfzig litt unter Depressionen und hat diese Phase dank einer Psychotherapie gut überstanden, möchte aber nicht, dass man ihr ansieht, was sie durchgemacht hat. Einer zehn Jahre jüngeren Kosmetikerin geht es ähnlich. In ihrem Beruf ist das Aussehen naturgemäß besonders wichtig; in ihrem Gesicht hat der Krebstod ihres Lebensgefährten Spuren hinterlassen. Doch es gibt auch andere, die einfach so jung wirken wollen, wie sie sich fühlen. Ein Single um die sechzig, dem sein Alter nicht anzusehen ist, berichtet von den Plänen, die er gemeinsam mit den Eltern für deren drittes Lebensdrittel geschmiedet hat; und dann sind beide viel zu früh gestorben. Er hat daraus die Lehre gezogen, das Leben jetzt zu genießen.

Die Autorin stellt das nicht in frage, ihr Film wertet nicht. Es geht auch nicht um Brustvergrößerungen oder ähnlich massive Eingriffe, sondern um Details: hier sind es Tränensäcke oder die Fältchen um die Augen, dort die Mundwinkel, die mit zunehmendem Alter nach unten wandern. Die beiden Münchener Ärztinnen, die aus ihrer Praxis berichten, haben allerdings auch jüngere Patientinnen. Am Aussehen einer Frau Anfang zwanzig gibt es im Grunde nichts auszusetzen, wie auch ihre Mutter findet, aber Schönheit liegt nun mal im Auge des Betrachters. Außerdem ist die Mutter gleich mitgekommen, um ebenfalls kleinere Reparaturarbeiten vornehmen zu lassen.

Seit 17 Jahren lässt sich Nicole, 46, bei Schönheitsärztin Dr. Leila Frohn behandeln.

„37 Grad“ (ZDF) über Schönheits-OPs: Manche Fragen blieben offen

München ist die deutsche Stadt mit der größten Pro-Kopf-Dichte an Schönheitspraxen, was nicht weiter überrascht, schließlich dürften in München und Umgebung auch die meisten Reichen und Schönen leben. Dieser soziale Aspekt kommt in der nur knapp dreißig Minuten langen Reportage etwas kurz: Wer sich die teure Behandlung nicht leisten kann, muss auf billige Angebote ausweichen, und so sehen die Maßnahmen dann oft auch aus; Harrich-Zandberg streift diesen Aspekt zu Beginn. Es ging ihr offenbar um etwas anderes: Der Film befreit das Thema von seinem Makel.

Die Bezeichnung „tabu“, die mal fällt, ist vielleicht ein bisschen hoch gegriffen, aber tatsächlich tun die meisten Patientinnen und Patienten anscheinend so, als sei ihre vermeintliche Unverwüstlichkeit ein Geschenk der Natur. Das gilt auch und gerade für Hollywood-Stars. Brad Pitt zum Beispiel, spekuliert eine der Ärztinnen, verdanke sein gutes Aussehen im mittlerweile fortgeschrittenen Alter von 57 Jahren garantiert nicht allein Maßnahmen wie Yoga, viel Wasser trinken und früh zu Bett gehen. Warum die Menschen ein Geheimnis daraus machen, erörtert der Film jedoch nicht. Ebenso unbeantwortet bleibt die zu Beginn aufgeworfene Frage, wann „das Streben nach Schönheit zum Wahn“ werde.

Zur Sendung

„37 Grad: Spieglein, Spieglein an der Wand“, 1.6., ZDF, 22.15 Uhr

„37 Grad“ (ZDF): Fassadenflickerei kann nur übertünchen

Wahre Schönheit, weiß der Volksmund, kommt ohnehin von innen. Die beiden Ärztinnen hüten sich zwar, diese Weisheit zu zitieren, denn das wäre ja geschäftsschädigend, aber sie machen auch keinen Hehl daraus, dass die Fassadenflickerei allenfalls übertünchen kann, was dahinter im Argen liegt: Es sei keineswegs so, dass nach einem Eingriff umgehend der Traumprinz geflogen komme. Schönheitsverbesserungen könnten kurzfristig das Wohlbefinden verbessern, aber langfristig sei „eine gewisse Zufriedenheit und eine gute Portion Selbstbewusstsein“ wichtiger. Das dürfte erklären, warum die meisten Menschen ihre Falten klaglos akzeptieren.

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