Traumschiff mit Schleichwerbung

Das ZDF tarnt Reklame für Luxusreisen als Dokumentation

Von REINHARD LÜKE

Es soll ja Zuschauer geben, denen die paar "Traumschiff"- Folgen pro Jahr nicht reichen. Für diese Darbenden bietet das ZDF mit der sechsteiligen Reihe "Sehnsuchtsrouten" nun Linderung. Mit einem Kreuzfahrtschiff geht es in den ersten beiden Folgen die chilenische Küste entlang bis Kap Hoorn und Feuerland. Dabei gibt es von rauchenden Vulkanen bis zu kalbenden Gletschern erwartungsgemäß viel pittoreske Natur zu bestaunen. Zumal die Autoren Till Lehmann und Steffen Schneider immer mal wieder das schwimmende Luxus-Hotel verlassen, um den Zuschauern Land und Leute nahe zu bringen. Da beobachten sie Bauern beim Dreschen des Korns, schauen verwegenen Männern beim Muschel-Tauchen in der Brandung zu.

So weit, so anschaulich. Wäre da nicht dieser durchweg grausige Off-Kommentar ("Alle müssen helfen. Auch die Frauen"), der das Dasein der Bewohner im Unterton mit dem Tenor "Das Leben ist hart, doch die Menschen sind glücklich" skizziert. Und wenn sie bei einer Kabinenbesichtigung schwärmen: "Wer hier wohnt, hat Freundlichkeit gebucht", darf sich die Marketingabteilung der Reederei freuen. Die Dreistigkeit, mit der dauernd der Name des Pottes für Pauschaltouristen ins Bild gerückt wird, dürfte den Tatbestand der Schleichwerbung erfüllen.

"Sehnsuchtsrouten" (1), ZDF, 20.15 Uhr.

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