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Nicht zu sehen, aber zu hören: die Leute vom Radio.
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Nicht zu sehen, aber zu hören: die Leute vom Radio.

Times mager

Zwischentöne

  • Sylvia Staude
    VonSylvia Staude
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Einmal musste er husten, einmal machte er eine sehr lange Pause: Der Radio-Nachrichtensprecher und die Hörerin.

Bundeskanzlerin Merkel besucht heute erneut die Hochwassergebiete“, beginnt der Nachrichtensprecher um Punkt 8 Uhr, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass Merkel bereits zweimal die Hochwassergebiete besucht habe. Kurze Pause. Gerade hat man der Stimme den Rücken zugedreht, um die Teekanne aus der Küche zu holen, da hört man wieder (oder sollte man schreiben „erneut“?): „Bundeskanzlerin Merkel besucht heute erneut die Hochwassergebiete ...“.

Ist es denkbar, dass der Sprecher nicht merkt, dass er denselben Text gerade schon gelesen hat? Ist es ihm gerade bewusst geworden und setzt er also ein Pokerface auf, auch wenn ihn ja niemand sehen kann? Wird er sich gleich verlegen räuspern? Wird er sagen: Entschuldigung, liebe Hörerinnen und Hörer, ich habe denselben Text zweimal gelesen? Gern würde man ihm ein Zeichen geben, dass man es gar nicht schlimm findet, dass Angela Merkel am Sonntagmorgen um 8 Uhr wieder und wieder in die Hochwassergebiete reist, denn die betroffenen Menschen können den Zuspruch allemal brauchen.

Erst ein einziges Mal in vielen Jahren musste der Radiosprecher husten, während er die Nachrichten verlas. Jedenfalls unserer Erinnerung nach. Da sagte er dann: Entschuldigung, und fing die letzte Meldung von vorne an. Wegen uns hätte er sich nicht entschuldigen müssen, nur einmal husten in gefühlt 100 Jahren, das muss man erstmal hinkriegen.

Wir erinnern uns auch noch, wie besorgt wir eines Tages waren, als die Pause zwischen zwei Meldungen sich zog und zog. Wir lauschten. Wir hielten den Atem an. Es raschelte. Es raschelte erneut ganz leise. Und war das ein Atemzug? Da, noch ein Schnaufen und weitere Stille. Ist ihm nicht gut, dem Nachrichtensprecher? Zögert er vor der nächsten Nachricht, weil es eine so traurige ist? Oder hält er nur wegen eines Hustenreizes kurz inne? Werden wir gleich einen Plumps hören? Bloß nicht.

Gerade beruhigten wir uns mit dem Gedanken, dass ja bestimmt Menschen in seiner Nähe sind, die Hilfe holen können, da: ein tiefes, langes Einatmen. Dann „Bundeskanzlerin Merkel besucht heute erneut ...“. Nein, natürlich hat er damals etwas anderes gesagt, wir wissen es nur nicht mehr.

Sie ist etwas ganz Seltsames, diese schon fast Intimität mit vertrauten Stimmen. Wir haben nicht die geringste Ahnung, wie die Sprecherinnen und Sprecher dieses Senders aussehen, es ist uns auch schnuppe. Und fast immer hören wir mit dem sprichwörtlichen halben Ohr zu, während wir das Spiegelei wenden, die Kanne Tee aus der Küche holen, die Zähne putzen.

Aber manchmal, da hören wir plötzlich auf jeden Zwischenton, auf den Menschen dort irgendwo in einem Studio, vor einem Mikro. Der vor kurzem auch die allererste Meldung sprechen musste, wonach im Ahrtal Menschen gestorben sind. Und viele weitere, immer schlimmere Meldungen.

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