Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Times Mager

Zwillinge

  • Christian Thomas
    VonChristian Thomas
    schließen

Zum Erbe der Bilderbücher gehört, dass die "Eskorte auf all unseren Wegen war". Umso verstörender daher das Bilderbuch, das Stanley Kubrick aufschlug in "2001", ein Jahr vor der Mondlandung.

An dem Wettlauf der Weltmacht der Bilder hat sich seit der Mondlandung nicht allein die NASA beteiligt, auch wenn all die Bilder, die in den letzten Tagen, rund um den Jahrestag, zu sehen waren, ein kleines Fenster in eine vierzig Jahre alte Ferne öffneten. Mit vierzig Jahren, das bewies auch das Alter der Generation der Apollo-Astronauten, ist man besonders reif für Großtaten.

Vom Mond ging damals für die Erde ein magischer Hoffnungsschimmer aus. Der blaue Planet im Visier der ersten Astronauten, der blaue Planet in unendlicher Schönheit: Das kleine Fenster riss einen bis dahin nie gesehenen Horizont auf, Hoffnung für die Zukunft des Heimatplaneten. Ungezählt wie die Sterne waren die Fenster, die produziert wurden - und manches Fenster erreichte als Poster die vier Wände eines Kinderzimmers, wo sich soeben noch die Welt um "Peterchens Mondfahrt" oder den "Kleinen Häwelmann" gedreht hatte. Unter Bilderbuchbildern von der Erde konnte man mit einem Male weltweit einschlafen.

Nun, heute, auch wenn sie noch nicht hinaus in der Welt sind, haben meine Kinder ihre Bilderbuchzeit längst hinter sich. Zum Erbe der Bilderbücher gehört, dass die Weltgewissheit die "Eskorte auf all unseren Wegen war", wie Hans Blumenberg geschrieben hat. Umso verstörender daher das Bilderbuch, das Stanley Kubrick der Menschheit aufgeschlagen hat in "2001", ein Jahr vor der Mondlandung. Und so sahen wir, Weltraumfahrer im Wohnzimmer, gemeinsam das Schlussbild, das Kubrick der Nachwelt mit seiner Weltraumodyssee vermachte. Langsam von links, während der blaue Planet auf der rechten Seite in seiner kosmischen Ursuppe schwimmt, nähert sich eine weitere Kugelgestalt, ein Embryo in seiner Fruchtblase. Kubricks Finale rotierte bei uns zur Feier des 20 Juli 1969 als DVD-Scheibe - und im Wohnzimmer waren wir gebannt von einer Metapher der Verfassung des Heimatplaneten. Embryo und Erde als Spiegelbilder. Wir sahen Zwillinge der Verletzbarkeit, in einem unendlichen Raum. Und es ging auf, wie Kubrick aus der Erde, als sie ein Domestik der Mondfixierung war, einen Trabanten ewiger Besorgnis gemacht hat.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare