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Times Mager

Zweite Klasse

  • VonHans-Jürgen Linke
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Ob Achsenprobleme oder unpünktliche Züge - Mehdorn sorgte stets für inbrünstige Seufzer in den Großraumwagen. Gegen wen soll die zweite Klasse sich nun zusammenrotten? Von Hans-Jürgen Linke

Ist irgendwo jemand, der ihn nicht vermissen wird? Ihn selbst und sein entschlossen uncharmantes, aber nicht verschlagenes Halblächeln, seine eckige Physiognomie, seine unverfrorene Unbeirrbarkeit, sein siegerhaftes Nichtakzeptieren von Niederlagen? Was soll man ihm jetzt nachrufen? Vielleicht, dass Hartmut Mehdorn, dessen Vertragsauflösungsangebot hoffentlich niemand ablehnen wird, der Glücksfall eines widersprüchlich modernen Managers war? Als neoliberaler Schwergewichts-Wirbelwind gegen die langsam mahlenden Windmühlen von Bürokratie und Gesetz hat er das Projekt der Privatisierung des Staatsbetriebs vorangetrieben - komisch nur, dass es ihm nicht gelungen ist. Post, Postbank, Telekom haben es doch auch geschafft, sogar ein bisschen geräuschloser. Vielleicht lag ja da das Problem: Mehdorn war bei aller Effektivität nicht geräuschlos. Irgendwie hat er es geschafft, über Jahre das vielgehasste Gesicht für all die Zumutungen zu sein, die die Deutsche Bahn ihren Kunden antat: Unpünktlichkeit, lästige Türen- und gefährliche Achsenprobleme, Zusatzgebühren für nicht-automatisierte Dienstleistungen und was nicht noch alles - stets gingen inbrünstige Mehdorn-Seufzer durch die Großraumwagen und sorgten für Einigkeit in der zweiten Klasse.

Gegen wen soll sich die zweite Klasse nun zusammenrotten?

Wie alle Manager trug Mehdorn nicht den Hauch einer Schuld für seine Misserfolge, geschweige denn Verantwortung, nur sandten die mobilisierenden Qualitäten seines Auftretens andere Signale aus. Die Bahn-Privatisierung aber braucht geräusch- und gesichtslosere Manager. Unpünktlichkeit und Schlamperei dürfen nicht grinsen. Regelübertretung darf nicht von markiger Selbstgerechtigkeit begleitet sein. Deshalb fällt niemandem mehr ein gutes Argument ein, warum Hartmut Mehdorn noch länger an der Spitze der Deutschen Bahn sitzen bleiben sollte. Nicht einmal Mehdorn selbst scheint noch eines eingefallen zu sein, außer vielleicht der alten Bauernregel, dass nie etwas Besseres nach kommt.

Dass er gehen wird, ist gerecht, aber auch schade. Vielleicht erleben wir gerade das Ende der deutschen Eisenbahn-Folklore: Erst Märklin, jetzt Mehdorn. Den Rest kann man getrost privatisieren.

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