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Hat sich Donald Trump nicht mit seinen eigenen Aussagen viel eher entlarvt, als es das Times mager könnte?

Times mager

Trumpismen

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Können Zuspitzung und erfundene, geschmacklose Trumpismen das Ziel erreichen, den Rassismus des US-Präsidenten offen zu legen? Das Times mager reflektiert sich selbst.

Wer das Times mager liest, weiß es längst: Tag für Tag, Stunde um Stunde vibriert die Luft von all den leidenschaftlichen Debatten in den Fluren einer pulsierenden Großstadt-Redaktion. Aber im Ernst: Manchmal wird wirklich diskutiert. Gelegentlich sogar über Texte.

An dieser Stelle ist vor einigen Tagen unter dem unschönen Titel „Schlampen“ eine neue Folge der lockeren Serie „Aus dem Tagebuch des Donald Trump, das der FR exklusiv vorliegt, seit sie es selbst erfunden hat“ erschienen. Wie immer ging es darum, dem US-Präsidenten Dinge in den Mund zu legen, die er auch noch gesagt haben könnte.

Trump hätte es sagen können

Nein, er hat die jungen, weiblichen Kongress-Abgeordneten, die ihm laut zu widersprechen wagen, nicht wirklich „Schlampen“ genannt. Aber spricht nicht alles dafür, dass ein Mann, der so viel Angst vor starken Frauen hat, dass er sie nur geringschätzen kann, das S-Wort gern in den Mund genommen hätte? Und nein, Trump hat nicht wirklich gesagt, er habe „noch nie ein Negermädchen von der Bettkante gestoßen, wenn es sich anständig gefügt hat“. Aber passt die Mischung aus Rassismus und sexistischen Allmachtsfantasien nicht doch zu einem Typen wie ihm?

Das Times mager bedankt sich herzlich bei der Kollegin A., die diese Fragen gestellt und für sich beantwortet hat. Nein, sagt die Kollegin A., Donald Trump habe sich durch das, was er wirklich sagte, ausreichend selbst entlarvt. Der Versuch, ihn durch Zuspitzung und erfundene, noch geschmacklosere Trumpismen zu stellen, erreiche das Ziel, den Rassismus dieses Mannes offenzulegen, keineswegs.

Vielmehr, fuhr die Kollegin A. fort, werde ein Text, der Geschmacklosigkeit bloßstellen wolle, durch die Verwendung geschmackloser Begriffe wie „Schlampen“ und „Negermädchen“ selbst zu einem geschmacklosen Text.

Kommunikation muss nicht im Konsens enden

Und jetzt? Nun ist es leider so, dass der Autor der Kritik nicht so recht folgen mochte, während die Kollegin A. ebenso wenig von ihren Einwänden abzurücken bereit war. Aber ehrlich, es hat sich trotzdem gelohnt. Warum?

Erstens: Sie, liebe Leserinnen und Leser, wissen jetzt Bescheid. Zweitens: Wie man sieht, muss Kommunikation, um als gelungen gelten zu dürfen, nicht unbedingt im Konsens enden. Manchmal erweitert sie einfach den Horizont, erlaubt den Perspektivwechsel und eine Überprüfung der eigenen Argumente.

Das halten Sie für selbstverständlich? Dann schauen Sie sich mal die Wutliebhaber im Netz an, die einander ihre betonierten Wahrheiten um die Ohren hauen.

Kollegin A. ist schon ziemlich gespannt, wie der nächste Tagebuch-Auszug von Donald Trump aussehen wird. Der Autor, ehrlich gesagt, auch.

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Dort war es stürmisch, hier ging die Sonne rasend schnell unter: Wer reist, hat was zu erzählen. Die Kolumne „Times mager“.

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