Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Kein "guter Abschnitt" trotz Bronze: Paul Biedermann, Schwimmer.
+
Kein "guter Abschnitt" trotz Bronze: Paul Biedermann, Schwimmer.

Times Mager

Zuschnitt

  • Stephan Hebel
    VonStephan Hebel
    schließen

Es geht um das Problem des Zuschneidens und des Zuschnitts. Und um die Fehlerhaftigkeit des gepflegten Sprachgebrauchs.

In kleiner Runde verlas der Kollege S. die schönsten Passagen aus einem Artikel zum Thema „Politiker im Urlaub“. Die allgemeine Zustimmung schlug in einen intensiven Meinungsaustausch um, als der Kollege S. die Passage zum einstigen Kanzler Konrad Adenauer zum Besten gab: „Legendär die Bilder des alten Herrn mit Pepitahütchen beim Zuschnitt seiner Rosen.“ Es war der Kollege S. selbst, der mahnend den Zeigefinger hob, um dann übergangslos die Fehlerhaftigkeit des hier gepflegten Sprachgebrauchs zu entlarven: „Was mich an Aufschneidern nervt, ist ihr Aufschnitt“, bemerkte S. zum Erstaunen der Kolleginnen und Kollegen.

Man stelle sich, so S. weiter, nur einmal einen, sagen wir, Verkehrsexperten beim „Zuschnitt der RMV-Waben“ vor, von dem er, S., erst am Vortag mit Interesse gelesen habe, allerdings im richtigen Gebrauch, denn dieser Zuschnitt sei Ergebnis des Zuschneidens, das folglich seinerseits keineswegs Zuschnitt genannt werden dürfe. Was „RMV-Waben“ seien, fragte jemand aus dem überregionalen Sport, der die Tarifwissenschaft des Rhein-Main-Verkehrsverbundes schon aus Zeitgründen nie wirklich hatte studieren können. Er wartete dagegen mit dem Schwimmer Paul Biedermann auf, der gerade gut abgeschnitten habe, weswegen allerdings noch lange nicht sein „guter Abschnitt“ zu loben sei. Obwohl auch dies wiederum der Wahrheit entspräche, denn Biedermann habe sich erst im letzten Abschnitt des Rennens zu Bronze gesteigert.

Wie immer, wenn es heiß ist, verließ die Diskussion im Lauf der Zeit die geordneten Bahnen, in denen sie sich bis dahin verlaufen hatte. Kollege B., häufig als Polizeireporter unterwegs und deshalb zum Scherzen aufgelegt, tat kund, die Kriminalbeamten hätten sich erst jüngst nach langer Verfolgungsjagd sehr über die Ergriffenheit des lange gesuchten Mörders gefreut, was allerdings, wie B. selbst zugab, mit dem Problem des Zuschneidens und des Zuschnitts überhaupt nicht zu vergleichen sei. So substantivierte die Runde, langsam ermüdend, weiter vor sich hin, wand sich in mehrfach gewendeten und gewundenen Wendungen und Windungen, bis langsam die Zeit zur gemeinsamen Begehung der Kantine kam. Das ermutigte die Kollegin N. zu einem letzten Hinweis: Sie habe sich als Kind einmal übergeben müssen, „nach der Übergabe aber sofort Erleichterung verspürt“. Allerdings sei sie wegen des Malheurs von einigen Lehrern getadelt worden, worauf jedoch ihre Mutter mutig für sie eingetreten sei. „Für diesen Eintritt bin ich heute noch dankbar.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare