+
Urlaub - Prüfung oder doch Erholung?

Times mager

Zurück

  • schließen

Dort war es stürmisch, hier ging die Sonne rasend schnell unter: Wer reist, hat was zu erzählen. Die Kolumne „Times mager“.

Die Ersten sind bereits zurück aus dem Urlaub, werden bedauert von jenen, die ihren Urlaub noch vor sich haben (ja, der Verdacht auf Krokodilstränen besteht durchaus), und sodann gefragt, wie es war.

Für zwei ältere Damen im Flugzeug von D. nach F. war es „gemischt“, wie die eine gleich zusammenfasst, ehe sie Einzelheiten nennt. Bei den berühmten Klippen zu windig, aber der Blick nach unten wie versprochen schwindelerregend. Beim berühmten alten Buch zu voll, das Buch außerdem unter dickem Glas, aber es ist schon beeindruckend, wenn man darüber nachdenkt. Die Haut von 150 Kälbern wurde verarbeitet, können Sie sich das vorstellen, und die gelbe Farbe kam sonst woher und ist giftig, Arsen, wissen Sie. Dass die Mönche – oder wer auch immer es geschrieben und bebildert hat – nicht daran gestorben sind, ein Wunder! Großartig übrigens auch die Kathedrale, aber fünf Euro Eintritt, das müsste nicht sein, die Kirche hat doch so viel Geld.

Die andere ältere Dame ist in fast jeder Hinsicht ebenfalls dieser Meinung, allerdings hat es bei ihrem Besuch der berühmten Klippen gestürmt und geregnet. „Und kalt“, sagt sie, bei einer so unschönen Tatsache Worte sparend, „und wirklich kalt“. Auch wenn sie natürlich weiß, fügt sie hinzu, dass I. bekannt ist für seinen Regen. Sie hatte auch einen Regenschirm eingepackt, sich aber dann einen weiteren gekauft, denn die Schirme, die es dort zu kaufen gab, mit so Kleeblättern und so, waren einfach zu hübsch. Ich konnte ihnen nicht widerstehen, sagt sie, obwohl, gerade billig waren sie nicht.

Der junge Mann im Café in F. war direkt am Äquator, das betont er vor seinen Zuhörern mehrfach, als wäre dies ein besonderes Verdienst seines Urlaubslandes. Deswegen war die Sonne abends ganz schnell weg und morgens ganz schnell da. Einmal macht er mit der Hand eine Bewegung, als wolle er einen Raketenstart andeuten. Die Zuhörer wirken ein wenig ungläubig, also wiederholt er das mit der Sonne noch mal. Und gibt erst auf eine entsprechende Frage zu: Ja, schwimmen konnte man dort auch, es gab Strände, doch. Und Regenschauer.

Auch das Times mager wurde schon gefragt, wie es in I. war und erinnert sich an einen Busfahrer mit Engelsgeduld und tausend Scherzen, einen Betrunkenen, der ein dunkelhäutiges Paar anschrie „Fürchtet euch! Fürchtet euch!“, bis Passanten einschritten, an Grün, auf dem die Sonne glänzte, und Grün, über das tiefliegende Wolken fegten. Das Times mager hat den Verdacht, Ähnliches könnten Reisende auch aus dem Land D. mit der Stadt F. erzählen. Trotzdem ist es in I. selbstverständlich irgendwie ganz anders gewesen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion