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72.500 Neuerscheinungen - das sind 72.500 erste Sätze. Andere können's doch auch!

Times mager

Zukunft

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Aller Anfang ist schwer. Besonders für einen Schreibenden.

Wie fängt man einen Text an – konkret: diesen Text –, wenn einem nichts einfallen will. Und wenn man außerdem hierzulande möglicherweise die einzige Person ist, die keine Idee hat, wie dieser Text losgehen könnte/losgehen sollte/am besten losgeht. Blamage droht. Schreibblockade droht. Neid droht (über die schönen Anfänge, die sich andere schon haben einfallen lassen).

Plagiat droht. 2017 erschienen fast 72.500 Bücher in Deutschland, das sind auch 72.500 erste Sätze. Da müsste sich doch was finden lassen („Der Regen schlug gegen die Scheiben, der Himmel hatte sich verdunkelt, als ein Schatten…“, oder so ähnlich). Dazu kommen Zeitungs- und Zeitschriftentexte, bestimmt sind das Millionen und Abermillionen erster Sätze. Dazu kommen alle elektronischen Textnachrichten, die sicherlich auch die schönsten Beispiele für bewährte Starts geben. 

„Hallo Frau xy, haben Sie schon…“ (meinen Krimi gelesen; meine Ausstellung besucht; über mein Angebot nachgedacht, Ihnen sieben Millionen Dollar zu überweisen, wenn Sie mir nur Ihre Kontodaten geben; über mein Angebot nachgedacht, Sie heute Nacht noch kennenzulernen).

„Guten Tag, bitte meldet euch …“ (damit wir euch noch mehr News schicken können, die euch nicht die Bohne interessiert; damit wir euch Katzenbilder schicken können; damit wir etwas schicken können, das „echt WOW!“ ist. Und wer wäre nicht an etwas interessiert, das „echt WOW!“ ist?). „Es ist wieder so weit…“ (Weihnachtskonzert, Ostereiermarkt, Buchmesse). „Bald ist es wieder so weit …“ (Weihnachtsmarkt, Osterkonzert, Buchmesse, Stadtmarathon). „Willst du mich“ ist auch ein reizvoller Textbeginn, er wird darum von Claudia, Celine, Gabriele, Katharina, Angelika, Carole, Christa und dreihunderttausend anderen verwendet. 

Redner haben es leicht mit Anfängen. Man sollte an dieser Stelle Redner sein. „Sehr geehrte Damen und Herren“/ „Liebe Kollegnn und Kollegnn“ (Frauen dürfen sich aussuchen, ob sie sich vom ersten „Kollegnn“ oder vom zweiten angesprochen fühlen), „liebe Kinder“. Und natürlich „liebe Leserinnen und Leser“. Dann bietet sich meist ein „lassen Sie uns...“ an (in die Zukunft blicken; optimistisch in die Zukunft blicken; die Zukunft gestalten; denen, die die Zukunft nicht gestalten wollen, wie wir sie gestalten wollen, eins auf den Deckel geben). 

Apropos Zukunft: schon liegen Zimtsterne und Stollen beim Bäcker, stapeln sich Schokoladen-nikoläuse und -hasen im Supermarkt. Bald ist wieder Weihnachten/Ostern/Pfingsten. Schaffen Sie sich für die Feiertage recht-zeitig ein paar erste Sätze an.      

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