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„Fußball, das sind wir alle“, klingt das nicht fast wie „Wir sind das Volk“? 

Times mager

Von Fußball, Heimat und RTL

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RTL bombardiert Fußballinteressierte mit so viel Heimat und Zusammengehörigkeit, dass es unmöglich ist, sich kurzfristig zu erholen.

Das Wochenende hatte schon voller Geborgenheit begonnen, am Samstag bei der Lektüre der vertrauten Zeitung. Darin wurde ein sehr wichtiger Politiker mit den Worten zitiert, seiner Partei seien „zwei Bereiche besonders wichtig: Zukunft und Sicherheit“. Ralph Brinkhaus hieß der Mann, er leitet die Fraktion von CDU und CSU im Deutschen Bundestag, und noch mal ganz ehrlich: Zukunft UND Sicherheit, geht es noch besser?

Am Frühstückstisch war man sich schnell einig, dass zumindest die Sicherheit sogar schon in der Gegenwart anfangen könnte, anders als die Zukunft, und dass damit Wahlergebnisse um die 100 Prozent für Herrn Brinkhaus durchaus drin sein müssten, was den gesellschaftlichen Zusammenhalt sicher zusätzlich stärken würde.

Ob das schöne Gefühl irgendeiner Sicherheit auch ohne das RTL-Fernsehen bis Sonntagabend gehalten hätte, ist schwer zu sagen. Jedenfalls begrüßte das RTL-Fernsehen, als es das Länderspiel unserer Nationalmannschaft präsentierte, die Fußballinteressierten mit einer derartigen Ladung Heimat und Zusammengehörigkeit, dass es unmöglich war, sich kurzfristig davon zu erholen.

„WILLKOMMEN ZUHAUSE“, stand zunächst auf dem Bildschirm, und wieder war man sich einig: Das RTL-Fernsehen wollte nicht etwa unser Zuhause willkommen heißen, sondern uns, das Publikum, bei uns zu Hause, genauer: jeden bei sich, klar.

Dann kam irgendetwas mit „Fußball, das sind wir alle“, und klingt das nicht fast wie „Wir sind das Volk“? Sind wir nicht in der Tat alle aufgerufen, mehr Gemeinschaft, mehr Zusammenhalt, ja: mehr Volk zu wagen? Und war es nicht nur logisch, dass prompt das Logo von Volkswagen auftauchte? Wo ist der Spalter, der da von Dieselabgasen redet?

Während sich der eher miesepetrige Zweig der Familie noch fragte, ob bei „allen“ wirklich alle dabei seien, wenn eine Neigung zum Fußball doch ganz offen als Voraussetzung für die Zugehörigkeit genannt worden sei, folgte noch in der Halbzeitpause die befreiende Nachricht: „Wir sind erst zufrieden, wenn alle dabei sind.“

Klar, auf die Idee wäre Ralph Brinkhaus nicht gekommen, auch nicht auf den lustigen Satz „Ihr seid ein Land, eine Gemeinschaft, ihr seid das, wo ihr dabei seid“. Das Ganze endete mit „Erleben, was verbindet“. Fast ein bisschen schade, dass es nur ums Telefonieren und um das Internet ging.

Andererseits: Ein Hauch von Zukunft umwehte die Versammelten, und gemeinsam stellte man sich Ralph Brinkhaus vor, wie er in seinem Volkswagen beim RTL-Fernsehen eine E-Mail schreibt: Willkommen Zuhause!

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